seinen Vater erinnern konnten - Hinauszustürzen aus dem Beichtstuhl , den Verbrecher festzuhalten , Hülfe zu rufen - das war sofort sein Gedanke - aber - Innocenz und Hildebrand , wie schultet ihr euere Reisige ! Ein katholischer Priester wird erzogen , in der Beichte von Ravaillac zu hören , daß er den König von Frankreich ermorden wolle . Er wird , ähnlich wie Pater Cotton , der Jesuit , gethan , auf diesen ihm vorgelegten Fall antworten : Ich werde den König warnen , werde stündlich um ihn sein , werde den Todesstoß statt seiner empfangen ; aber dem Mörder kann ich nur seine Sünde vorhalten und ihm ins Gewissen reden - seine That gehört Gott - seine Person kenn ' ich nicht ... Die Beichte zu sprechen , nennt die Kirche das schönste und größte Heldenthum des Menschen . Petrus weinte bittere Thränen , Magdalena wand sich zu den Füßen des Heilands , Augustinus gestand in seinen Bekenntnissen die Verirrungen seiner Jugend ... Aber nicht minder groß ist das Heldenthum des Beichthörens ... Christus hörte noch die Beichte eines Mörders , der am Kreuze neben ihm hing , während sein eigenes Leben verschmachtete und der unbußfertige Schächer ihn lästerte ... Und dennoch , dennoch riß unsern Freund die kindliche Liebe hin ... Unglücklicher ! rief er fast in die schmetternden Klänge des Hochamts hinaus . Was führt dich gerade zu mir ? Wisse ! Ich , ich bin der Pfarrer des Friedhofs gewesen , den du entweihtest in Sanct-Wolfgang ! Das rothblonde struppige Haupt erhob sich einen Augenblick und sank , zuckend unter einem grauen Hute sich verbergend , kraftlos nieder ... Der Spätling hatte diese Fügung des Zufalls nicht erwartet ... Uebersende mir die Schriften , von denen du sprichst ! Die Ruhe meines Lebens hängt von ihnen ab ! ... Ach , gewiß auch die Ruhe deines Lebens ! Weißt du doch , selig sind die Todten , denn sie werden Gott schauen ! Vor seinem allwissenden Antlitz wird der von dir in seinem Grabe Gestörte auch für deine Seele bitten ! Ist deine Reue eine wahre , ist diese Anfechtung zur Rückkehr in alte Schuld die letzte gewesen , dann kniee nieder vor der allerseligsten Jungfrau , wenn sie dir wieder erscheint in den Höhlen , wo du vor dem Arme der Gerechtigkeit dich verbirgst , bekenne ihr deinen Trieb zur Besserung , und willst du die vollste Aussöhnung mit Gott auch nur einmal , einmal erproben , in dem Genuß seines heiligen Leibes , o , so will ich dir das allerheiligste Sakrament des Altars nicht entziehen , will dir die Erweckung durch den Mitgenuß seines gekreuzigten Leibes nicht versagen - Oder hast du noch irgendeine andere Schuld auf deiner Seele - ? Der Verbrecher athmete schwer und erhob sein Haupt nicht wieder ... Es war Bonaventura , als hörte er ein Murmeln : Ich hatte - Du hattest ? O rede ! Du hattest ? - Ein - ein Engagement - Wozu ? Zu einer ruchlosen andern That ? Sprich ! Vertraue mir ! Ein Feuer - Solltest du anlegen ? Ha ! Eine Urkunde - eine falsche Urkunde in dem Tumulte irgendwo niederlegen ! Wo ? Wo ? Sprich ! Es ist vorüber - Schon geschehen ? Ihr Heiligen ! Nein , Herr , nein ! - Aber es wird geschehen ! Nein , Herr , nein - Wen soll ich warnen ? Rede ! Der Verbrecher schwieg ... Rede ! Keine Antwort erfolgte ... Der Verbrecher murmelte ein Gebet ... Nun denn , sagte Bonaventura nach einer Weile , so sei dir dies Vorhaben vergeben , wenn es unterbleibt und du es um Jesu willen bereust ! Aber auch dies noch ! Mein Name ist Bonaventura von Asselyn ! Meine Wohnung im Kapitelhause ! Sende mir die Schriften , die dir nichts nützen können ! Nie , nie will ich dich erkennen ! Ich sah dich ja nicht , ich will dich nicht sehen , ich spreche dir Befreiung deiner Schuld und schließe das Gitter , daß du dich ungestört entfernen kannst ! Beim Tisch des Herrn will ich dich , falls du dein Vorhaben unterlässest und mir die Schriften schickst , anlächeln wie dein Freund wenn ich dir das Brot des Lebens reiche ! Absolvo te in nomine patris , filli et spiritus sancti ! Amen ! Bonaventura machte das Zeichen des Kreuzes - zog das Fenster zu ... und erhob sich ... Als er sich zitternd entfernte , war niemand mehr gegenwärtig , selbst der Meßner nicht ... Das Hochamt tönte fort ... Wie eine Geistererscheinung war , was er erlebt hatte ... Er wankte dahin wie wesenlos ... wie ein Hauch der Lüfte ... In dem ihn umrauschenden Gewühl des Lebens , unter den sich drängenden Menschen , die ihm auswichen , hinter dem Meßner , der ihn in einiger Entfernung erwartet hatte und sich ihm anschloß und Platz machte , daß er hindurchkonnte zur Sakristei , war sein Sein das , was nach einem griechischen Dichter wir alle sind , nicht ein Schatten nur , nur eines » Schattens Traum « . Bei alledem sprach ihm , als er sich umkleidete , sein Gewissen : Hast du dich nicht von deinem persönlichen Interesse fortreißen lassen ? Blieb nicht ein Vorhaben zu wenig eingestanden , das viel wichtiger ist , als jenes Blatt Papier ? ... Wickert war ein Bundesgenosse Hammaker ' s ... Eine Feuersbrunst stand vor seinen Augen und wollte nicht weichen ... Benno holte ihn ab , um ihn in seine Wohnung zu begleiten und von ihm Abschied zu nehmen ... Was mußte nicht alles sein Mund verschweigen ! Er wußte nicht , was ihn bestimmte , zu sagen : Seid auf Schloß Westerhof nur wachsam ! Tag und Nacht haltet doch Obhut ! ... ... Wie bangte er der Hoffnung entgegen , die Räthsel jenes Sarges von St.-Wolfgang gelöst zu sehen ! 6. Piter ' s Gesellschaftsabend rückte näher ... Eine Aenderung seines Programms