die hinterste , führte zu der Gesellschafterin der Schwiegermutter , Lucinde Schwarz ... Auf das Erstaunen des alten Joseph , der doch hoffte , daß er wiederkäme , sprach er kein Wort . Aber seine Augen waren Feuerzungen . Doch auf diese Sprache verstand sich Joseph nicht . Ein paar Schritte machte Nück auf den Corridor hinaus . Dann kehrte er um und hielt sich an dem Treppengeländer ... Jetzt bellten die Bologneserhunde an einer der Thüren und kratzten , um hinauszukommen ; denn unten hörte man schon den immer gemüthlichen Ton des alten Pötzl , der bereits von unten herauf mit den Hunden sich neckte . Auch der Medicinalrath kam und noch ehe sich Nück von dem biedern Händedruck Pötzl ' s freigemacht hatte , war auch der Kanonikus schon da , der trotz Kirchentrauer und Kaiser und Papst am Whisttische unter keiner Bedingung fehlte ... Nück sagte allen , er käme wieder und hätte nur seiner Frau zu Gefallen sämmtliche Kamine wollen auslöschen lassen ... Er beruhigte die Ankommenden , daß » Lieb Mutterchen « - so nannte die Commerzienräthin Pötzl - ; » Lieb Töchterchen « - so der Medicinalrath - ; » Lieb Schwesterchen « - so der Kanonikus ; - noch nicht in den Zimmern wäre , und stieg die Treppe nieder , begleitet vom Joseph , dem er , als dieser dem Kutscher , der heute als Garderobier fungirte , beim Ueberwerfen des Mantels half , nur die einfache Frage vorlegte : Kommt denn - ich meine die Mamsell oben - na die Gesellschafterin - kommt denn die nicht auch heute - in den Trubel ? Herr Oberprocurator ! sagte Joseph und eine Miene , die er machte , deutete die Sehnsucht dieses Fräuleins nur zu überirdischen Dingen und ihre außerordentliche Frömmigkeit an ... Der Portier stand im Thorweg in einer Gala , wie wenn sein Stab mit dem goldenen Knopf heute Fürsten zu empfangen hätte . Nück ging kopfschüttelnd und drückte sich an den Häusern entlang wie mit verstörtem , ruhelosem Gewissen ... Die Wagen , die die Gäste in sein schwiegerälterliches Haus führten , rasselten an ihm vorüber . Ihn konnte man oft an solchen Abenden , wo dort alles in Festesglanz strahlte , im düstersten Winkel einer kleinen Schenke sehen , wo er Rettiche verzehrte und ein Glas einfachen Biers trank ... Heute aber huschte er in eine alte finstere Kirche , wo beim Schein weniger Lichter eine Abendandacht gehalten wurde . Nicht weit vom Weihbecken erwartete ihn eine Dame , die ihn an eine Todtengruftkapelle zog und ihm im Dunkeln einige geheimnißvolle Worte flüsterte ... Die Dame trug einen orangegelben Hut mit schwarzem Sammetbesatz ... Das Gespräch war nur kurz und schien ihn verdrießlich zu stimmen ... Als Nück allein war , ging er tiefer in die dunkle Kirche ; dann setzte er sich , seinen Mantel weit um sich geschlagen und den Kopf auf ein Betpult niederlegend , in einen der leeren Stühle , tief brütend und versunken in vielleicht die frommsten Gedanken . 7. Unter den rauschendsten Acclamationen hatte bereits die Baßposaune das berühmte Lied an die Rose geblasen und ein stürmisches Dacapo veranlaßt ... Schon waren die enormen Schwierigkeiten der Arie » Ocean , du Ungeheuer ! « von einer alle Wände und Stockwerke durchschneidenden Stimme überwunden worden ... Lange war es über neun Uhr . Schon kam das Eis - und noch immer saß in ihrem saubern Zimmer mit dem kleinen Porzellanofen und dem weißen Sopha und dem Bettschirm Lucinde , ohne daß sie sich hatte entschließen können , in die menschenüberfüllten Räumlichkeiten hinüberzugehen ... Einmal schon war , athemlos , die Commerzienräthin dagewesen und hatte sie wie im Sturm ermahnt , doch endlich , endlich zu kommen , da alle Welt schon vor Verlangen nach ihr brenne ... Zweimal war Johanna dagewesen , einmal sogar in Begleitung des Außerordentlichen , der die » Jerichorose « um ihre Kenntniß der lateinischen Sprache ebenso wie um ihre Botanik bewunderte ; denn Lucinde kannte alle Kräuter des Waldes , alle Bach- und Wiesenblumen ... Ein schöner Strauß , den ihr Treudchen verehrt hatte , lag zu ihrem Eintritt in die Gesellschaft schon bereit ... Auch die Frau Oberprocurator Nück , die schon im Hause hin- und herrannte - nur nicht hinauf in den stillen obern Stock zu ihrer Schwester - um sich abzukühlen von dieser » wieder unerträglichen Hitze « in den Zimmern - sie war die erste , deren Liebe nach Pitern suchte , um ihm Vorwürfe zu machen - , auch Josephine Nück war bei dem » guten Fräulein « gewesen , um sie zu ermahnen , doch bald zu kommen ; denn sie entbehrte zu schmerzlich die Bewunderung , die das Fräulein vor ihrer Toilette aussprechen sollte ; ein Bedürfniß , das nicht im mindesten auch den Tadel ausschloß . Denn Josephine hörte es gern , daß sie einen Fehler gemacht hätte mit dieser Farbe oder mit jenem Besatz oder mit jenen gemachten Blumen , die auf ihrem Kopfputz sich nicht gut ausnähmen oder ihrem z.B. so leicht echauffirten Teint nicht stünden . Dann hatte sie doch einen Grund für ihre gesellschaftliche Verstimmung . Dann konnte sie doch in einer Ecke , nicht am Ofen , sondern dicht am Fenster , das sie zuweilen öffnete , mit dem Fächer in der Hand sitzen und über ihre Putzmacherin und ihre weibliche Bedienung klagen , als wenn es nur eine Verschwörung der ganzen Welt und vorzugsweise ihrer eignen geschmacklosen Umgebung wäre , wenn sie nicht ebenso brillirte , wie die jungen Frauen und Mädchen , die da alle lachend und bunt und schönheitsstrahlend in den belebtesten Gruppen saßen ... Lucinde nahm ihr zu ihrer innigsten Freude und Dankbarkeit heute ein Uebermaß von Blumen von den Schläfen hinweg , führte sie an ihren kleinen Spiegel , leuchtete und bewies ihr , daß sie sich jetzt viel vorteilhafter ausnähme . Der nun gleicherweise wiederholten Aufforderung , doch bald auch zu kommen , erwiderte sie ein einfaches : Ich komme