wenig erleichtern wird , - ist herzhafter gewesen als wir beide : und da seine Dolmetschung wohl den wenigsten Lesern dieser Briefe zur Hand seyn dürfte , so sehe ich mich zu Aristipps und meiner eigenen Rechtfertigung beinahe genöthiget , von seiner mühsamen Arbeit dankbaren Gebrauch zu machen , und seine wörtlich getreue Uebersetzung dieser Stelle , so wie sie die Platonische Zahl betrifft , hier abdrucken zu lassen . Sie lautet folgendermaßen : » - Alles Lebende auf Erden hat seine Zeit der Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit , der Seele und dem Körper nach . Diese Zeit ist zu Ende , wenn die umkreisende Linie eines jeden Cirkels wieder auf den ersten Punkt seines Anfangs kommt . Die kleinen Umkreise haben ein kurzdaurendes , die entgegengesetzten ein entgegengesetztes Leben . Nun aber werden diejenigen , die ihr zu Regenten des Staats gebildet habt , wie weise sie auch seyn mögen , dennoch den Zeitpunkt der glücklichen Erzeugung und der Unfruchtbarkeit eines Geschlechts durch alles Nachdenken mit Hülfe der sinnlichen Erfahrung nicht treffen . Dieser Zeitpunkt wird ihnen entwischen , und sie werden einmal Kinder zeugen , wenn sie nicht sollten . Der Umkreis der göttlichen Zeugungen hält eine vollkommene Zahl in sich : aber mit der Periode der menschlichen Zeugungen verhält es sich so : daß die Vermehrungen der Grundzahl , nämlich drei potenziirende und potenziirte Fortrückungen zur Vollendung , welche vier unterschiedene Bestimmungen des Aehnlichen und des Unähnlichen , des Wachsenden und des Abnehmenden annehmen , alles in gegenseitigen Beziehungen und ausgedruckten Verhältnissen darstellen . Die Grundzahl dieser Verhältnisse , nämlich die Einsdrei mit der Fünfe verbunden , gibt nach dreifacher Vermehrung eine zwiefache Harmonie ; eine gleiche ins Gevierte , als Hundert in der Länge und Hundert in der Breite ; eine andere , die zwar von gleicher Länge ist , aber mit Verlängerung der einen Seite , so daß zwar auch Hundert an der Zahl , nach dem diametrischen Ausdruck der Fünfen darin liegen , wovon aber jede dieser Fünfen noch eine bedarf und zwei Seiten unausgedruckt sind : Hundert aber folgen aus den Kuben der Dreiheit . Diese ganze Zahl ist nun geometrisch , und regiert über die vollkommnern oder unvollkommnern menschlichen Zeugungen . u.s.f. « Herr Kleuker hat uns in einer Anmerkung zu dieser Platonischen Offenbarung , welche ihm vielleicht doch erklärbar scheint , einen künftig nähern Aufschluß darüber hoffen lassen ; ob und wo er diese Hoffnung erfüllt habe , ist mir unbekannt . W. 31 Von diesem wird erzählt , er habe seine Pferde mit Menschenfleisch gefüttert , und zu diesem Behuf die Fremden , die in seine Gewalt geriethen , ermordet . Zu Brief 4-8 . Wollte der Herausgeber dem , wozu der verewigte Wieland ihn mehrmals aufforderte , Genüge leisten , diese seine Beurtheilung der sogenannten Platonischen Republik wieder zu beurtheilen , so müßte er besorgen , in den Fall Aristipps zu kommen , über das beurtheilte Buch ein wenigstens eben so dickes Buch zu schreiben . Gesetzt nun auch , daß es Leser gäbe , die ihm dieß danken würden , so wäre doch hier schwerlich der Ort dazu . Um jedoch der Aufforderung einigermaßen zu genügen , will der Herausgeber wenigstens einige Bemerkungen mittheilen , die vielleicht zu einer weiteren Vergleichung mit der Aristippischen Beurtheilung einladen . Im Betreff des Hauptzwecks dieses Dialogen und des Zusammenhanges der Episoden mit demselben würde es Unrecht seyn , eine Schrift nicht zu berücksichtigen , welche Wieland , ungeachtet sie vier Jahre vor dem Aristipp nicht erschienen war , doch nicht gekannt zu haben scheint , Morgensterns de Platonis Republica Commentatio prima : de proposito atque argumento operis . Halle l794 . Hiemit sind zu vergleichen die Bemerkungen Garve ' s sowohl in seiner Darstellung der verschiedenen Moralsysteme ( S. 32 fgg . ) als in den Anhängen zu seiner Uebersetzung der Politik des Aristoteles ( Bd . 2. S. 184 fgg . ) . Auf Tiedemann , Tennemann und Buhle erst noch besonders zu verweisen , würde wohl unnöthig seyn . Morgenstern unterscheidet in diesem Dialog den Hauptzweck und mehrere Nebenzwecke . Daß der Hauptzweck nicht die Aufstellung einer idealen Staatsverfassung sey , ungeachtet der Dialog den Namen davon trägt , und ein sehr großer Theil desselben sich damit beschäftigt , sondern Untersuchung über Dikäosyne , darin stimmen alle unbefangenen Leser mit einander überein , und Wieland läßt seinen Aristipp austrücklich sagen » ihm scheine die vornehmste Absicht dahin zu gehen , der in mancherlei Rücksicht äußerst nachtheiligen Dunkelheit , Verworrenheit und Unhaltbarkeit der vulgaren Begriffe und herrschenden Vorurtheile über den Grund und die Natur dessen , was Recht und Unrecht ist , durch eine scharfe Untersuchung auf immer abzuhelfen . « Hiebei kommt nun aber bald ein Anstoß an dein Worte Dikäosyne , welches man gewöhnlich durch Gerechtigkeit übersetzt . Platon gebraucht allerdings dieses Wort auch in dem gewöhnlichen , in den bei weitem meisten Stellen dieses Dialogs aber in einem von dem Sprachgebrauche ganz abweichenden Sinne , nach Morgensterns Ausdruck » beinahe für Tugend überhaupt . « Wielands Aristipp hat dieß auch nicht unbemerkt gelassen , denn er sagt : » da ein Wort doch weiter nichts als ein Zeichen einer Sache , oder vielmehr der Vorstellung , die wir von ihr haben , ist , so kann es dem Wort Gerechtigkeit allerdings gleichviel seyn , was Plato damit zu bezeichnen beliebt ; aber der Sprache ist dieß nicht gleichgültig , und ich sehe nicht , mit welchem Recht ein einzelner Mann , Philosoph oder Schuster , sich anmaßen könne , Worte , denen der Sprachgebrauch eine gewisse Bedeutung gegeben hat , etwas anders heißen zu lassen als sie bisher immer geheißen haben . Was Plato unter verschiedenen Formeln Gerechtigkeit nennt , ist bald die innere Wahrheit und Güte eines Dinges , die ihm eben dadurch , daß es recht ist , oder daß es ist was es seyn soll , zukommt ; bald die Ordnung , die daraus entsteht , wenn viele verschiedene mit einander zu einem gewissen Zweck