die Thaler das Erstaunen zu ernten . » Eine Prise , Baron ! « Sie griff mit ihren markigen Fingern tief in die Dose und schien den Spaniol mit Befriedigung einzuschlürfen , während sie nicht mit gleicher Worte ihres Kompagnons vernahm : » Lupinus , Sie , hören Sie - notiren Sie mich auch mit zwanzig ! « - » Na , na , Baron , nur keine Extravaganzen nicht ! Seit wann haben Sie ' s denn so dicke sitzen ? « - Allerdings hatte der Baron es nicht so dick sitzen als sein korpulenter weiblicher Kompagnon , aber er schlug mit der Hand an die Brust : » Wenn ' s Vaterland ruft ! « Lupinus hatte die Hand , welche eben in der Dose gewühlt , mit Entzücken ergriffen und an seine Brust gedrückt : » Ah ! Madame Braunbiegler est un ange . Votre exemple glorieux rendra notre chose victorieuse ! « » Umgeguckt , Geheimrath , Ihre Schwägerin winkt , will Ihnen auch vielleicht ' nen Fuchs geben . Stecken Sie ein , was Sie kriegen . « Der Geheimrath Lupinus prallte buchstäblich zurück , als er sein Ohr an den Mund der Geheimräthin gelegt , und diese einige Worte ihm zugeflüstert hatte . » Hun - hundert ! « - » Ich bitte , Schwager , sein Sie kein Narr ! « sagte sie mit leisem , strafendem Ton und bittendem Blick . » Hundert Friedrichsd ' or ! « - » Aber ich habe Sie doch sehr gebeten ; das war ja unter uns - Sie sind wirklich ein abscheulicher Mensch . « - » Hundert Friedrichsd ' or ! « lief es durch die Versammlung . - Hundert Friedrichsd ' or für Flanell ! Starre Blicke , geöffnete Münder . Am weitesten hatte die Wirthin ihn auf , es kam aber kein anderer Laut heraus , als ein : » Na nu - ! « Die Geheimräthin Wittwe empfand das Unangenehme der Situation . Sie erhob sich etwas vom Stuhl : » Warum musste mein guter Schwager über Etwas an die große Glocke schlagen , was ganz unter uns abgethan werden sollte ! Da es aber einmal ist , so bin ich meinen verehrten Freunden und Freundinnen Rechenschaft schuldig . Ich bin nicht so reich , um eine solche Summe zu diesem einen Zwecke beizusteuern . Ich erfülle darin nur den Wunsch und Willen meines seligen Gemahls . So wenig er sich im Frieden seiner Seele um Weltangelegenheiten kümmerte , sah er doch mit bangem Blick schwarze Gewitterwolken nahen , und es waren seine letzten Unterhaltungen mit mir , daß für diesen Fall ein guter Patriot , was er könne , zum Wohl des Ganzen beisteuern müsse . Namentlich ging ihm die Lage unserer armen Soldaten zu Herzen ; er , den jedes kalte Lüftchen wie ein Eishauch berührte , erschrak vor dem Gedanken der Winterfeldzüge , die er für eine Barbarei der neueren Kriegskunst erklärte . Er malte sich in seinen letzten Fieberphantasien besonders lebhaft das Bild des Bivouaks , und rief mehr als einmal aus : Und sie haben nicht mal warme Kleider ! Wenn ein unerforschlicher Rathschluß ihn nicht plötzlich abgerufen , würde er in seinem Testament gewiß Legate dafür ausgesetzt haben . Wollen Sie es mir daher nicht verargen , wenn ich dies Testament für geschrieben halte , und in seinem Sinne zu handeln denke , indem ich thue , wie ich gethan . Nicht ich thue es , mir darf Niemand danken , mir Niemand Verschwendung vorwerfen , es ist sein Geist , der mich in diesem Augenblick umschwebt . « Während die Geheimräthin es sprach , waren Aller Blicke auf sie gerichtet . Es war eine Feierlichkeit in ihrem Wesen , ein sonorer Ton in der Sprache , der selbst der Braunbiegler imponirte . Mit ganz besonderen Blicken beobachteten sie aber zwei der Anwesenden , Wandel und Herr von Fuchsius ; jenes Gesicht erheiterte sich , dieser behielt denselben Ausdruck . » Nun aber , lieber Schwager , « ging die Lupinus plötzlich in einen andern Ton über , » thun Sie uns den Gefallen und gehn zu Andern , denn Ihre Flanellbinden dürfen unsere Heiterkeit nicht stören . Was Sie mir gethan , ist vergeben und vergessen . Sie sehen , wir haben die Karten in der Hand , und brennen zu spielen . « Die Liebenswürdigkeit selbst ! - Nein , eine Vornehmheit doch , und diese Sanftmuth dazu ! - Wenn es nicht gesagt , wurde es gedacht . Wie herzlich , zutrauend , um es wieder gut zu machen , hatte sie dem Schwager , der so tief unter ihr stand , die Hand gereicht zum Abschied . Lupinus hatte die Hand an die Lippen gedrückt - etwas schauspielerhaft , sagten Einige . Wie ein Polisson - Andere . - » Er ist doch immer der Bruder meines seligen Mannes , der einzig Hinterbliebene der Familie ! « hatte sie geseufzt . » Und was man auch immer gegen ihn sagen mag , von Herzen ist er gut . « Man erwähnte , daß die Königin sich günstig über den Eifer des Geheimraths in dieser Angelegenheit geäußert . Es sei schön , wenn ein alter Sünder durch gute Thaten seine schlimmen wieder gut zu machen suche . » Wenn ' s nur von ihm käme ! « sprach die Braunbiegler . » Da habe ich auch nichts gegen . Er ist ja ein Mann in Amt und Brod , und der König wird wissen , warum er sich solche Geheimräthe gemacht hat . Aber alle Welt weiß auch , er ist nichts im Hause . Da steckt die Charlotte hinter , seine Köchin . Ich weiß nur gar nicht , wie die Familie den Skandal zulassen kann . Wenn das in meiner wäre , ich würde mich ja schämen - « » Madame Braunbiegler haben anzusagen . « sprach mit großer Milde die Lupinus . - » Mein Seliger . « setzte