war unnöthig , wußte ich doch selbst die Wohnung der Madame Becker ; ich fragte sie , ob sie in die Kanalstraße fahren wolle , da nickte sie abermals mit dem Kopfe . Ich hob sie alsdann in den Wagen , sagte dem Kutscher , wohin er fahren solle , und empfahl mich auf ' s Höflichste . « » Arthur , « rief der Graf lachend , » ich glaube in der That , daß Ihre Liebe aufrichtig und wahr ist . Aber Sie können doch froh sein , daß eben dies Mädchen sich so dicht verschleiert und verhüllt hielt , und in kalter , dunkler Nacht vor Sie hintrat ; denn , nehmen Sie mir es nicht übel , ich wollte doch für nichts stehen , wenn es Ihnen mit aller seiner Schönheit im warmen Zimmer beim Schein der Lichter unter den angegebenen Verhältnissen erschienen wäre . « » Also war es ein gutes Abenteuer ? « » Das will ich meinen ! Es betraf ein Mädchen , nach der Tausende vergeblich gesehen , die bis jetzt unbescholten dastand . « » Ah ! eine Verführung ! « » Nur durch die Macht des Goldes ; sonst würde ich mir noch größere Vorwürfe gemacht haben , als ich damals schon that , namentlich da sie einer armen Familie angehört und durch ihren Erwerb Vater und Geschwister unterstützen muß . « » Ein sauberer Erwerb ! « sagte kopfschüttelnd der Maler . » Ich meine das nicht , wie Sie es nehmen , « entgegnete der Graf . » Ihr Erwerb ist sehr anständig , kann es wenigstens sein ; sie ist sogar eine Kollegin von Ihnen , Arthur - eine Künstlerin . « » Ah ! wenn ich das gewußt hätte , so würde ich ein Gespräch mit ihr angeknüpft haben . - Aber ihre Kunst besteht wohl im Gebrauch der Nadel . « » Gefehlt , Arthur ! Höher hinauf , oder wenn Sie wollen , tiefer hinab , denn die Kunst dieser jungen Dame besteht im Gebrauch ihrer Füße ; sie ist eine - Tänzerin . « Arthur wußte nicht , warum ihn dieses Wort so schmerzlich berührte . War es die leichtfertige Betonung , mit der sein Freund dies Wort aussprach , war es , weil auch sie eine Tänzerin , und weil es also wieder eine ihrer Kolleginnen war , die hier so zweideutig aufgetreten . Ja , es preßte ihm das Herz zusammen , und er hätte viel darum gegeben , wenn Graf Fohrbach dies nicht gesagt hätte . Dieser aber hatte keine Ahnung davon , wie wehe er Arthur damit gethan . » Ja , « fuhr er fort , » wie ich Ihnen schon vorhin bemerkte , hatte mich der Erfolg meiner Bemühungen selbst überrascht ; ich glaubte nicht daran , und wunderte mich sehr , als jener Brief der Madame Becker an mich kam . Wenige Tage nachher schickte sie mir ihre Rechnung , sie war ziemlich stark , aber ich sandte ihr noch mehr , als sie verlangte ; es wird jenem armen Geschöpf auch zu gut kommen , und - wenn auch in allen Ehren , so interessire ich mich immer noch für die schöne Clara . « » Für die schöne Clara ? « sagte der Maler , und trotzdem er diese Worte ganz leise , fast unhörbar sprach , so schien er doch kaum genug Athem gehabt zu haben , um sie heraus zu stoßen . Der Graf hatte bei den letzten Worten seine Cigarre weggeworfen und den Fauteuil gegen das Kamin gedreht , wo er sich damit beschäftigte , die glühenden Kohlen zusammen zu scharren und einen angebrannten Holzblock darauf zu legen . Er konnte deßhalb nicht sehen , wie Arthur plötzlich so bleich wurde , wie er seine Hand krampfhaft auf das Herz preßte , dann über die Augen fuhr und hierauf gezwungen lächelnd mit dem Kopfe schüttelte . - » O ! nein ! - nein ! « dachte der Maler , » so eine Idee ist ja lächerlich . - Aber eine Tänzerin war es , hat er gesagt . - Die schöne Clara . - Wer trägt sonst noch diesen Namen ? - Mein ganzes Vermögen , Alles , was ich habe und kann , für eine gute Auskunft ! « » Man darf so ein Kaminfeuer nie ausgehen lassen , « meinte Gras Fohrbach . » Finden Sie nicht , daß es hier schon kalt geworden ist ? « » Nein , gewiß nicht - gewiß nicht ! « brachte Arthur mühsam hervor . » Mir ist es heiß , sehr heiß . « Der Andere hatte den kleinen , zierlichen Blasbalg ergriffen , der am Kamine hing , und fachte damit die Gluth von Neuem an . Arthur saß da mit den Gefühlen eines Unglücklichen , über den das Richtschwert gezückt wird . Der blanke Stahl flimmerte ihm schon vor den Augen , er brauchte nur eine Frage zu thun und dann fiel vielleicht der tödtliche Streich , sein Lebensglück für ewig zerstörend . - Sollte er diese Frage thun ? sollte er die beiden Hände seines Freundes ergreifen , ihm flehend in die Augen blicken und um Gottes und aller Liebe willen um den vollständigen Namen jenes Mädchens bitten ? - Dann mußte er ihm auch sein ganzes Unglück offenbaren . - Oder sollte er ihn in gleichgiltigem Tone darum ersuchen ? - Gewiß ! er mußte das Letztere wählen . Und er that es unter den tiefsten Schmerzen , mit der fürchterlichsten Anstrengung . - Ja , er lachte dazu , aber sein Lachen klang heiser , fast wie ein Geheul , und wenn der Graf nicht so sehr mit seinem Feuer beschäftigt gewesen wäre , hätte er aufmerksam werden müssen . » Die - schöne - Clara , sagten Sie , « sprach der unglückliche junge Mann . » Ah ! - damit haben Sie mir Ihr Geheimniß verrathen . « » Oh ! es soll