ausschüttete , aber von dem Glückskinde selbst weder jemals geplant noch durchgespielt hätte werden können . Wenn wir zum Schlusse Hans Albrecht von Barfus mit den hervorragenderen jener brandenburgisch-preußischen Kriegsleute vergleichen , die seitdem gefolgt sind , so zeigt er mit keinem eine größere Verwandtschaft , als mit dem » alten York « . Dieselbe Tapferkeit , dieselbe soldatische Schroffheit , dieselbe Strenge im Dienst und gegen sich selbst . Haß gegen französische Sitte , Gleichgültigkeit gegen die Frauen und Verachtung gegen Ausschweifung gesellen sich als weitere übereinstimmende Züge hinzu . Ebenso sind ihre Feldherrngaben nahe verwandt : kalte Ruhe , klares Erkennen der Fehler bei Freund und Feind , glückliche Benutzung des Moments . Was sie aber vor allem miteinander gemein haben , das ist die hohe Meinung von sich selbst und infolge dieser eigenen , wie immer auch berechtigten Wertschätzung , eine krankhafte Reizbarkeit gegen alles das , was neben oder wohl gar über ihnen stand . York , in seinem Verhältnis zu Bülow und später zu Gneisenau , erinnert mehr als einmal an » Schöning und Barfus « . Wenn wir York nichtsdestoweniger in einem helleren Lichte sehen , so hat das seinen Grund zu nicht unwesentlichem Teile darin , daß wir die » Konvention von Tauroggen « dankbarer in Erinnerung tragen , als den Tag von Slankamen . Soll aber auch auf die sittliche Superiorität Yorks hingewiesen werden , so dürfen wir , ohne dieselbe bestreiten zu wollen , doch der Tatsache nicht vergessen , daß es 1813 leichter war , als hundert Jahre früher , » selbstsuchtslos im Dienste einer Idee zu stehen « . Die Charaktere waren weniger verschieden , als die Zeiten es waren . Mit Hans Albrecht von Barfus starb der letzte jener fünf brandenburgischen Feldherren , die noch die jungen Tage des Großen Kurfürsten gesehen und die ersten Siege Brandenburgs unter seinen Fahnen erfochten hatten . Sparr , Derfflinger , Görtzke , Schöning , Barfus . Die Derfflinger sind ausgestorben . Glieder der vier anderen Familien leben noch , aber von dem alten Besitz ist wenig oder nichts mehr in ihren Händen . Auf den alten Barfus-Gütern ist der Name des Geschlechts so gut wie vergessen und nur » Schloß Kossenblatt an der Spree « erzählt noch von seinem Erbauer , dem Feldmarschall . Diesem » Schloß in der Öde « wenden wir uns im folgenden Kapitel zu . Schloß Kossenblatt Schloß Kossenblatt Aber führt der Weg den Wandrer An den Ort , den ich besinge , Kann er nicht dem Bangen wehren , Daß es ihm das Herz durchdringe . Lenau Der Weg nach Kossenblatt führt über Fürstenwalde , dessen freundlich erleuchtete Passagierstube wir bei Dunkelwerden erreichten . Passagierstuben sind ein selten trügender Barometer für das Leben ihrer Stadt und es hat eine Bedeutung , ob » Schwerins Tod « oder ein altes Postreglement über dem Sofa hängt . Die Fürstenwalder Passagierstube zeigt noch auf » schön Wetter « und das Anheimelnde , was ihr überhaupt eigen war , wuchs im Hinblick auf eine Gruppe von älteren Männern , die , ein Glas Bier vor sich , am Sofatische Platz genommen hatten . Es waren ihrer drei , zwei Bürger und der Wirt . Der letztere bestritt wie billig die Kosten der Unterhaltung und bemerkte mit freundlicher Würde : » Sie glauben nicht , was alles vorkommt , meine Herren . Bahnhof ist Bahnhof und Post ist Post , aber die Menschen tun immer , als ob Bahnhof und Post all ein und dasselbe wäre . Schreibt mir vorgestern ein Mann aus Dresden , er habe seinen Überzieher hier liegen lassen , › über einer Stuhllehne ‹ schreibt er . Ich lache und sage zu Spilleke , der jetzt die Post fährt : › Spilleke , sag ' ich , wenn Sie ' rauskommen , fragen Sie doch auf ' m Bahnhof . ‹ Er fragt auch und am Abend ist der Überzieher hier . Wo war er gewesen ? Über einer Stuhllehne , alles ganz richtig meine Herren , aber auf ' m Bahnhof . Und so geht es immer . « Die beiden Zuhörer antworteten durch ein Gemurmel , das halb ihre Übereinstimmung mit dem Sprecher , halb ihre Mißbilligung des Dresdners ausdrücken sollte . Ich aber , um auch meinesteils jede Gemeinschaft mit dem letzteren abzulehnen , fuhr mit einer Art Ostentation in den neben mir liegenden Überzieher , empfahl mich sehr artig und stieg in den bereits draußen stehenden Postwagen , der mich noch drei Meilen weiter , in das Land Beeskow-Storkow hinein führen sollte . Gegen Mitternacht war ich in dem Städtchen Beeskow und schlief hier in einem alten Hause , dessen Hinterwand von einem Stück Stadtmauer gebildet wurde . Zugleich erfuhr ich en passant , daß dieses Haus ein Ursulinerinnenkloster gewesen sei und dann und wann von nicht Ruhe habenden Äbtissinnen und Nonnen besucht werde . Auch der übliche » unterirdische Gang « wurde mir nicht erlassen . Ich war aber zu müde , um dadurch besonders gestört zu werden , und schlief , bis die Sonne ins Zimmer schien . Eine Stunde später schlenderte ich durch die Stadt . Beeskow hat zwei Sehenswürdigkeiten : das Amt und die Kirche . Das Amt , auf einer Spreeinsel unmittelbar vor der Stadt gelegen , war in alter Zeit ein Schloß , dann ein » bischöfliches Haus « , das die Bischöfe von Lebus zu Beginn des sechzehnten Jahrhunderts erwarben und gelegentlich auch bewohnten . Viele der noch jetzt vorhandenen alten Mauern reichen bis in das fünfzehnte Jahrhundert zurück , wo das alte Schloß ausbrannte . Dies erwies sich 1828 , als wegen Baufälligkeit das dritte Stockwerk abgetragen wurde . An vielen Stellen fand man doppeltes Mauerwerk . Das innere zeigte die Bischofsmütze , während das dahinter gelegene , ältere Mauerwerk mit Moos und Asche bedeckt war . Es waren Überreste des alten Schlosses . In den untern Stockwerken steckt noch einzelnes davon . Die Liebfrauenkirche , der wir uns jetzt zuwenden , existierte schon drei