durchführen ; zwei Jahre lang war das Mittagessen sein erstes Frühstück und das Nachtessen sein Mittagsmahl gewesen . Sind das deine Reservebataillone ? sprach er im gemüthlichsten Schlendrian und mit Belächeln der glänzenden Vorrichtungen und der nun schon immer vollständiger sich entwickelnden Beleuchtung ... Piter , entzückt von der friedlichen Gesinnung des ihm zuweilen so aufsätzigen Schwagers , offerirte von diesen Bataillonen und schenkte vom feurigsten Burgunder eine vorläufige Vedette ein ... Nück bemerkte davon nichts ... Er bürstete seinen Hut , der heute sogar ein neuer war , und sah nur nach rechts und links , horchte und spähte , ob außer Pitern und den Dienern nicht vielleicht sonst jemand in den glänzenden Zimmern war ... Dies Benehmen nahm Piter für aufrichtigste Zustimmung und offerirte die Gläser zum Anstoßen . Jetzt aber nahm Nück doch eine feierliche Miene an und sagte mit einem nicht unangenehmen Organ : Piter , Piter ! Eine Schande ! Freude und Jubel hier , wo die Welt in Trauer lebt ! Aber schon blätterte er dabei in den Noten und schien so abwesend , daß Piter diesen Gegenstand für abgemacht erklären konnte und dem Schwager wiederholt sein Glas Burgunder anbot ... Nück lehnte nicht ab . Er nippte ein wenig . Piter , glückselig , sich heute nicht als Knabe von dreizehn Jahren , sondern als Mann und vollkommen ebenbürtig behandelt zu sehen , schüttete sein ganzes Glas hinunter ... Mama noch bei der Toilette ? fragte Nück forschend und bemerkte jetzt , daß Piter von einer eigenthümlichen Elasticität war . Piter hielt sich , da die Dinge dieser Erde ihm plötzlich etwas wirblich zu werden schienen , an einer Stuhllehne ... Recht , mein Sohn ! sagte Nück , der jemand , den er offenbar zu suchen schien , nicht fand und sich entfernen zu wollen die Miene machte ; Recht , daß du in deinen Leiden dich tröstest ! Leiden ? Wie so ? Verlierst oben die schöne Nachbarschaft ! Hahaha ! ... lachte Piter hell auf und schenkte wieder ein ... Das ängstliche Kapitel wegen Delring behandelte ja der Schwager ganz harmlos ... Nück ' s Augen gingen wie Feuerräder . Beim kleinsten Geräusch sah er auf die Eingangsthür ... Da die Bediente nicht zu nahe waren , ließ er die Worte fallen : Mit Delring ... hör ' mal ... Das ist ja ein curioser Spaß von dir ! Von mir ? Wie so ? fragte Piter trotzig und griff mit der linken Hand in den Ausschnitt seiner Weste und mit der rechten zum Glase ... Nück schien sich nicht im mindesten ärgern zu wollen . Er machte sogar Miene schweigend wieder zu gehen . Dennoch konnte er nicht umhin , noch fallen zu lassen : Delring - hm - austreten ? Piterchen , Piterchen ! Welche Garantieen gibst du denn deinen Geschwistern ? Garantieen ? Delring glaubst du , geht nach Bremen und wird da ein Geschäftchen mit Cigarren oder Europamüden etabliren ? Ich meine , er bleibt doch wol hier , fängt ein eigen Geschäft an , nimmt unsere besten Verbindungen mit ; Farbhölzer sind seine Lieblingsbranche ; die Lederhändler von Malmedy besucht er persönlich - Wie gesagt , ich dächte , es wäre besser - es bliebe beim Alten und die kleine allerliebste Blondine kochte dir nach wie vor Kamillenthee , wenn dir schlecht ist , Piterchen - Spott verbitt ' ich mir ! rief Piter und griff zur Flasche , um einschenkend zu zeigen , daß der Schwager mit einem Manne sprach ... In der That ! Ein gemüthlicher Junge warst du von je ! fuhr Nück ohne Schonung fort . Und zum Berge Karmel ließ ' ich das hübsche Ding an deiner Stelle doch auch nicht so oft gehen ! Pfarrer Rother entdeckt so viel Sünden an ihr , daß er vorzieht , ihr jetzt die Beichte bei sich zu Hause abzunehmen ! Piter hätte sein gefülltes Glas jetzt nehmen und es vor Zorn über eine Thatsache , die ihm selbst schon lange höchst befremdlich war , an den Kamin werfen mögen ... Die Splitter und die schönen gelbseidenen neuen Sessel bedenkend , trank er es lieber aus , setzte es dann aber kräftiglich auf den Sims und stand wie ein Löwe ... Nück brach ab von diesem reizbaren Gegenstande und kam nur auf seine Besorgnisse wegen Delring ' s Austritt zurück ... Gib dem Hofrath ein gutes Wort ! sagte er ... Nimmermehr ! antwortete Piter , versöhnt durch ein Stichwort auf den Schwager ... Ich will es statt deiner thun ! Du weißt , ich bin sonst kein Freund von dieser geleckten Sorte - Ich verjag ' ihn ja nicht ! Dir wär ' es lieber , er lebte dir nahe genug , um dich immer bewundern zu können ! Indessen - Piterchen - ich trau ' dem Zeitgeist nicht - Wie so ? Unserm ganzen Jahrhundert nicht ! Wenn ihr einmal alle so dasäßet , ihr altehrwürdigen Firmen , mit ein paar Commissionen und Speditionen und zuletzt trotz eurer Alongenperrüken nichts weiter hättet , als ein paar Feuerversicherungsagenturen - ! Hahaha ! Kommt bei uns nicht vor ! versicherte Piter und wurde immer sicherer durch die gemüthliche Sprache des Schwagers , der überhaupt in neuerer Zeit , schon seit der Gefangennehmung Hammaker ' s , vielfach verändert war und erst seit der Hinrichtung desselben wieder etwas aufthaute ... Weißt du , Söhnchen , sagte er , ohne darum aufzuhören nach der Thür zu lauschen ; weißt du , ich habe immer eine fatale Ahnung von einer ungeheuer Weltverschwörung der Juden gegen die Christen ! Pater Sebastus schrieb das einmal in seinen früheren Artikeln , die mir immer aus der Seele kamen ! Jetzt ist der arme censurirte Chrysostomus nicht mehr wiederzuerkennen , falls die anonymen » Stufen-Briefe vom Kalvarienberge des Lebens « von ihm sind . Ahasver , siehst du , das ist , sagte er einmal - Rothschild ! Der alte Kurfürst von Hessen nämlich , weißt du , Piter ,