ist sein Stolz . Und inmitten eines Stück Roggenlandes , dessen Halme kaum erst handhoch aus der Erde ragen , stehen wir alsbald vor einem jener Ziehbrunnen , wie wir ihnen noch jetzt in unseren Dorfgassen begegnen . Wir sehen eine Rundung von fünf bis sechs Fuß Durchmesser , die Rundung selbst mit Feldsteinen ausgemauert und die mit Geröll locker zugeworfene Höhlung noch immer über fünf Fuß tief . Auf unsere Fragen erfahren wir , daß vor einem Menschenalter alle diese Dinge noch viel erkennbarer waren : das Mauerwerk der Kirche ragte noch mannshoch auf , die Brunnenhöhlung war noch gegen fünfzehn Fuß tief , und der Mantel des Brunnens erwies sich noch deutlich als eine Art Lehmzylinder , in dem die Steine kreisförmig übereinander steckten . Wir schreiten von der » Brunnenstelle « zu der benachbarten » Backofenstelle « . Sie liegt im Roggenland und gibt sich zunächst durch nichts Besonderes zu erkennen . Halme stehen jetzt dicht umher . Erst bei genauerer Einsicht gewahren wir , daß sich mitten in dem schwarzbraunen Boden eine kreisrunde Lehmstelle von etwa Backofendurchmesser scharf markiert . Von hier aus geht es weiter zum » Markstein « , der bis diesen Tag von einer alten Eiche überschattet wird . Aber sie gehört doch nur dem Nachwuchs an , der , als die Stadt zerstört war , durch die offenen Tore hier einrückte . Die wirklich alte Eichengeneration , die bei Lebzeiten der Stadt den Marktplatz einfaßte und beschattete , ist hin und zeigt nur noch an einzelnen Wurzelstubben , wes Schlages und Umfanges sie war . Weit mehr indes als diese Wurzelstubben von kolossalem Durchmesser ist der Markstein selbst eine Sehenswürdigkeit . Es ist derselbe , über den wir schon weiter oben berichtet haben . Er mißt etwa acht Fuß im Quadrat , geht über vierzehn Fuß in die Tiefe und ragt nur wenig aus dem Erdreich hervor . Natürlich hat ihn nicht Menschenhand hierher gelegt und die Annahme hat nichts Gezwungenes , daß er ein Opferstein der Ureinwohner war . Auf diesem Stein zu schlafen , müßte mindestens eben so unheimlich wie unbequem sein . Und von diesem an höchster Stelle gelegenen » Markstein « aus haben wir jetzt nach vorgängiger Kenntnisnahme der Einzelheiten alles in der Klarheit einer Reliefkarte vor uns . Wir erkennen deutlich die Mauer , die Tore , die Hauptstraße , die Kirche , die einzelnen Häuser und Gehöfte , und ungerufen wie eine Vision steigt die alte Stadt aus ihrem Grabe wieder vor uns auf . Gewiß ist das Bild , das wir uns von ihr machen , ein vielfach falsches ; aber es sind dieselben Fehler nur , wie wenn wir uns mit Hilfe eines Plans eine Stadt im Geiste aufbauen . Die Dinge selbst sind nicht richtig , aber wir geben den Dingen einen richtigen Platz . Unten am Hügelabhang , in Nähe der » Suhle « , blicken wir noch einmal auf das Steinfeld zurück , das nicht länger ein Chaos für uns war . Dann erst trennten wir uns zögernd von einer Stelle , über der ein ganz besonderer Zauber waltet . Die Natur wuchs hier einst wild in eine Stätte der Kultur hinein und wucherte darin ; nun hat eine andere Kultur den Wald gefällt und breitet ihre Saaten darin aus . Städtisches Leben von ehemals und Ackerbau von heute reichen sich über einem vierhundertjährigen Wald-Interregnum die Hand . Aber an Unheimlichem fehlt es noch immer nicht . Das Wildschwein hat es nicht vergessen , daß Jahrhunderte lang ihm diese Stelle gehörte , und in Sommernächten , wenn der Rapsduft vom Felde her in den Wald zieht , dann bricht es in sein altes Revier ein , erst in die » Suhle « , dann in die Saat und tritt nieder und wirbelt auf . Wer dann im » Blumenthal « seines Weges kommt , der hört ein Lärmen und Johlen , ein Grunzen und Quietschen wie in alter Zeit , und er weiß nicht , ist es ein Hexensabbat oder die wilde Jagd . Prädikow Hans Albrecht von Barfus Hans Albrecht von Barfus Der jetzt alles vermag und kann , War erst nur ein schlichter Edelmann , Und weil er der Kriegsgöttin sich vertraut , Hat er sich diese Größ ' erbaut . Schiller Hans Albrecht von Barfus ward inmitten der Drangsale des Dreißigjährigen Krieges 1635 zu Möglin geboren und diese Drangsale waren es auch wohl , die seiner Erziehung und Bildung ein fast allzu geringes Maß gaben . Das Militärische trat von Anfang an in den Vordergrund und wurde Schule fürs Leben und Staffel zum Glück . Hans Albrecht trat früh in Dienst . Es war die Zeit , wo die Söhne des Adels anfingen , den Krieg , aus eigenem Drang heraus , als Metier zu betreiben . Die Höfe lagen wüst , die Zeiten waren unsicher . Zudem entstanden eben damals die stehenden Armeen und brauchten Offiziere . Hans Albrecht diente » von der Pike auf « , ein Umstand , dessen er sich in seinen Feldmarschallstagen gern zu rühmen pflegte . Seine ersten Feldzüge machte er unter Sparr , Derfflinger und Görtzke . Er focht mit in Polen , in Pommern , in Preußen und am Rhein . Bei Fehrbellin war er höchst wahrscheinlich nicht , da er beim Fußvolk stand , das brandenburgischerseits in dieser Reiterschlacht fast gar nicht zur Verwendung kam . Auch Schöning , aus gleichem Grunde , fehlte bei Fehrbellin . Im übrigen begann schon damals die Differenz zwischen beiden , auch in ihrer äußeren Stellung hervorzutreten . Es durfte nicht wundernehmen . Schöning war der Ausnahme- , Barfus der Durchschnittsmensch , und wenn jener den Mann der » großen Karriere « repräsentierte , so repräsentierte dieser den Mann der Anciennität und Subalternität . Freilich war er seinerseits wieder ein subalternes Genie und gehörte jener Klasse von Leuten an , die eine mäßige Begabung glücklich und segensreich für sich und mitunter auch für andere zu benutzen wissen . Ihre Tugenden sind Charaktersache und