wie Türken beten , ich konnte , ich durfte nicht anders , aber ich bin schuldlos an der Schmach , die Dich betroffen hat und bereit , sie mit meinem Herzblut zu sühnen oder zu rächen . « Das Mädchen verharrte in ihrem verächtlichen Schweigen , ihr Blick war von ihm abgewandt . » Höre mich , Fatinitza - wir sind Beide jetzt frei und im Schutz meines Oheims - folge mir nach Chios , wo meine Mutter ein kleines Eigenthum mir hinterlassen , fern von dieser Stätte und diesen blutigen Menschen . Folge mir und sei mein Weib . « Dasselbe Schweigen . » Fatinitza , « - flehte er verzweifelnd , - » so laß mich Dir folgen - ich will Dein Sclave sein , - Dich lieben - ich - will den Glauben Deines Propheten zu dem meinen machen , nur gegen mein Volk kann ich nicht kämpfen ! « Die Mirditin schaute ihn durchdringend an . » Du brauchst den Glauben Deines Kreuzes nicht zu verrathen , meineidiger Christ , « sagte sie finster , - » Dein Weg geht dorthin - der meine dahin ! Verlaß mich ! « » Fatinitza - höre mich ! « Er lag zu ihren Füßen . » Kannst Du vergessen , « unterbrach sie ihn mit finsterm Hohn , auf ihre zerrissenen Kleider deutend , - » Fatinitza , die man die Wölfin von Skadar nennt , und die eine Taube war gegen Dich , wird es nie ! Ein Mal verzieh ich Dir den Verrath , denn ich liebte Dich ! Jetzt hat meine Seele nur Haß für Dich und Deine Christenbrüder ! Sieh hin - nicht an den Kugeln der Meinen starben die Beiden , Fatinitza ' s Hand sandte sie zur Hölle , ihre Lippen tranken ihr Blut , wie sie geschworen beim Grabe ihrer Mutter in furchtbarer Stunde . - Geh ' ! - Vier leben noch - Du bist der Fünfte , und wir sehen uns wieder ! « Er schauderte unter ihrem Auge und barg das Gesicht in den Händen . Endlich erhob er sich - überzeugt , daß jedes seiner Worte vergeblich wäre . » So lebe denn wohl - Weib ohne Herz und ohne Vergebung - lebe wohl und möge Allah Dir gnädig sein , wie Gott meine Schuld mir an Dir vergeben möge . Ein Dämon hat mich in Deine Arme geführt , und ein Dämon , Du selbst , treibt mich von Dir . - In dem Vorderraum der Kula steht das Pferd des Arabers , - Nicolas Grivas ist kein Dieb an fremdem Eigenthum , - nimm es und kehre zu Deinem Vater zurück . In einer Stunde ist der Weg frei - ich werde sorgen , daß bis zu unserm Abzug Keiner den Thurm betritt , denn Bogdan , Dein Todfeind , ist unter den Meinen . « Sie sah ihn kalt und verächtlich an und deutete nach der Thür , - noch einen Blick warf er auf sie , dann entfloh er . Sie war wieder allein mit den Leichen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Allein war sie noch am Abend , als die ersten Sterne am Himmel zu funkeln begannen , denn Nicolas hatte sein Wort gehalten und jede Annäherung der Seinen an die blut- und fllichbeoeckte Kula verhindert . Ohnedies blieb den Griechen wenig Zeit dazu , denn der General Grivas setzte eilig den allgemeinen Rückzug nach Metzovo hin fort , wo er die Führer in Thessalien an sich zu ziehen und so verstärkt auf ' s Neue , den Türken die Spitze zu bieten hoffte , die ihn noch eine Strecke weit verfolgten . - - Von der Höhe der Kula hatte sie den Abzug der Griechen und der Ihren verfolgt . Mit jenem raschen Uebergang des Tages zur Nacht , den die südlichen Länder bieten , wölbte sich über ihr bereits der dunkle Himmelsdom mit tausend blitzenden Sternen . Sie führte das Roß des Arabers hinaus aus dem Thurm und über den Felsendamm , auf dem noch die Leichen der Ihren der bergenden Erde harrten , in ' s Freie . Dort stand sie , an die Kruppe des Pferdes gelehnt , und schaute hinauf in die helle schöne Nacht , gleich als suche sie da mit den großen brennenden Augen Trost und Frieden , und die stürmisch schwellende Brust saugte gierig die kühle Luft des Abends , die Orangen- und Myrthendüfte , die der Windhauch der Gebirge von den elysäischen Gärten herübertrug . Aber in dieser Brust blühte kein Paradies , schwarz und schwer wogte das Meer der Gedanken und Gefühle gleich dem acherontischen Strom , und in ihrem Herzen herrschten die Eumeniden , deren grauenvoller Altar einst wenig Meilen davon im pelasgischen Tempel von Paleassa , dem Paleste der Alten , an den acroceraunischen Küsten stand . Einsam war sie und allein - sie wußte wohl , daß keine Heimkehr war zu den Ihren und daß selbst die Liebe des Vaters ihr nicht verzeihen durfte gegen die Sitten des Volkes , die streng und unnachsichtlich jeden Fehltritt des Weibes mit dem Tode bestrafen . Einsam und allein - verrathen von dem Geliebten , alle dämonische Gluth - allen dämonischen Haß allein im Busen tragend - kein Wesen auf der weiten Welt , das jetzt zu ihr stand , der Verlassenen , das Theil nahm an ihrem Kampf . - - Und dennoch irrte sie sich ! - Was raschelte durch die Oleander- und Myrthenbüsche und kam daher in langen Sprüngen und kos ' te mit der lechzenden Zunge ihre Hand ? - Scheitan , der Molosserhund , die treue Dogge , die den Wolf ihr ersetzt hatte , den Nicolas Grivas im Kampf für den Blutbruder ihr erschlagen . Wenn der Albanese eine lange Reise antritt , wenn er auszieht , der Landsknecht des neunzehnten Jahrhunderts