Jahrhunderte lang , als die Lebuser Bischöfe von Lebus und Fürstenwalde herüberkamen , und hat dann die geistlichen Herren um ebenso lange Zeit überlebt . Es ist eine der schönsten Kirchen in der Mark und der Efeu , der sich bis in die Spitzbogen emporrankt , scheint zu wissen , was er an ihr hat . Der massive Turm geht in seinem zweiten Stockwerk sehr gefällig aus dem Viereck ins Achteck über und eine pyramidenförmige Spitze schließt den ganzen Bau gefällig ab . Eine zweiundachtzigjährige Küstersfrau führte mich und Großes und Kleines , Andacht und Stadtklatsch flossen gleichen Tones über ihre Lippen . Sie zeigte mir den Gekreuzigten und den einen Schächer , die beide » wegen Unschönheit « in einen Seitenraum geschafft worden waren , und erklärte mir die Grabsteine vorm Altar . Der eine war hellbraun und sehr abgetreten . » Das ist unser Pfefferkuchenmann « , sagte sie ruhig und wirklich , das alte Ratsherrnbild konnte nicht treffender bezeichnet werden . Danach stiegen wir in einen Keller , drin dieselbe Küstersfrau während der Franzosenzeit ein tiefes Loch gegraben und die Kirchengüter versteckt hatte . » Wir fanden beim Graben nichts als Knochen und Schädel . « Sie sagte nicht » Knochen und Schädel von heimlich Verscharrten « , aber sie dacht ' es . Es gehört das mit zur Volkspoesie . Dann kletterten wir wieder aufwärts , eine hohe schmale Treppe hinauf und befanden uns auf einer Empore , die man zu einer Art Kunstkammer umgeschaffen hatte . Allerhand Raritäten waren hier ausgestellt . Aber es war doch schon der Übergang von der Kunstkammer zur Rumpelkammer . Unter andern entdeckt ' ich ein Lutherporträt , dessen kurze Geschichte mich freilich mehr interessierte als das Bild selbst . Reisende Schauspieler , deren » erster Liebhaber « es gemalt hatte , hatten es auf Groschenlose ausgespielt und der Gewinner war es durch » Schenkung « an die Kirche wieder losgeworden . Daneben hingen die lebensgroßen Bildnisse dreier Brüder , die vor längerer oder kürzerer Zeit in Stadt und Kirche geglänzt hatten . Das Ratsherrnbild trug folgende Inschrift : Der Bürger Dankbarkeit und der Zuhörer Pflicht Hat uns drei Treueren dieß Denkbild aufgericht ' . Dort jenes graue Paar stirbt in der Kirche Würde , Mich macht das Rathhaus alt und schwerer Zeiten Bürde . Was jene bei der Kirch ' den Seelen gut ' s gebracht , Das nahm ich bei der Stadt , nach Menschen Treu , in Acht . Urtheilt uns nach dem Amt in dem geführten Leben , So wird ein gutes Lob man uns im Tode geben . * Von Beeskow nach Kossenblatt sind noch anderthalb Meilen . Ein leichter Wagen nahm mich auf und in brennender Sonnenhitze macht ' ich den Weg . Die Landschaft war geradezu trostlos und jedes kommende Dorf erschien noch ärmer als das voraufgegangene . Mahlender Sand und Kiefernheide , dazwischen Brach- und Fruchtfelder , die letzteren so kümmerlich , daß ich meinte die Halme zählen zu können . Aber der reizlose Weg wurde mir durch eine Begegnung wert . Etwa eine halbe Meile vor Kossenblatt bemerkte ich einen Knaben , der auf einem Feldstein am Wege saß und augenscheinlich sehr ermüdet war . Er mochte zwölf Jahr alt sein . Ich ließ halten und es entspann sich folgendes Gespräch zwischen ihm und mir : » Willst du mit ? « » Wo wüllen Se denn hen ? « » Nach Kossenblatt . « » Da will ick ooch hen . « Und nun stieg er auf und setzte sich auf den Rand des Wagens . Mich beschäftigte der kleine Vorfall , weil er mir so recht wieder jene mißtrauensvolle Vorsicht zeigte , die den märkischen Stamm zum Guten und Schlechten hin so sehr charakterisiert . Er beantwortete meine Frage durch eine Gegenfrage , und erst als ich diese meinerseits zu seiner Zufriedenheit erledigt hatte , nahm er an , was ihm freundlich geboten war . In Kossenblatt angekommen , ließ ich an einer Stelle halten , wo die Sehenswürdigkeiten des Dorfes : das Herrenhaus ( jetzt Amtshaus ) , das Barfusschloß und die Kirche dicht beisammen liegen . Kossenblatt war immer ein reicher und ausgedehnter Besitz . In sumpfiger Niederung gelegen ( Cossinbloth heißt Krummensumpf ) unterschied es sich in alter Zeit schon vorteilhaft von den Sanddörfern der Höhe , aber erst von 1581 ab hat es eine Geschichte . Diese teilte sich seitdem in drei Epochen : in eine Oppensche , eine Barfussche und eine königliche Zeit . Über die Oppensche Zeit gehen wir schnell hinweg . 1581 kam der brandenburgische Oberkammerherr , Georg von Oppen , in Besitz von Kossenblatt , bei dessen Familie es durch drei Generationen hin blieb . Bis 1699 . Vom » Schloß « existierte damals noch keine Spur , vielleicht bewohnten die Oppen das » alte Herrenhaus « , dessen Kellergewölbe bis diesen Augenblick vorhanden sind und eine Art Sehenswürdigkeit des im übrigen völlig modernen Amtshauses bilden . Die hohen , rundbogigen Kellergewölbe sind aus mittelgroßen , unbehauenen Feldsteinen aufgeführt und Sachverständige pflegen hervorzuheben , daß die Baumeister damals einen andern , rascher fest werdenden Mörtel benutzt oder die Gewölbe jahrelang gestützt haben müssen . All dies geht bis in die Oppensche Zeit zurück , vielleicht noch weiter . Wir lassen aber diese Rundbogenfundamente , samt einer Anzahl alter , ebenfalls der Vorgeschichte Kossenblatts angehöriger Bilder , und wenden uns nunmehr seiner eigentlichen historischen Zeit zu , die mit Feldmarschall von Barfus beginnt . Im Jahre 1699 kaufte Hans Albrecht von Barfus , wie bereits in dem Kapitel Prädikow erzählt , die Herrschaft Kossenblatt und zahlte dafür die für die damalige Zeit ziemlich beträchtliche Summe von 32000 Talern und hundert Dukaten Schlüsselgeld . Das Oppensche Herrenhaus , das er vorfand , genügte ihm nicht und er ging das Jahr darauf ( 1700 ) an die Aufführung eines Schlosses . Er starb aber drüber hin und hat die Räume desselben nie bewohnt . Erst seine Witwe , Eleonore geborene Gräfin von Dönhoff ,