Sie wieder zu sehen , liebes Kind , so wie Sie sind . Ich meine , « setzte sie lächelnd hinzn , » wie Sie bei Gottes schönem Sonnenlicht aussehen . Das Lampenlicht täuscht immer , und es ist mir lieb , daß ich mich nicht getäuscht habe . « Eine gebietende , aber graziöse Bewegung forderte Adelheid auf , an ihrer Seite weiter zu gehen . Der Schadow schien es zweifelhaft , ob sie nach diesem Empfange respektvoll unter dem Baume stehen bleiben , oder in ebenso respektvoller Entfernung folgen solle . Da wandte sich die Fürstin freundlich um : » Ach , liebe Schadow , da fällt mir ein , ich vergaß , als Hoym sich vorhin melden ließ , daß meine Lieblingsbücher auf dem Nähtisch liegen geblieben sind . Sehen Sie doch nach , damit die Kinder nicht darüber kommen . « Der Etikettenzweifel der Kammerfrau war gelöst , sie verneigte sich und die Königin und Adelheid waren allein . Es war ein wunderschöner Herbstmorgen , kein Wölkchen am sonnendurchglühten Himmel , die laue Luft spielte durch die angegelbten Baumwipfel , Sperlinge zwitscherten in den Büschen , weiße Herbstfäden flogen umher . Es war kein gezwungener Anfang des Gespräches , wie von selbst kamen die Worte von den Lippen der Königin : » Sind Sie auch eine Freundin der Natur ? « » Sie streicht Balsam auf die Wunden der Leidenden und wessen Herz vor Freude jauchzt , wo findet er Laute dafür , als in ihrer stummen Sprache ! « Das war zu starke Farbe für die Stimmung , sagen wir für die Poesie der Königin , aufgetragen . Sie blieb einen Augenblick stumm . Dann sprach sie Worte , die auch Andere behorcht haben müssen , denn wir finden sie schon verzeichnet . » Ich muß den Saiten meines Gemüthes jeden Tag einige Stunden Ruhe gönnen , und sie dadurch gleichsam immer wieder aufziehen , damit sie den rechten Ton und Anklang behalten . Das gelingt mir am besten in der Einsamkeit , aber nicht im Zimmer , ich muß hinaus in die freie Luft , in die stillen Schatten der Bäume . Unterlasse ich es , dann tritt gewöhnlich Verstimmung bei mir ein , und je geräuschvoller es um mich wird , um so ärger wird sie . Ach , es liegt ein ungemeiner Segen in dem abgeschlossenen Umgange mit uns selbst . « Das war viel von einer Fürstin gegen ein junges Mädchen , welches keine Ansprüche an ihre Vertraulichkeit hatte , welches sie zum zweiten Mal sah . Adelheid fühlte das Viele , es drückte sie indeß weder nieder , noch erhob es sie . Jene hatte wohl Recht : die auf den isolirten Höhen thronen , fühlen auch das Bedürfniß , ihre Gefühle mitzutheilen . Wenn sie keine Herzen , Seelen , Geister finden , die sie verstehen , klagen sie ' s der sternbesäeten Nacht . Sie schütten in der Verzweiflung ihr Herz auch aus vor den glatten Marmorwänden , lieber als vor marmorkalten und glatten Menschengesichtern . Adelheid gestand sich , sie war in diesem Augenblick nur eine Wand , ein Baum , an den die Fürstin ihr Herz ausschüttete . In der Art lag aber zugleich eine Korrektion . Die Königin hatte die Saiten auf den Ton gestimmt , der im Gespräche durchklingen sollte , es war ein elegisch-sentimentaler . Er passte nicht zu der Stimmung , welche Adelheid mitgebracht , und die in dem belauschten Gespräche neue Nahrung erhalten hatte . Weil Adelheids Saiten zu hoch gestimmt gewesen , schwieg sie , in Erwartung , daß der Einklang mit der Fürstin sich herstellen werde . » Sie sind eines von den glücklichen Wesen , « hub die Königin an , » an deren Wiege , wie die Dichter sagen , gütige Feen standen . « Adelheid öffnete die Lippen , aber verschluckte das Wort . Die Fürstin hatte den fragenden Blick aufgefangen und verstanden : » Wäre ich nicht die - stände ich Ihnen nicht so fern und fremd , so würden Sie mich gefragt haben : Was ist denn Glück ? « - » An Ihre Maiestät erlaube ich mir nicht die Frage , aber an mich selbst : Was macht das Glück dieses Lebens aus ? « - » Mich dünkt , der Stempel , den der Schöpfer seinen Geschöpfen aufgedrückt hat , ist die beste Antwort . Sie brauchen sich nicht im Spiegel zu sehen . Sehen Sie nur die Miene der Leute , denen Sie begegnen . Die schöne Adelheid Alltag ist überall willkommen . « - » Und doch verdankte ich neulich nur der Huld einer höheren Zauberin , daß ich dem Spotte und der Kränkung entging . « - » O das waren Unarten . Neidische und böse Menschen können den Frieden der Glücklichen nicht verkümmern . Dieser Friede ist ein Gut , was tiefer liegt . Ihre hässlichen Hände reichen da nicht hin . « - » Gnädigste Königin , ich preise allerdings mein Glück , weil ich früh einen Lehrer fand , der mich auf das Wahre hinwies . « - » Ich kenne Ihren Vater ; er ist ein trefflicher Mann und treuer Staatsdiener , der nichts Höheres kennt , als die Erfüllung seiner Pflichten . « - » Mein Lehrer lehrte mich , « fuhr Adelheid rasch fort , » daß Leiden unsere besten Erzieher sind . Aus der Schule großen Unglücks entwickelt sich die Seele zur Freiheit und Selbstständigkeit . « - » Haben Sie auch diese Schule durchgemacht ! - Doch das ist ja nun vorüber . « - » Wer kann sagen , daß er aus der Schule entlassen ist , so lange er lebt ! Und wer sieht unter dem fröhlichen Gesicht die Schmerzen in der Brust ! « Das war ein Ton , welcher anschlug , er vibrirte durch die Seele der Königin : » Und wer sieht heute , was morgen kommt ! « Ein Seufzer machte sich aus ihrer Brust