, so wäre der Sieg ihnen sicher gewesen . Doch mit jener Langsamkeit , welche sie charakterisirt , mußten sie erst den erhaltenen Schlag überwinden und sich auf ' s Neue vorbereiten . - Sehnsüchtig wandte General Grivas vor der Höhe der Kula den Blick nach Westen , wo seine fernen Tapfern gestanden und gefochten . Der Geschützdonner hatte aufgehört und die Befürchtung lag schwer auf seiner Seele , daß der Angriff der Türken seine Schaar zersprengt habe . Zum Wahrzeichen und als trotzige Herausforderung seiner Gegner ließ der General zugleich an einer Stange auf der Brüstung des Thurmes eine aus Stücken von Bekleidung der Gefallenen roh gebildete blaue Fahne aufstecken , an welche die Mainoten von Fetzen der Fustanellen die Form des griechischen Kreuzes geheftet hatten . Ein wildes Geschrei der Türken und das wiederholte Feuern aus ihren Kanonen antwortete dieser Herausforderung . - - In dem den Kugeln am wenigsten ausgesetzten Gefängniß Fatinitza ' s hatten Demetri-Bey und Georg Zanet , Beide schwer verwundet , die Stelle des jetzt begrabenen Andunah eingenommen . Die Hilfe , die ihre Kameraden ihnen leisten konnten , war gering , der Krug mit Wasser , den die Maini ' s am Abend von der Quelle im Thalgrunde geholt , längst erschöpft , und doch ist der Durst nach Wasser bekanntlich gerade das , was die Verwundeten am meisten quält . Der Wall war von den Kugeln der Türken jetzt so demolirt , daß an ein Halten desselben nicht mehr zu denken war , und Grivas vereinigte seine verringerten Streitkräfte in dem zweiten Stockwerk und auf dem flachen Dach der Kula , nachdem die Steine und Balken , welche zur Barrikadirung des Wallzugangs gedient hatten , zur Befestigung der schmalen Pforte verwendet worden , welche in das Innere des Thurmes führte und die zum Glück durch ihre Seitenrichtung nicht den Kugeln der Geschütze ausgesetzt war . Zu wiederholten Malen hatte es Nicolas Grivas versucht , sich zu dem verrathenen Türkenmädchen zu begeben , doch immer wieder war er am Eingange zurückgekehrt , von dem niederdrückenden Gefühl seines Verraths und dem Gedanken an ihre verächtliche Behandlung zurückgetrieben . Fatinitza , von dem Kampfgetöse aus ihrer Erstarrung erweckt , saß jetzt , den Mantel um sich gezogen , aufrecht an der Mauer . Ihr Antlitz war noch immer todtenbleich , doch ihre Züge waren jetzt finster und entschlossen , gleich aus Marmor gehauen wie die der Medeia ! Die dunklen Augen , starr und unbeweglich auf die beiden verwundeten Maini ' s gerichtet , funkelten und glühten doch in dämonischem Feuer . So saß sie bereits stundenlang , ohne sich zu rühren , und die wilden Söhne des Taygetos schauderten vor dem Auge des geschändeten Türkenmädchens und kehrten ihr Gesicht nach der Wand des Thurmes , um ruhiger zu sterben . Es war am Nachmittag gegen vier Uhr , als über die Berge von Westen her von Neuem der ferne Donner groben Geschützes an das Ohr der Mainoten schlug - bald darauf konnten sie selbst die Salven des Kleingewehrs undeutlich hören . Zugleich sahen sie , daß die Türkeit vor ihnen sich zu einem neuen Angriff rüsteten . Der General versammelte die fünf noch kampffähigen Vertheidiger um sich . - » Kameraden , Brüder des heiligen Kreuzes « , sagte er , » unsere Freunde sind uns nahe , ob Sieger oder geschlagen , wir wissen es nicht , aber wir werden uns mit ihnen vereinen können , wenn es uns gelingt , die Fahne dort oben aufrecht gegen den Sturm zu erhalten , der uns droht . Unsere Bedränger werden dann genug zu thun haben , sich selbst zu wehren . Laßt uns daher den Thurm vertheidigen bis zum letzten Blutstropfen , es ist die einzige Aussicht auf Rettung und unsere Pflicht als Söhne Griechenlands . Nur die Flinte kann uns in diesem letzten Kampfe nützen , zielt fest , laßt keinen Schuß vergebens fallen und uns jetzt noch ein Mal unsere Hilfsmittel prüfen . « Während Zanetacchi wieder als Wache zurückblieb auf dem Dache des Thurmes , stieg der General mit den übrigen Vier hinab in das zweite , und untere Geschoß , ihnen Anweisungen zum Kampfe ertheilend . Das obere Stockwerk ragte auf breiten steinernen Trägern etwa anderthalb bis zwei Fuß über das Erdgeschoß hinaus , und die Seitenwände waren mit schiefen trichterförmigen Schießscharten versehen , so daß von hier aus die nähere Umgebung des Thurmes unter wirksamem Feuer gehalten werden konnte . Die Schießscharten der untern dicken Mauern waren dagegen , wie bereits erwähnt , so hoch angebracht , daß von Außen nicht dazu zu gelangen war . Der schmale Eingang der Kula war vollständig mit Steinen und Balken verrammelt und durch die Schießscharten über ihm gedeckt . Grivas beschloß daher , seine wenigen Vertheidigungsmittel in dem zweiten Stockwerk zu concentriren , das den Wall und den innern Ring bestrich , und in dessen Schutz sie am wenigsten den Kugeln der Gegner ausgesetzt waren . Um die Verwundeten dahin bringen zu lassen , betrat er die hintere Abtheilung - Nicolas und die drei Maini ' s folgten ihm . Der junge Mann vermied , das Auge auf das Mädchen zu richten , und trat mit dem Oheim zu den beiden Verwundeten . Die Verblutung war indeß so stark gewesen und die Beschaffenheit ihrer Wunden so gefährlich , daß ein Transport in das obere Stockwerk ihnen unzweifelhaft große und nutzlose Schmerzen verursachen mußte ; der General entschied daher , daß sie gelassen werden sollten , wo sie waren , da sie hier fast eben so sicher sich befanden . » Auch die Türkin mag hier bleiben « , befahl er , » sie ist hier am wenigsten im Wege . « Jetzt erst wagte der junge Mann einen hastigen verstohlenen Blick auf das Mädchen , aber so kurz er auch war , zeigte er ihm doch die Zerstörung in ihrem Aeußern , und er sprang wie vom Blitz getroffen auf sie zu mit dem Ruf : » Fatinitza - was ist geschehen