lebte ihr Bild ewig fort ! Und wie in einem andern Dorfe in Pommern die Bauernschaft den Wagen umringt hatte , und die Bauern in ihrem Plattdeutsch durchaus darauf bestanden , daß sie aussteigen müsse und sich » traktiren « lasse , damit die Städter nicht dächten , sie hätten das Vorrecht allein . Und die Königin war lächelnd ausgestiegen und in das Bauernhaus getreten , und hatte von dem großen ihr aufgetragenen Eierkuchen ein Stück gegessen , und versichert , daß er sehr schmackhaft sei . Und wie der König im Zelt an der Weichsel wo er als Gast der Elbinger tafelte , zu dem Landmann , der mit einer Bittschrift sich auf die Knie geworfen , in edlem Unwillen gerufen ; » Nur vor Gott knien ! Ein Mensch muß nicht vor einem andern Menschen knien ! « » Da habe ich Blicke gethan auf den Herd meines Volkes , « schloß die Königin , » und weiß , wo die Zufriedenheit und Seelenruhe wohnt . - Sie frösteln , liebes Kind , Sie schaudern sogar - « » Ach , Ihre Majestät , es waren Gedanken - « Die Fürstin hatte sie gelesen : » Freilich weiß ich , nicht überall stehen Hütten von Philemon und Baucis , aber die Immoralität hat da keinen dauernden Wohnsitz , wo bewährte Tugenden , Patriotismus und Menschenliebe die Seelen umschlingen . Wenn wir wieder Ruhe und Frieden nach Außen haben , dann hoffe ich , soll es in den höheren - Gott gebe auch in den höchsten Kreisen besser werden . Aber Sie , liebes Mädchen , können doch nicht klagen , Ihr guter Genius führte Sie nur unter edle Menschen - « » Erlauchte Frau ! ich meine , die Menschen sind in allen Kreisen Menschen , und verzeihe mir der Allgütige , wenn es Sünde ist , sie kommen mir oft wie ein Knäuel von Schlangen vor . Wenn Eine mich recht liebevoll anblickt , denke ich an den Tiger , der den Kopf auf die Krallen drückt , zum Satz auf sein Opfer . « - » Was sind das für Phantasieen ! « - » Ich weiß es nicht . Aber ich sehe überall Larven und dahinter Verbrecher . « - » Calmiren Sie sich . « - » Es ist nun einmal mein Schicksal , ich ward von ihm herumgeschleudert , ich bin keine , ich will keine Clairvoyante sein , aber wie Vieles musste ich wider Willen belauschen , und da ist mir , wenn ich einen stillen Teich sehe , den kein Lüftchen kräuselt , als werde er plötzlich gähren , sich heben , toben und Ungeheures zu Tage kommen . Wo wir ' s am wenigsten erwartet , in den friedlichen Kreisen , die wir die glücklichen nennen , als braue unter der Ruhe Entsetzliches . Die Luft drückt mich , und zuweilen wünsche ich , daß der Sturm komme , die Elemente toben ; ein Krieg erscheint mir nicht mehr so schreckenvoll , wenn diese brütende Stille nur aufhört . « » Das sind Imaginationen , vielleicht aus den neuen Büchern . Diese Schlegel , Tieck , Novalis sind aber eine excentrische Lektüre , welche das Blut erhitzt ; keine für ein junges Mädchen , das Herz und Geist zum Umgang mit rechtschaffenen Menschen ausbilden will . « - » Mich dünkt , Ihre Majestät , die Zeit ist auch zu ernst , und fordert von uns andere Pflichten , als in der Märchenwelt zu lustwandeln . « - » Das ist verständig von Ihnen . Man eifert auch gegen das Lesen von Romanen und Schauspielen , aber man thut Unrecht . Unser Iffland führt uns doch immer rührende Beispiele vor , wie wir uns glücklich finden können in beschränkten Verhältnissen . Sie wollen es tadeln , daß er die bösen Menschen immer aus der vornehmen Welt nimmt . Aber hat Iffland Unrecht ? Ich wenigstens und der König sehen uns immer mit Befriedigung an . Sie sollen sich nur ein Exempel dran nehmen , die es trifft , sagte neulich mein Gemahl . - Den Lafontaine möchten sie uns auch verleiden , aber wie viele herzliche und frohe Stunden verdanken wir ihm , wie vielen Trost , wenn wir Abends nach einem verdrießlichen Tage uns mit ihm auf dem Sopha vom Gewühl zurückzogen . O es giebt solche Tage , wo Fürsten nichts hören als Klagen , Gegenanschuldigungen , wo uns die Welt wie ganz verderbt erscheint , ein Knäuel von Schlangen , sagten Sie , wir wollen es nur ein Durcheinander von bösen Menschen nennen . Da , wenn wir uns fürchten mussten vor Allem , was uns nahe kam , da erquickte uns Lafontaine mit der rührenden Einfalt seiner Person , wir sahen uns an , und wenn wir uns nicht aussprachen , dachten wir es : es giebt doch noch gute Menschen . Warum sind die es nicht , welche die Vorsehung uns in den Weg führt . Zuweilen erhört dann der Himmel unsern Wunsch , und wenn wir es am wenigsten erwarten . « Der gütigste Blick ruhte auf Adelheid . » Was sind denn Ihre Lieblingscharaktere in Lafontaine ? « fragte die Fürstin , um sie in ihrer sichtbaren Verlegenheit aufzumuntern . Die Gütige sah wohl die Wirkung , aber nicht die Ursache . Adelheid hatte an den Romanen nie Geschmack finden können : sie hatte die wenigsten durchgelesen . Sollte sie lügen vor einer Monarchin , die allen Schmuck der Hoheit vor ihr abgelegt , und nur in ihrem edelsten Selbst sich gab ! Adelheid hätte in diesem Augenblick aufstehen und ihr zu Füßen stürzen können , um die Wahrheit in ihr zu verehren , die nicht in schönerer Gestalt sich verkörpern konnte , aber die Unwahrheit sprechen konnte sie nicht . Es floß von ihrem Munde , was sie dachte , mit einer kleinen Einfassung von Schmeichelei , die darum nicht Unwahrheit war : » Mich dünkt , des Dichters Aufgabe ist ,