Wachen aus den Schießscharten des Thurmes beobachteten ungefährdet die Gegner . Die Kanonade hatte eine halbe Stunde gedauert und die Barrikade des Einganges am klaffenden Felsenspalt war jetzt zerrissen . Dann schwieg das Feuer und von der Höhe des Thurmes tönte der Ruf der Wache : » Sie kommen . « Die Griechen sprangen empor aus ihren Verstecks und sammelten sich um den Führer , der bereits Jedem seinen Antheil am Kampfe bezeichnet hatte . Nur Einer - Panagotti Zanetacchi - wurde als Wache auf den Thurm zurückgesandt , die Anderen machten sich zum Kampf bereit , Jeder untersuchte sorgfältig das Schloß seiner Flinte und der langen Pistolen und lüftete den Handjar . Frische Reisigbündel wurden auf die Feuer gelegt , die anderen näher zur Gluth geschoben ; dann nahm Jeder seinen Posten am Wall ein , so gut gedeckt als möglich und doch mit freiem Blick auf den nahenden Feind . Und er kam heran - diesmal waren es die Arnauten Selim-Bey ' s , geführt in Stelle des Pascha ' s , von Abdallah , dem jungen Emir . Auf dem Felsenwall und zu beiden Seiten desselben drängte es wieder heran in dichten bunten Haufen , jeder Mann vor sich ein oder zwei große Reisigbündel tragend , die seinem Körper zugleich Schutz gewährten gegen die Kugeln der Griechen . Aber die Kugeln der Mainoten blieben aus ; der General hatte ihnen streng befohlen , den Schuß zu sparen , bis der Feind in größter Nähe und jede Kugel ihres Zieles sicher war . Als die Anrückenden etwa die Hälfte des Dammes zurückgelegt hatten , gab der Emir , den Säbel schwingend , mit dem arabischen Kampfruf : » Allah Akhbar ! « das Signal zum Angriff und die ganze Masse , etwa Dreihundert an der Zahl , von denen die Hälfte in dichten Gliedern den Damm einnahm , stürzte in wildem Lauf vorwärts . Sie waren zwanzig Schritt vom Felsspalt , als die Büchse des Generals das Zeichen zur Salve gab . Fast gleichzeitig knallten die sechs Flinten und die Kugeln warfen die Vordersten zu Boden oder hinab vom Felskamm auf ihre Kameraden . Einige Kugeln hatten in dem dichtgedrängten Haufen Mehrere verwundet , - keine gefehlt , aber die Arnauten hielten sich nicht auf mit einer Erwiderung des Feuers , sondern stürzten mit jener Todesverachtung vorwärts , die den Moslem auszeichnet . Ueber Todte und Verwundete drängten die Krieger zum Rande des Felsenspaltes , auf dessen Grund zu beiden Seiten bereits die Kameraden ihre Reisigbündel emporthürmten . Zugleich warfen sie die ihren in den Grund , und viele Leiber , von den Pistolenkugeln der Mainoten in dieser Nähe durchbohrt , halfen den Spalt füllen . In wenig Augenblicken war die Füllung bis auf einen Nest von Mannshöhe geschehen , und die wilden Krieger stürzten sich , von den Folgenden gedrängt , reihenweise hinab und begannen an der anderen Wand empor zu klimmen , an den Zacken des Gesteins sich haltend oder Einer auf des Andern Schultern . In der Bresche standen jetzt Grivas , sein Neffe und drei der Maini ' s , mit dem Säbel , der Kolbe und dem Yatagan die Heraufstürmenden abwehrend , während die beiden anderen Mainoten fortwährend die Pistolen luden , und Panagotti Schuß auf Schuß von der Höhe des Thurmes in den dichten Haufen sandte . Das Allahgeschrei , der Kampfesruf der Anstürmenden war furchtbar , sinnebetäubend ; schweigend - jeden Athemzug zu einer Kraftanstrengung sparend , kämpften die Griechen . Herüber , hinüber knatterten die Pistolenschüsse , die Gegner schauten einander in ' s Weiße der Augen ! Und immer höher thürmte sich die Füllung des Spaltes , Reihe auf Reihe stürzte sich hinab und klomm empor , und für den zerhauenen Schädel , die vom Arm getrennte Faust , die zerschossene Brust , drängten zehn Andere empor ! » Allah Akhbar ! Zum Kampf ! Zum Kampf ! « Der wilde Ruf des Führers spornte sie zu immer neuen Anstrengungen . Die Griechen waren sämtlich verwundet bis auf den jungen Grivas , der vergeblich im Handgemenge den Tod zu suchen schien - ihn floh der finstere Gesell mit jener schneidenden Koketterie des Grabes , das den Begehrenden von sich stößt . Demetri-Bey lag , zum Tode getroffen , am Boden ; Georg Zanet kämpfte , an den Wall gelehnt , aus zwei Wunden Ströme von Blut vergießend , gleich dem sein Ende fühlenden Eber . Zwölf Augen ! - Eilf Augen ! Ein Teufel schüttelt die Würfel ! - Da erscholl über das Toben des Kampfes hin ein schneidender Pfiff des Generals , der im Handgemenge wie jeder seiner Krieger focht . Die beiden Schützen am Wall sprangen zu den Feuern und rissen die flammenden Bündel heraus , mit dem Fuße neue hinein schleudernd . Wie qualmende rauchende Ballen flogen sie im nächsten Augenblick hinunter in die Masse der stürmenden Türken . Die leichten Gewänder erfaßten die sprühenden Funken - die Stürzenden theilten das Feuer den aufgehäuften Faschinen , der Bekleidung der Erschlagenen mit - und von der Hand der Mainoten flog Bund auf Bund , in Flammen gehüllt , hinab in den Menschenknäuel . Ein furchtbares Geschrei stieg zum blauen wolkenlosen Himmel , eine Mauer von Rauch und Qualm wälzte sich aus der Felsspalte empor - in sie zurück warfen die Kolbenschläge und Yataganshiebe der Mainoten die verzweifelnd Emporklimmenden . Noch wenige furchtbare Augenblicke , dann verstummte der Kampfruf vor dem wahnsinnigen Geschrei des Schmerzes und die Arnauten wandten sich auf allen Seiten zur wilden Flucht . Vergebens waren alle Anstrengungen des jungen Führers . Die Flucht der orientalischen Völker ist nie zum Stehen zu bringen . Sie fühlten sich erst sicher im Schutz ihrer Kanonen ; - zahlreich waren die Opfer an Todten und Verwundeten . Acht Griechen hatten den Sturm von dreihundert tapfern Kriegern abgeschlagen , die Palanka seit neun Stunden vertheidigt . Hätten jetzt die Moslems auf die zum Tode Erschöpften einen neuen Sturm mit den frischen Kräften gewagt , die ihnen zu Gebote standen