in Verbindung stehende Dinge das , was sie vermöge dieser Verbindung seyn sollen , immer sind ; bald die Harmonie , die eine natürliche Wirkung dieser Ordnung ist . « An einer andern Stelle sagt er : » Hätte sich Plato auf das reichlich Genugsame einschränken wollen , so stand es nur bei ihm , die Aufgabe , so wie er sie gestellt hatte , geradezu zu fassen ; und da es ihm , kraft seiner philosophischen Machtgewalt , beliebt hatte , den gemeinen und zum Gebrauch im Leben völlig zureichenden Begriff der Gerechtigkeit zu verlassen , und die Idee der höchsten Richtigkeit und Vollkommenheit der menschlichen Natur an seine Stelle zu setzen , so bedurfte es , meines Bedünkens , keiner so weitläufigen und künstlichen Vorrichtung , um ausfindig zu machen , worin diese Vollkommenheit bestehe . « Unbezweifelt liegt hierin der Grundirrthum von Aristipps Beurtheilung des Ganzen , und man muß sagen , daß er zwar bis zu dem Punkte vorgedrungen , wo er den richtigen Gesichtspunkt hätte fassen können , ihn aber nicht gefaßt hat , und daß deßhalb gegen Platon nicht gerecht und billig verfahren wird . Nach Morgenstern und Garve ist der Hauptzweck dieses Dialogs die Entwickelung des Platonischen Moralsystems , welches , dem Erstgenannten zufolge , auf diesen Grundsätzen beruht : 1 ) daß der menschlichen Natur eine eigenthümliche Tugend und Würde zukomme , die sich dadurch beweise , daß jedes menschliche Vermögen das thue , was ihm zukomme , daß die Vernunft befehle , die übrigen aber gehorchen , 2 ) daß diese Tugend ein Gut an sich sey , Götter und Menschen mögen darum wissen oder nicht , 3 ) daß sie aber gleichwohl die Quelle der reinsten , wahrhaftesten und dauerhaftesten Glückseligkeit sey , und 4 ) daß man deßhalb aus zwiefachem Grunde nach ihr als dem höchstem Gute streben , das Laster hergegen als das höchste Uebel fliehen müsse . Man sieht leicht , daß Platon die Selbstgesetzgebung der Vernunft im Auge hat , aus welcher er die Tugend ableiten will , und daß er nach etwas Höherem strebt als dem , was man bürgerliche Tugend nennen kann , nach einer rein menschlichen Tugend , die auch aus der Befolgung anderer als der bürgerlichen Gesetze entspringt . Nur hier konnte er Grund und Natur dessen , was Recht und Unrecht , und zwar nicht bloß heute und morgen oder hier und da , sondern dessen , was allgemein und ewig Recht und Unrecht ist , finden ; nur wenn er die Untersuchung bis auf diesen Punkt zurückführte , konnte er den vulgaren Begriffen darüber auf immer abhelfen . Auf jeden Fall aber war es zweckmäßig , daß er , um auch andern seine Ueberzeugung mitzutheilen , von den vulgaren Begriffen ausging . Dieß that er , und dadurch wurde einerseits der ganze Gang seiner Untersuchung , er aber anderseits selbst bestimmt , den gemeinen und zum Gebrauch im Leben völlig zureichenden Begriff der Gerechtigkeit zu verlassen , und die Idee der höchsten Richtigkeit und Vollkommenheit der menschlichen Natur an seine Stelle zu setzen , welches mit andern Worten nichts anders heißt als : die Gerechtigkeit zur Tugend an sich zu erheben , wozu er mehr Grund und Recht hatte , als Wielands Aristipp ihm zugestehen will . Um aber bis auf diesen Punkt zu kommen , bedurfte es in der That aller der weitläufigen und künstlichen Vorrichtung , die Platon gemacht hat , und Aristipp hat hierin Unrecht . Man muß wohl bedenken , daß Platon ja noch keineswegs die volle Wahrheit schon in den Händen hatte , sondern sie erst suchte , daß ihm zwar das Ziel hell und klar vor Augen war , daß er aber den Weg dahin noch nicht kennen konnte , und daß es einen gewissen Punkt gab , von dem er ausgehen mußte , der Punkt nämlich , auf den ihn selbst seine zwei größten Vorgänger gestellt hatten . Alles müßte mich trügen , oder Platon hatte zunächst den Sokrates vor Augen , der in Ansehung dessen , was Recht sey , noch ziemlich befangen war , denn er blieb meist bei dem stehen , was die Staatsgesetze gebieten , wobei aber dem Platon nothwendig die Bedenklichkeit aufstoßen mußte , ob denn alles , was die Staatsgesetze gebieten , auch Recht sey . Da mußte er nach einer andern Ableitung dessen , was Recht sey , sich umsehen , und zu erforschen suchen , was Recht an sich sey . Da stieß er auf die Pythagoräer , die ihn zur rechten Quelle leiteten , zu dem Grunde in der menschlichen Natur selbst . Hier fand er die vier Cardinal- oder Haupt-Tugenden , die Weisheit als die Tugend des Verstandes , Mäßigung und männlichen Muth ( Tapferkeit ) als Tugenden des Begehrungsvermögens , und endlich die Gerechtigkeit , die alle Tugenden zu Einer Tugend macht , die ganze Seele zu Harmonie stimmt , aber die keinem besondern Vermögen zugehörte . Platon bestimmte diesem gemäß den Begriff der Gerechtigkeit und konnte ihn ohne große Schwierigkeit auf seine Weise bestimmen , ohne der Sprache große Gewalt anzuthun , wie wir es in unserer Sprache mit dem Worte Gerechtigkeit leicht auch können würden . Sie erschien ihm als die Beschaffenheit der menschlichen Natur , wie diese ihrem moralischen Vermögen zufolge seyn soll , als moralische Vollkommenheit . Wenn nun Wielands Aristipp äußert , diese sey viel leichter ausfindig zu machen gewesen als auf Platons Wege , so übersieht er den Vortheil , den in den ersten Büchern Platon sich dadurch schaffte , daß er gleich alles zusammenfaßte , was beseitigt werden mußte , wenn seine Ideen Eingang finden sollten , - und dieß war nichts Geringeres als die Erfahrung des wirklichen Lebens , die Art der Erziehung und die Gegenstände des Unterrichts , der Einfluß der Sophisten und Redner , der Dichter und der Priester , - und daß er in dem Nachfolgenden auf Schwierigkeiten stoßen mußte , die , wenn sie uns leichter zu heben sind ,