alle Mittel in Bewegung gesetzt , sich des ganzen Güterkomplexes zu versichern . Es fand sich auch bald ein Weg , da er sich durchaus finden sollte . Der Verlauf war folgender . Graf Barfus hatte dem Unterhändler des Königs gegenüber von 180000 Talern gesprochen , nur um loszukommen , in der festen Voraussicht , daß diese hohe Summe nie bewilligt werden würde , worin er auch recht behielt . Vielmehr begnügte sich der König damit , dem Grafen wissen zu lassen , daß der Preis seiner Güter , nachdem er überhaupt einmal auf den Verkauf derselben eingegangen sei , nicht länger einseitig durch ihn selbst bestimmt werden könne . Es geböte sich jetzt eine Taxierung . Hiernach kam denn auch im Januar 1736 ein Kauf zustande , ohne daß die belehnten Agnaten befragt worden wären . Der König bewilligte 125000 Taler , schlug Kossenblatt zur Herrschaft Königs-Wusterhausen und überwies es , gleich nach der Übergabe , seinem zweiten Sohne , dem Prinzen August Wilhelm . Ob dieser je dort residiert hat , ist zweifelhaft . Der Prinz bevorzugte das in Nähe seiner Garnison Spandau gelegene Schloß Oranienburg und begnügte sich damit , seinen Namenszug A. W. an dem großen Frontbalkon des ehemaligen Barfusen-Schlosses anbringen zu lassen . Prinz August Wilhelm verschmähte Kossenblatt , aber der König selbst scheint während seiner letzten Lebensjahre viele Wochen und Monate daselbst zugebracht zu haben . Wenn der Ausdruck gestattet ist : er saß hier seine Gicht ab und Kossenblatt wurde der Hauptschauplatz jener Kunstübungen , deren Resultate die bekannte Inschrift tragen : in tormentis pinxit . 65 Nach diesen historischen Vorbemerkungen schicken wir uns zu einem Besuche des Schlosses selber an . Es wirkt im Näherkommen nicht ungünstig und erst die Rückseite des Baues zeigt uns seine Schwächen : zu lange Flügel und einen zu schmalen Schloßhof . Eben diese Rückseite hat auch den Blick auf die Spree und eine kümmerliche dahintergelegene Bauanlage , die den Namen » Lustgarten « führt . In diesem wurde der König in seinem Rollstuhl auf und ab gefahren und die zugeschrägte Doppelrampe , die sich bis diesen Tag in Hufeisenform an den Schloßflügel legt , zeigt am deutlichsten , mit welcher Sorglichkeit all und jedes eingerichtet war , um die schlechte Laune des von Gicht und Wassersucht geplagten Königs nicht noch schlechter zu machen . Wir haben jetzt das Schloß umschritten und treten ein . Der Eindruck , den es in seinem Innern macht , ist der des Stattlichen , aber zugleich der höchsten Trübseligkeit . Es ist ein imposantes Nichts , eine würdevolle Leere , – die Dimensionen eines Schlosses und die Nüchternheit einer Kaserne . Aber erst in den Zimmern der Beletage erreicht die Trübseligkeit ihren höchsten Grad . Hechtgrau gestrichene Türen tragen allerhand Inschriften in gelber Ölfarbe , und den Korridor des linken Flügels hinunterschreitend , lesen wir nach der Analogie von Kasernenstube Nr. 3 oder 4 : » Ihro Hoheit Kronprinzessin « , » Ihre Hoheiten Prinzessin Ulrike und Amalie « , » Ihre Königlichen Hoheiten Prinz Heinrich und Ferdinand « , » Oberhofmeisterin « , » Fräuleins-Kammer « usw. Dazwischen immer » Garderobezimmer « , aber , sooft wir öffnen , alles in dieselbe weiße Tünche getaucht . Wir kehren nun aus dem ersten Stock in das Erdgeschoß zurück . Hier wohnte der König und mancherlei erinnert noch an seine Neigungen und seine Tätigkeit . In dem großen Eckzimmer des linken Flügels sind die Wände bis zu beträchtlicher Höhe mit kleinen holländischen Kacheln bekleidet : glasierte Täfelchen mit blauen Figuren darauf . Dies war ersichtlich das Staats- und Empfangszimmer , denn über dem Kamin hängt ein Porträt Ludwigs XIV. in weit nachschleppendem Hermelin . Die Farben des Bildes sind halb abgefallen , aber auch der haftengebliebene Rest ist immer noch das einzige , was in dem ganzen weiten Schloß an Kunst erinnert und an Genius mahnt . In demselben Staats- und Empfangszimmer befindet sich noch ein Dutzend anderer Porträts : die in tormentis gemalten Bilder des Königs selbst . Das Mildeste , was man von ihnen sagen kann , ist : sie verleugnen die Stunde ihres Ursprungs nicht . Freilich haben auch sie ihre Verehrer gefunden . Einige unbedingte Friedrich-Wilhelm-Bewunderer haben die ganze Frage auf das Gebiet der Energie gespielt und von diesem Standpunkt aus mit einem gewissen Rechte gesagt : » So malte ein Mann , der nicht malen konnte . Und so malte er unter Schmerzen und – jeden Tag ein Bild . « Vor diesem Räsonnement verneigt sich die Kritik . Alle diese Bilder des Königs rühren aus den Jahren 1736 , 1737 und 1738 her . Es sind sämtlich Porträts ( Bruststücke ) und zwar einundvierzig an der Zahl , von denen sich zweiunddreißig in den Zimmern , neun aber im Korridor befanden . Alle in Rahmen von gebeiztem Eichenholz . So häßlich die Bilder sind und so unfähig , ein künstlerisches Wohlgefallen zu wecken , so wecken sie doch immerhin ein gewisses künstlerisches Interesse . Der Hang zum Charakteristischen ist unverkennbar . In dem einen Zimmer hängen z.B. zwei seiner Judenköpfe nebeneinander . Man sieht deutlich , daß ihm der erste Kopf nicht jüdisch genug erschienen war und daß er sich zum zweiten Male an die Arbeit machte , um den nationalen Typus entschiedener herauszuarbeiten . Einmal ist ihm sogar ein hübscher Kopf geglückt : die Frau seines ersten Kammerdieners . Hübsch cum grano salis . Außer den Bildern des Königs , die neuerdings , wenn ich nicht irre , nach Königs-Wusterhausen hinübergeschafft worden sind , bewahrt Schloß Kossenblatt auch die Staffelei , worauf die Bilder gemalt wurden . Daneben einen Eichentisch und um den Tisch herum eine Anzahl schwerer Holzstühle nach Art unserer jetzigen Gartensessel . Alles solid und primitiv . Wir durchschritten endlich auch den Rest des Erdgeschosses und fanden seine Räume , wie wir die des ersten Stockes gefunden hatten : groß , öde , weiß . Dazu hohe Fenster und hohe Kamine . Sie hatten bloß ein charakteristisches Zeichen und dieses Zeichen mehrte