Kammerherrn , zum Minister Stein zu fahren . Sie wünsche ihn zu sprechen . Darauf hatte sie eine längere Unterhaltung mit der Viereck . Die Hofdame erklärte nachher den Hofleuten , daß Ihre Majestät endlich so huldreich gewesen , in den Wunsch einzugehen , den sie schon längst gehegt , nämlich bei ihrem geschwächten Gesundheitszustande eine Gesellschafterin zu nehmen , welche in ihren Appartements wohnen dürfe . Sie denke die Tochter des Geheimraths Alltag , die sich dazu anstellig zeige , zu acquiriren . Achtundsiebzigstes Kapitel . Eine Maus und eine Mausefalle . Bei Madame Braunbiegler sollte Whist gespielt werden . Die Gesellschaft war nur klein , kam aber nicht zur Ruhe . Wenn man kaum die Karten gezogen , störte eine Nachricht , eine Person , die unerwartet hereinstürzte . Es war nun einmal Unruhe in der Stadt , die mit dem besten Willen sich nicht bewältigen ließ . Man wusste schon , daß das Heer jetzt wirklich auf den Kriegsfuß gesetzt werden solle . Wenn man nur abgewartet hätte , bis die Mäntelgelder beisammen waren ! hatte Madame Braunbiegler gemeint ; aber es waren noch nicht siebzigtausend Thaler gesammelt . - Und was hilft das Geld , wenn die Schneider fehlen ! hatte der Legationsrath gesagt . Da brachte Herr von Fuchsius eine Nachricht , welche alle bisherigen in den Hintergrund drängte . Die Königin hatte endlich ihren Widerwillen gegen den jungen Bovillard aufgegeben , er war ihr vorgestellt worden , sie hatte ihn gnädig aufgenommen , sich günstig über ihn geäußert , zu Andern aber spitz gesagt , er müsse wohl viele Feinde haben , da er ihr ganz anders geschildert worden . Er war Tages darauf zum Legationssekretär , Andere meinten sogar zum Legationsrath ernannt worden , beauftragt zu gewissen Vorträgen im Kabinet und in der persönlichen Nähe der höchsten Herrschaften . Man war getheilter Meinung , ob dahinter eine Intrigue des neuen Ministers stecke oder des alten Bovillard . Fuchsius lächelte , als eine Dame mit einem andern : Wissen Sie schon ? hereinplatzte . Die Alltag ist zur Gesellschafterin der Viereck ernannt . Sie zieht ins Palais ! - Ins Palais ! - Was das zu bedeuten hatte , darüber war Niemand im Zweifel , als man auch von der gnädigen Audienz erfuhr , welche die Königin dem schönen Mädchen gewährt . - » Nun wird ' s ja Alles klipp und klar . Ja , wer nur ' ne hübsche Larve hat und Counexionen , dem fehlt ' s nicht . « So hatte Madame Braunbiegler gesagt . Madame Braunbiegler war ihrer Zeit eine berühmte Persönlichkeit in Berlin , was man heut nennen würde ein öffentlicher Charakter , von der sehr viele Dicta noch umgehen . Wenn der Raum unserer Erzählung , die zu Ende geht , es erlaubte , hätte sie das Recht und die Antwartschaft auf eine bedeutendere Rolle darin , als wir ihr angewiesen , aber der Rahmen schließt sich , und die Rücksicht auf den deutschen Stil und die Grammatik , die wir bis da nach unsern schwachen Kräften beachtet , verbietet uns , ein Bild in den Vordergrund zu stellen , welches für viele Leser unverständlich bliebe , ohne eine vorausgeschickte Abhandlung über den Mark-Brandenburgischen Unterschied zwischen Mir und Mich . So genüge denn für dieses Mal - denn es ist wohl möglich , daß wir ihr künftig wieder begegnen - ein Dictum , welches mit stereotypischer Genauigkeit aus den Akten jener Zeit entnommen ist . Ex ungue leonem . Madame Braunbiegler hatte das Gespräch über den betreffenden Gegenstand mit den Worten geschlossen : » Denn heirathet er ihr och noch ! Da gratulir ' ich . Er hat nischt und sie hat nischt . Des wird ' ne magere Kalbfleischsuppe . Ne sage ich doch , wenn pover Volk noch dicke thun will und vornehm sind , die können mich gestohlen werden . « Madame Braunbiegler musste sich dabei echauffirt haben ; es kostete ihr immer eine Gemüthsbewegung , wenn sie von ordinären Leuten sprach , die es den Reichen gleich thun wollten . Sie war den liberalen Ideenabgeneigt und hielt auf Standesunterschied . Der Shawl war ihr beim Echauffement von den leuchtenden Schultern gerutscht . Herr von Wandel legte ihn ihr sanft wiederum : » Sie könnten sich erkälten , gnädige Frau , « flüsterte er mit der sanftesten Stimme . Der Ritter begehrten nicht den Dank der Dame . Wie zufällig , hatte er sich auf einen Stuhl am Spieltisch niedergelassen , wo Frau Geheimräthin Lupinus schon mit der Karte in der Hand saß . » Was sagt meine Freundin dazu ? « » Was ich dazu sage ? Das kommt doch nicht in Betracht . Was aber wird die Gargazin dazu sagen ? « » Sie ist vielleicht auch froh , daß sie das Wunderthier los ist , « sagte Wandel leiser . » Besteht nicht unser Leben eigentlich aus Knüpfen und Lösen . Mit dem Knüpfen werden die Meisten bald fertig , aber am Lösen , weil sie nicht voraus daran gedacht , scheitert ein Bischen Verstand , und an den ungelösten Knoten des Daseins ging so Mancher unter . Es ist vielleicht die Aristokratie der Erwählten , diese Kunst sich anzueignen , bei Allem , was sie schaffen und wirken , schon an die Auflösung zu denken . O wer es dahin gebracht - « » Wenn Alles aufgelöst ist , was ist denn dann ? « unterbrach ihn die Wittwe . » Freiheit , Chaos , wie Sie es nennen wollen , allgemeine Glückseligkeit : denn ist es nicht ein Glück , wenn wir nicht mehr zu sorgen und zu denken brauchen um Bagatellen ! - Ist das Leben mehr , meine Freundin ! - Pardon , ich halte Ihr Vergnügen auf , Madame wartet - « Er hatte der Braunbiegler Platz gemacht , die sich mit ihrer Karte dem Tisch näherte . Aber mit derselben Unbefangenheit war er zur Baronin Eitelbach getreten , die am Fenster stand . Er klopfte