für Sie gar keines sein , « erwiderte der Graf . » Wir kennen uns zu genau , und ich bin fest überzeugt , daß Sie den Namen dieses armen Mädchens Niemanden sagen werden , der vielleicht Interesse an ihr nimmt . « » Nein , das thue ich gewiß nicht . « » Sie haben ihn ja auch schon errathen ; und ist sie nicht in der That reizend , ja liebenswürdig , die schöne Clara ? - Clara Staiger , eine unserer graziösesten Täuzerinnen . « Da war es heraus , und Arthur sank momentan in sich zusammen , wobei er übrigens so viel Geistesgegenwart besaß , beide Hände vor die Augen zu drücken , damit der Andere seine hervorstürzenden Thränen nicht sehen möge . Doch hielt es ihn nicht länger in dem Zimmer ; es schien sich mit ihm zu drehen , die Mauern schienen ihm zu wanken ; es lag ihm centnerschwer auf der Brust , er mußte hinaus in ' s Freie , in die kalte Nachtluft , um wieder athmen zu können . Und doch durfte er nicht so davon stürzen , das war seine Qual . Obgleich wie im Fieber zitternd , mußte er sich langsam und förmlich erheben ; obgleich sein Blut in den Adern raste , mußte er Ruhe und Müdigkeit affektiren , und mußte mit dem Grafen noch einige gleichgiltige Worte wechseln . Glücklicherweise war es ziemlich spät geworden , weßhalb ihn dieser nicht lange zurückhielt . Und doch däuchte es dem Unglücklichen eine Ewigkeit , bis er seinen Hut ergriffen und die Thüre erreicht hatte . Ja , dort mußte er noch einen Augenblick warten , denn Graf Fohrbach machte ihn auf die Mappe aufmerksam , die er vergessen . - Endlich - endlich - öffnete sich ihm die Hausthüre , endlich trat er auf die Straße hinaus , und erst da schöpfte er tief Athem , als ihm die kalte Nachtluft seine brennende Stirne kühlte . Neunundsechzigstes Kapitel . Das Siegel des Herrn von Brand . Wie lange Arthur in jener Nacht auf den Straßen umhergeirrt , bald mit den Zähnen knirschend und die Fäuste geballt , bald wieder leise weinend und ihren Namen ausrufend , zuerst mit weichem , liebendem Tone , dann immer heftiger und heftiger , bis ihn wieder die frühere Wuth erfaßte , das wäre er selbst nicht im Stande gewesen anzugeben . Ja , von dem Abend und der Nacht blieb ihm nur der Klang ihres Namens vollkommen gegenwärtig ; es war , als wandelte eine Schaar Teufel mit ihm , die : » Clara Staiger - Clara Staiger ! « hohnlachend in seine Ohren schrieen . Alles Andere erschien ihm wie ein wüster Traum , - ein wacher Traum , denn er hätte die Personen willkürlich hervorrufen können , mit denen er gesprochen , ja , er erinnerte sich , daß er leibhaftig an den Orten gewesen war , wo er jene Leute hätte finden können , - mit jenem Weib , jener schändlichen Kupplerin hatte er zuerst und lange zu thun gehabt ; er wußte , daß er vor ihrem Hause am Kanal gewesen , er hatte ihre Fenster gesehen und einen schwachen , ihm unheimlich dünkenden Lichtschimmer : ja unheimlich , denn er zuckte über ein bleiches Gesicht , welches gestern noch in Fülle der Gesundheit geprangt . Er hatte in Gedanken mit jenem Weibe gesprochen , er hatte sie um Auskunft gebeten , welcher Dämon ihr die Macht verliehen über das bisher so reine und unschuldige Geschöpf . Sie hatte gleichgiltig die Achseln gezuckt , und hatte ihm gesagt : ja , wenn Sie mir keinen Brief bringen mit dem bewußten Siegel , so brauche ich Ihnen keine Antwort zu geben . Darauf war er vor dem Hause des Baron von Brand gewesen und hatte lange an die dunklen Fenster hinauf geblickt , und darauf war es ihm , als habe er ihn um das Siegel bitten wollen , doch war Jener abwesend und er mußte ihn im Fuchsbau aufsuchen . Und das that er auch : hastig , eilig . Da lagen vor ihm die finsteren Gebäudemassen , da war der Durchgang , wo das einsame Licht brannte , und die eiserne Gitterthüre , wo er damals jenen Mann im Mantel gesehen , der dem Baron von Brand so ähnlich sah . - Aber auch hier ward ihm kein Einlaß , und es trieb ihn immer wieder fort , wie in einem Rundlauf , an dem stillen Wasser des Kanals vorbei , vor das Haus jenes räthselhaften Mannes , abermals an den Fuchsbau , und erst als der Morgen anfing zu grauen , hie und da an den Häusern Lichter blitzten , sich Hausthüren öffneten und Menschen erschienen , und er also nicht mehr , gefolgt von seinen wilden Phantasieen , allein und ungesehen durch die Straßen schweifen konnte , da schwankte er seinem Hause zu , und als er es erreicht , lehnte er lange die immer noch heiße Stirn an den kalten Stein , ehe er aufschloß und in sein Zimmer hinauf ging . Ach ! das schienen ihm gar nicht mehr die traulichen Gemächer zu sein , in denen er bis jetzt so gern verweilt ; bei seiner Gemüthsstimmung und dem falben Lichte des Wintermorgens erschien ihm Alles hier unheimlich und gespensterhaft . Seine Waffen funkelten ihn so verstohlen an , die weißen Statuen schienen verlegen auf den Boden zu blicken , der schwere Seidenstoff , der nachlässig über seinem Divan hing , schien ihm ein Grabtuch zu sein , und erst ihr Porträt , das auf der Staffelei stand , hatte gar keine lebendige Färbung mehr , sondern däuchte ihm wie das Bild einer Leiche , die nichts mehr hier oben auf der freundlichen Welt zu schaffen hat , die tief hinabgesenkt werden muß , damit man sie nie mehr sehe , und sich bei ihrem Anblick entsetze . - Ah ! ihm schauderte vor ihren Zügen ; sie waren so bleich und leblos