nicht unempfindlich ist , zeichnet ihn vor allen seinen Offizieren aus , er gibt seiner Entschlossenheit , seinem Eifer öffentlich das schönste Zeugniß , und zieht ihn in den engen Kreis seiner Vertrauten , der so beschaffen ist , daß jeder seine Berufung dazu wohl als eine Ehre betrachten kann . Das ist nun der schwerste Theil meiner Prüfung , das ist ' s , worüber ich dir im Anfange meines Briefs so bitter klagte . Ach , ich wollte ja gern Alles anwenden , was in meiner Macht steht , um mein Herz zu beruhigen , und es nach und nach in das verlassene Geleise seiner Pflichten zurückzuführen ; aber sehen - sehen muß ich ihn dann nicht immer , nicht aus jedem Munde sein Lob hören , nicht den Ton seiner Stimme , die Schönheit seiner Seele , die sich in jedem Worte , jedem Zuge malt , täglich im Innersten meines Herzens fühlen . Er ist stark , unbegreiflich stark ; das kann ich nicht ! Ach wir Weiber sind in dieser Rücksicht gar unglückliche Geschöpfe . Wenn der Mann im Waffengetümmel , im Geschwirre des Gerichtssaals , im Drange der Geschäfte Augenblicke genug findet , wo seine Leidenschaft schweigt , weil sie schweigen muß ; wenn eben diese anstrengenden Geschäfte , alle seine Geisteskräfte auffordernd , seiner Phantasie keinen Spielraum lassen , und alle auf ein würdig großes Ziel gerichtet , durch diese Thätigkeit ihn ergötzen , und zerstreuen , was bleibt uns übrig ? In der Einsamkeit des Gemachs , nur von dienenden Geschöpfen umringt , schweift am Webstuhl und Spindel , der Geist ungehindert umher , und jedes schmerzliche Gefühl hat recht lange und ungehindert Zeit , sich in unsere Brust einzugraben . Selbst Gebet und Lesen beschäftigt , nur halb , und mitten im würdigen Fluge der Andacht , oder auf dem Fittige eines schönen Gedankens entflieht der verwirrte Sinn zu dem Gegenstand , auf den alles Würdige und Schöne eben erst recht hinweiset . Einige Tage später . Wenn ich nur eine Freundin , einen Rathgeber hier um mich hätte , der meinem Herzen das wäre , was du und Theophron mir in Apamäa waren ! An deiner Stärke würde ich mich halten ; sein himmlischer Sinn würde den meinigen von der Erde und den irdischen Gegenständen , an denen er strafbar hängt , abziehen , ich würde Kraft zu meiner Pflicht , und in der Ausübung derselben die Beruhigung finden , die meine jetzige Stimmung unmöglich gewähren kann . O sollte denn der Ewige ein Wohlgefallens daran haben , mich Arme ganz sinken zu lassen , und mir in einer Lage , wo ich so gar nichts zu meiner Rettung thun kann , auch alle fremde Hülfe entziehen ? Meine erste Hoffnung auf Agathokles Entfernung ist ganz verschwunden . Demetrius Zuneigung zu ihm , und mehrere militärische Verhältnisse haben sie unmöglich gemacht . Dann hoffte ich auf die Zufälle des Kriegs , auf die Nothwendigkeit , daß mich Demetrius vom Schauplatz der Waffen werde entfernen müssen . Auch dies schlug bis jetzt fehl . Zwar sind mehrere kleine Gefechte vorgefallen , zweimal , sind die Unsrigen vorgerückt , aber im Ganzen bleibt die Lage der Dinge immer dieselbe , und jeder Vorfall trägt auf ' s Neue nach seiner Art bei , meine Kämpfe zu erschweren . So war die Scene , die gestern vorfiel . Agathokles kam mit Demetrius aus einem kleinen Gefechte zurück ; beide waren leicht verwundet , und mir wurde die Sorge auferlegt , sie zu verbinden und zu pflegen . Wie mir da zu Muthe war , das verlange nicht von mir zu hören . Hier versagte auch seine Stärke , und sein dunkel glühender Blick , der , während ich vor ihm stand , mein thränenvolles Aug ' entdeckte , und erschütternd in mein Innerstes drang , enthüllte auch mir die ganze Tiefe seines Herzens . Ich fing an zu zittern , ich war so außer mir , daß ich mich setzen mußte . Mein Mann schalt mich ; der Anblick des Blutes , glaubte er , habe diese Erschütterung hervorgebracht . » Du mußt , dich überwinden lernen , « rief er ; » eine Soldatenfrau muß Blut sehen können : komm , verbinde meine Wunde . « Ich stand auf , ich entschuldigte mich , und knieete gefaßter hin , um seinen Fuß zu verbinden . Ich mochte meine Sachen ziemlich geschickt gemacht haben : denn er lobte mich zuletzt . Wie es aber war , das wüßte ich in jenem Augenblicke der Verwirrung selbst nicht . Als ich aufstand , und mich nach Agathokles umsah , sah ich ihn am Fenster stehen , die Stirn fest daran gedrückt . Er hörte meine Annäherung nicht , ich hatte den Verband um seinen Finger noch nicht vollendet , und das mußte ich doch . Ich redete ihn an . Wie erschrocken fuhr er empor , und , ach Junia ! ich glaubte eine Thräne in seinem Auge zittern zu sehen . Die meinigen fingen sogleich an hervorzuquellen . » Komm , Agathokles ! sagte ich so gefaßt als möglich , ich muß deine Hand ganz verbinden . « Er folgte mir zu dem Tische , auf dem das Geräthe lag , er setzte sich wieder vor mir hin , ich ergriff seine Hand , sie zitterte wie die meinige . Jetzt schlug er seine Augen auf mich , ich hatte nicht die Kraft , diesem Blicke zum zweitenmale auszuweichen . Ich wandte mein Auge nicht ab , ich ließ es ihm in Thränen schwimmend sagen , was in meinem Herzen vorging . Er faßte meine Hand , und drückte sie an seine Brust . Jetzt brachen meine Thränen so ungestüm hervor , daß ich nicht mehr sehen konnte , was ich machte ! Er schlug den Arm um mich , und sagte leise : O meine Larissa ! wie ist es möglich , dir zu entsagen ? Ich zitterte , daß mir die Sprache