auf ihre schöne Hand , er brachte die Fingerspitzen an den Mund . » Immer pensiv ? « - » Sagen Sie mal , Legationsrath , was sieht denn Fuchsius immer auf die Lupinus ? Er ist doch nicht in sie verliebt ? « » Ei , meine Freundin , eine so scharfe Beobachterin ; man muß sich vor Ihnen in Acht nehmen . « - » Nein , er observirt , er lässt sie nicht aus den Augen . Ich sehe das schon eine halbe Stunde an . « - » Nun , wenn es ein süßes Spiel der Liebe wäre , was kümmert es uns Beide . « - » Ich bitte Sie ! - Die Lupinus- « » Lassen Sie doch die arme Wittwe in Ruh . Haben Sie nicht an Anderes zu denken . « - » Sie sind ein guter Mann , ich kenne Ihr Herz und Sie meinen es von Herzen , « sagte die Baronin , » aber warum müssen Sie mich immer bei Seit ziehen ? « - » Um alle Gedanken abzulenken . Denn mich , « sagte Wandel mit einem Seufzer , » wird man doch nicht für den Glücklichen halten können . Im Uebrigen bis jetzt geht Alles gut . Wenn wir nur auf seine Verschwiegenheit rechnen könnten . Offiziere plaudern gar zu gern - in der Wachtstube , bei einer Flasche Wein - « Er ward unterbrochen , durch den Eintritt einer neuen Person . Eben hatte sich Madame Braunbiegler auf ihren Stuhl niedergelassen , mit einem : » Na , kommt man denn endlich zur Ruhe . Das war doch heut eine Störung « - als eine neue schon wieder da war . Der Geheimrath Lupinus , nicht der selige , sondern von der Vogtei , war eingetreten , und sofort schien man zu wissen , weshalb . Die Wirthin gab dem allgemeinen Gefühl den Ausdruck : » Ach Gott , die Flanellleibbinden fehlten noch ! « Die neueste Thätigkeit des Vogtei-Lupinus musste also eine bekannte Sache sein ; was wird in Berlin nicht bald zu einer bekannten Sache . Wer etwas gelten wollte , musste sammeln , natürlich für die armen Krieger ; wer sich hervorthun wollte , für einen neuen Zweck . Von Winkelsammlern wimmelte es in den Häusern und auf den Straßen . Der Geheimrath sammelte für wollene Leibbinden . Die Mäntel waren für die Infanterie , die wollenen Leibbinden für die Kavallerie . Weshalb grade der Vogtei-Lupinus diese Sache mit Eifer ergriffen , dafür wusste der böse Leumund auch einen Grund . Nachdem der Geheimrath seine Papiere und Listen aus der Mappe genommen , welche ein Beamter ihm nachtrug , hub er an von dem Nutzen der Leibbinden im Allgemeinen , er citirte Hufeland und Heim über die Wichtigkeit , daß der Magen eines Menschen warm gehalten werde ; wenn die Funktionen desselben in Ordnung , sei der ganze Mensch in Ordnung . Das gelte aber ganz insbesondere von Soldaten . Er ging dann auf die Kavallerie über , und beschrieb , wie , Luft und Wind ausgesetzt , ein Kavallerist leichter am Magen sich erkälte , als ein Infanterist , der durch die Bewegung des Marschirens schon den Magen sich warm mache . Wenn nun der Letztere jedoch überdies noch Mäntel erhalte , so erfordere die Humanität und Billigkeit , daß man für den Soldaten zu Pferde auch etwas Uebriges thue . Er ging dann auf die drohende Herbst- und Winterkampagne über , und schilderte , wie ein Kavallerist friere , wenn er auf der Erde schlafen muß , denn die Zelte schützen nicht vor der Kälte , die aus dem Boden dringt und zuerst in den Magen geht , zumal , wenn er leer ist . Nun aber sorge ein guter Kavallerist allemal zuerst für den seines Pferdes , und komme es auf diese Weise oft , daß er für seinen eigenen nicht gesorgt hat . Mit einer glücklichen Wendung wieder zu den Leibbinden zurückgekehrt , zeigte er , wie sie am besten zugeschnitten und gebunden würden , gab zu , daß die von Wolle gestrickten allerdings zweckmäßiger , aber nicht so schnell zu beschaffen seien , daher die von Flanell dem Bedürfniß und Zeitgeist entsprächen , und schloß mit einer rührenden Deklamation an die Anwesenden , daß sie für König und Vaterland und die leiden de Menschheit ihr Herz und ihren Beutel zu einer milden Gabe öffnen möchten . Auch die geringste sei ihm willkommen , lieber jedoch die größeren . An der Aufnahme sah man , daß auch hier schon fertige Parteien waren , Infanteristen und Kavalleristen , Mäntel und Leibbinden , Tuch und Flanell . Indessen siegte der Flanell . Wer widersteht , wenn Andre ihm vorangehen und der Kontrolleur dabei steht . Nur Madame Braunbiegler fand es impertinent , grade ihr damit ins Haus zu rücken . Sie gehörte natürlich zur Tuch- und Mäntelpartei , und erklärte , sie würde nicht einen Pfennig rausrücken . » Eine Kleinigkeit doch ! « flüsterte ihr der Legationsrath zu . Das brachte sie nur noch mehr auf : Wenn sie gäbe , lasse sie sich nicht lumpen , und wenn ' s honorig sei , greife sie in die Tasche , daß es sich sehn lassen könne , aber Bettelei könne sie nun ein für alle Mal nicht ausstehen . » Und wie kommt er denn dazu ! « Wandel zog seine » edle Freundin « bei Seite . Er theilte ganz ihre Ansichten , ob sie es ihm aber verzeihen werde , wenn er eine Kleinigkeit nach Kräften beisteure : » Meine Stellung zum Hofe bringt es mit sich , und der Geheimrath ist wohl nicht ohne Auftrag hier . « Dies wirkte . Es konnte bei Hofe vermerkt werden , daß Madame Braunbiegler nichts für die Kavallerie gethan . - » Schreiben Sie mir auf mit zwanzig Thaler , Geheimrath ! « rief die Wirthin , und die Blicke der stattlichen Frau überflogen die Gesellschaft , um für