ein ; der Handel kam ihr vortrefflich und Rosamunde höchst großmüthig vor . » Nun müssen Sie mir aber , « sprach diese , » auch einen Gefallen thun . Ich habe keine Parthie zur Maskerade für diesen Abend , und möchte für mein Leben gern hin . Laurette ist enrhumirt ; Sie müssen mit ; ich nehme keinen refus an ! « - » Wie , Madame ! mit diesem zermalmten Herzen ? mit diesem wunden Gefühl meiner Strafwürdigkeit ? « - » O Himmel , wie Sie einen ennuyiren können ! Die Sache ist ja vorbei ; und damit gut . Geben Sie doch einmal diese veralterte Sentimentalität auf ; sie steht einem zwanzigjährigen Gesicht , wie einem Jünglinge die Alongen-Perüke des Ältervaters . Albertine , seyn Sie dieses eine Mal nur gefällig . Der Baron führt mich und der alte Hofmarschall Sie ; daran könnte die prüdeste Duegna nichts auszusetzen haben . Jetzt kann ich mich nicht darüber erklären ; aber gewiß spreche ich dort ohne Zwang einen gewissen Großen , der unsern guten Onkel aus seinen Verdrüßlichkeiten ziehen kann . « - » Jetzt , Madame , legen Sie mir als Verbindlichkeit auf , was ich als Gefälligkeit ungern eingegangen wäre ; denn in der That , mein Gemüth ist sonderbar erschüttert und sehr ernst gestimmt . « - » Eh , tant mieux , ma chere ! so verjubeln Sie die Grillen ! Nun genug ; sie gehen ; in einer Stunde schicke ich Ihnen das Maskenkleid . Addio , cara ! « - Sie hüpfte wie ein junges Mädchen davon und ließ Albertinen ganz betäubt zurück . Nach einer Stunde kamen wirklich ein zierliches Maskenkleid und zweihundert Thaler in Sechsern . Albertine packte ihre Juwelen zusammen und schrieb die Quittung , die den heillosesten Betrug der Habsucht bestätigte . Jetzt wollte sie diese Scheidemünze in Gold umsetzen lassen , denn die Schuld war in Gold zu bezahlen , als ihre Kammerjungfer mit einem Billet von dem bösen Schuldner erschien , der ihr für gute Bezahlung dankte , die er durch einen Herrn erhalten hatte , und wogegen er ihr ihren Schuldschein zurück schickte . Lisette fragte den Burschen aus ; und nach dessen Beschreibung war der Herr kein anderer , als der Baron Weißensee gewesen ; wie denn Lisette jetzt gestand , er habe durch sie selbst heute früh , da er ihrer Dame habe aufwarten wollen , ihre Verlegenheit erfahren , als er darauf bestanden hatte , die Ursache der Thränen , welche diese treue Dienerin vergoß , zu erfahren . Albertinens Delikatesse sträubte sich zwar gegen die Vorstellung , daß sie einem jungen Mann eine Geldverbindlichkeit habe ; indeß , ganz in der Tiefe ihres Herzens wußte sie ihm für eine so warme Theilnahme Dank , und überdem stand es ja jetzt in ihrer Gewalt , die Schuld sogleich zu tilgen . Achtzehntes Kapitel Wir haben unsern alten Bekannten , Wassermann , in dem Paroxismus eines Gallenfiebers verlassen . Auch in diesem Zustand verließ ihn sein Genius nicht , und der Arzt , welchen sein Knabe geholt hatte , wußte gar nicht , mit was für einer Gattung Menschen er es zu thun hätte . Wenn der Kranke immer durch Wir sprach , glaubte er , es sei ein Verrückter , der sich für irgend eine große Potenz halte , bis endlich einmal der fürchterliche Spruch : ohe jam satis , sich aus dem Ideenwirrwarr hervorthat . Jetzt wurde es ihm klar , wer der Kranke sei , und er ging ihm nun tüchtig mit Brechmitteln zu Leibe , die Galle von ihm zu schaffen . Doch blieb , so stark die Mittel anschlugen , immer noch hinreichend zur künftigen Konsumtion übrig . Als der Kranke außer Gefahr , aber noch zu matt zum Schreiben war , dictirte er seinem Arzte einen Brief an Antonien , den dieser , pour la rarité du fait , wirklich niederschrieb ; er war das Urbild des beleidigten Autorstolzes und der plattesten Grobheit . Ferner wendete er seine wieder erlangten Geisteskräfte sogleich zu einer Antikritik an , dergleichen die literarische Markthelfersprache ebenfalls noch nicht aufzuweisen hatte . Als er sich so Luft gemacht , fühlte er sich um ein Großes erleichtert , und die volle Genesung ging nun schnell von statten . Der Arzt war , als er ihn bezahlen wollte , schon von unbekannter Hand sehr reichlich belohnt worden . Das kümmerte nun den Magister weiter nicht , und er gab sich keinen Augenblick die Mühe , seinen unbekannten Wohlthäter auszuforschen . Die Sache war geschehen ; nun gut ! Dankbarkeit gehörte nach ihm zu den Schwächlichkeiten invalider Gemüther ; der Geber schafft sich selbst Vergnügen , indem er giebt ; er findet sich in dem Gefühle , daß er verpflichten kann , edel und groß : soll man ihm das danken ? - Wir , die wir eine andere Ansicht dafür haben , sind neugieriger gewesen , und haben erfahren , daß der edle Ulmenhorst eine so reichliche Spende gemacht hatte . Nachdem er völlig genesen war , wachte seine ganze Wuth wieder in ihm auf , und es schien ihm unmöglich , ferner unter diesem literarischen Sodomsgeschlecht zu haufen . Er schied von dannen , und würde keinem Menschen die Ehre erzeigt haben , Kunde von sich zu geben , hätte er nicht gehofft , aus den Trümmern des Dämmrigschen Wohlstandes könne sich noch für ihn ein Reisegeräthe und manches zu seinem Gebrauche vorfinden lassen ; welches denn auch geschah . Der ehrliche Dämmrig gab lachend , weil der Anblick des gelben Gerippes , worein Wassermann verwandelt war , ihn unendlich amüsirte , alles , was er an Reisebedürfnissen hatte , und fand das Schlottern seiner weiten Kleider auf dem dürren Leibe des Magisters höchst belustigend . Als man ihn fragte , wohin er ginge ? antwortete er : » nach dem einzigen Ort , wo es eigentlich nur Menschen giebt , wo man sie nicht , wie hier , mit Leuchten suchen