! sprach er hinhauchend und immermehr beruhigt über die Epoche machende Wirkung dieses Abends ... Der kleine Cognak kam . Piter trank ihn . Moppes rückte und schob hinten am Pianoforte ... Auch der Frack kam . Der Schneider brachte ihn nicht selbst ; der Arme ruhte erschöpft auf seinen schwer errungenen Lorbern . Aber der Frack saß vortrefflich . Jetzt gedachte Piter liebevoll auch seines Freundes , der im Dunkeln die Arrangements für die musikalischen Genüsse traf , und rief mit elegischer Gelassenheit : Stoßen Sie sich doch nicht , Moppes ! ... Donnerwetter , brüllte er dann ; steck ' doch einer für drinnen Licht an ! Alles rannte ... Teufel ! schrie er wieder . Nicht den Kronenleuchter ! Alles zitterte und nur eine Girandole von drei Kerzen wurde angesteckt ... Piter sah sich im Spiegel und äußerte : Joseph soll doch auch für Moppes - oder warum denn nicht lieber gleich - Joseph soll die ganze Cognakflasche schicken ! Inzwischen rief Moppes : Bester Freund , das Feuer hier lassen Sie nur ausgehen ! Denn erstens wird es schon von der Beleuchtung formidabel heiß und zweitens werden die Menschen eine Höllenhitze geben ! Wir bedanken uns , in einer solchen Atmosphäre zu singen ! Ohnehin muß ich heute verdammtermaßen Katarrh haben ! Piter hatte sich zwar sehr auf den malerischen Effect der Glut von den feinsten entschwefelten Candlekohlen etwas eingebildet - worauf bildete er sich nicht etwas ein ! - doch goß er näher tretend ganz gern eine der nächststehenden Wassercaraffinen , die er hier und da mit einem Kranz von Gläsern hatte aufstellen lassen , geradezu in die Störung der berühmten Quartette hinein . Nun gab das freilich einen nicht angenehmen Dunst , der sich mit Entschiedenheit dem unzweifelhaft sehr rauchigen der Kamine anschloß . Moppes riß darüber voll Zorn die Fenster auf ; aber Piter bat mit einem gewissen schmachtenden Ton um Verzeihung und lachte innerlich , er wußte nicht worüber . Er schenkte sich und dem Freunde von dem inzwischen gekommenen Cognakvorrath eine fernere Herzstärkung ein ... Warum wollt ihr denn nicht hinten im Saal singen , ihr lieben Leute ? fragte er mit einer träumerischen Gelassenheit und dabei hin- und herziehend an seinem Frack und sich am Knacken der Nähte erfreuend ... Ein Männerquartett bedarf eines engern Raumes ! Wir singen ohnehin Schweizerecho ! Hier etabliren wir uns ! Damit ordnete Moppes einen Tisch und legte viele andere schon vorausgeschickte Noten zurecht ... Immer räuspernd und seinen Katarrh verwünschend lehnte er den Bescheid auf den ihm servirten Cognak ab , was Pitern nicht hinderte , sein zweites Glas zu nehmen und es zu leeren auf das classische Gelingen des von Moppes entworfenen musikalischen Programms ... Auch kam eben ein großer Kasten an mit einer Ventiltrompete , die ein berühmter Künstler blasen sollte ... Auch das Pianoforte , zur Begleitung der gegenwärtigen Primadonna des Stadttheaters , wurde von Moppes anders gerückt und gerade so , wie es heute früh Piter ' s Schwester , Johanna , die musikalisch war , für zweckmäßiger erachtet hatte . Ihr hatte Piter gesagt , daß sie sich erstens nicht lächerlich machen möchte und das Publikum ennuyiren mit ihren hundertmal gehörten Etuden , dann aber , daß sie den Flügel ruhig da stehen lassen sollte , wo er ihn hingerückt hätte , allen Widersprüchen über Schallwirkung und Resonanz mit brüderlicher Liebe ein einfaches : » Raisonnir ' nicht ! « entgegensetzend . Moppes aber bestätigte gerade das , was Johanna Kattendyk gesagt hatte . Still für sich hin empfand Piter eine Art Beschämung und mußte lächeln - nämlich über die Autorität , die er selbst in verkehrten Dingen hatte . Er war in der That ein Tyrann . Das schmeichelte ihm und befriedigt nahm er einen dritten Cognak . Moppes plauderte viel Gutes über die Sängerin . Sie war eine jener Provinz-Malibrans , die niemand mehr zu würdigen wußte , als Löb Seligmann . Fünf Louisdor bekam sie für den Abend und Piter beschloß , ihr sechs zu schicken . Die Sängerin war berühmt in der Kunst , bockgerechte Triller zu schlagen . Ihre Stimme gab man auf , aber man rühmte ihre » Schule « , besonders die Kunst , in einem Septett in die Untiefen eines spurlos verlorenen Ensembles mit einem einzigen muthig eingesetzten hohen Cis Hülfe und Rettung zu bringen . Ausdrücklich bedungen war die Arie : » Ocean , du Ungeheuer ! « aus Weber ' s » Oberon « . Piter nickte zu allem , lächelte , schlänkelte , auf einem Stuhle sitzend , mit den zierlichen Beinen und spielte mit dem Krystallstöpsel der schöngeschliffenen Cognakflasche ... Die Sehnsucht nach der achten Stunde sprach sich in einem gewissen Blicke aus , der wie der eines Sehers in die Flammen eines inzwischen nun doch » zur Probe « angezündeten Kronenleuchters gerichtet war . Er gedachte vielleicht , als Moppes von jener Arie sprach , Pyrmonts und was sonst schon auch für ihn im Leben » ungeheuerer Ocean « gewesen war ... Moppes befand sich noch nicht in Toilette . Seine Hingebung an Piter ' s Abend war bewunderungswerth . Bekanntlich war der erste Küfer seines Hauses , Stephan Lengenich , als Unruhstifter eingezogen und nicht unwahrscheinlich hatte sich Joseph den Katarrh in den Kellern seines Hauses geholt . Ihn sich in der Hand mit dem Stechheber unter den Fässern zu denken , hinderte an dem ihm schuldigen Respect nicht das Mindeste . Sechs weiße Zwillichhandschuhe griffen gleichzeitig nach der Thür , um sie Herrn Moppes junior zu öffnen , als dieser ging . Er entschlüpfte einem ihm nachgerufenen sentimentalen : Komm nicht zu spät ! und ließ nur noch das Wort zurück , das er auszurichten fast vergessen hätte , Thiebold de Jonge würde nicht kommen , mit Benno von Asselyn wäre er heute früh abgereist ... Piter , auf Absagen vorbereitet , fand die Nichtachtung seines Abends gerade von dieser Seite doch » sonderbar « und erhob sich in gereizter Stimmung . Aufs