Seine Majestät das Wohl seines Volkes und seiner Krone in seine Hand gelegt hätte . Da , in der schrecklichen Audienz , die er am siebenten Tage auf vieles Bitten und Dringen erhielt , musste er sich von Bonaparte die Schmeichelei in ' s Gesicht sagen lassen : » Sie sind ehrlich , ich weiß es , aber Sie haben keinen Kredit mehr in Berlin ; Hardenberg und ein paar andre hirnkranke Narren wühlen das Volk auf und beherrschen Ihren König . « Das musste er hören , der Abgesandte Preußens , aus dem Munde des Corsen , und - schwieg - musste schweigen - und - und - Als sie wieder vorüber waren , meinte Adelheid , die Königin sei jetzt wohl schwerlich gestimmt , ein unbedeutendes Mädchen zu empfangen ; ob es nicht schicklicher wäre , wenn sie sich zurückzöge ? Die Schadow verneinte es : » Das geht bald vorüber . Sie kann nicht lange zürnen , das ist ihr himmlisches Gemüth . Es ist , wie wenn ein Gewittersturm vorüberzog und dann die Abendsonne scheint . Dann athmet sie auf , sie kann sich an einer Feldblume freuen , und gerade dann wird sie erst recht gütig , wenn sie aufgebracht war , und möchte es an Allen , denen sie begegnet , wieder gut machen . « Aber das Gewitter war noch nicht ganz vorüber . Es war nur auf dem Rückzuge . Die Königin wandte in kürzeren Absätzen um . Diesmal schien Hoym der Ankläger gewesen zu sein . Die Fürstin schüttelte den Kopf : » Ich hielt ihn für ehrlich . Er hat ein so angenehmes Wesen . « - » Leider ist es in Paris so bekannt wie hier , daß Lucchesini nach Berlin nur das berichtet , was uns schmeichelt . Die Hauptsachen hat er verschwiegen . « - » Er ist ein Italiener . Ich will zugeben , daß seine Lust das Intriguiren ist , aber , Graf , er sieht sehr scharf die Dinge , wie sie sind . « - » Das streitet ihm Niemand ab , Ihre Majestät , aber sein Gesandtenposten in der französischen Hauptstadt gefiel ihm so außerordentlich , daß er das geschickt cachirt hat , was unser Kabinet genöthigt hätte , ihn auf der Stelle zurückzurufen . Noch weniger als er hatte seine Frau Lust Paris zu verlassen . « - » Muß auch das in unser Unglück hineinspielen ! « - » Madame la Marquise haßt ihre Schwester , die Bischofswerder , auf Tod und Blut . Sie hat ihrem Gemahl erkärt , daß sie an Krämpfen verginge , wenn sie mit ihr unter dem Himmel einer Stadt leben müsste . Unser Ambassadeur ist ein so guter Ehemann ! Ich kann ihn nicht entschuldigen ; in milderem Lichte aber darf ich Haugwitz ' s Versehen betrachten . Ward er nicht immerfort , durch falsche Berichte getäuscht ? « - » Ich möchte so ungern auch diesen Mann aufgeben ! Ist sein Eifer jetzt für den Krieg auch Verstellung ? « - » Nein , nur aufrichtige Erbitterung gegen Napoleon , der ihn nie leiden mochte und ihn endlich aus Paris fortschaffte . « - » O , lieber Hoym - « fuhr die Fürstin mit der Hand an die Stirn , » Menschen , wie sie sein sollten ! - Sind denn die Könige verdammt , daß ihr Glanz nur die an sich zieht , die nicht sind , wie sie sein sollen ! « » Jetzt entlässt sie ihn bald , « flüsterte die Schadow . » Geben Sie Acht , sie wenden noch kürzer . « Adelheids Herz schlug lebhafter . Eine angenehme Wärme durchdrang sie , sie fühlte eine Lust , dieser Königin Angesicht gegen Angesicht zu stehen . Es waren wirklich die Abschiedsworte , als sie zum letzten Mal vorüber gingen . » - Und diese Mäntelgeschichte , welche das Land in Aufruhr bringt , wird man es künftig glauben , daß man erst jetzt , im letzten Augenblick daran denkt ! Eine Sottise , bedürfte es noch der Epigramme , es giebt kein schlagenderes auf die Unfähigkeit unserer Verwalter . Und statt als wirklich treue Diener ihres Herrn die Schuld auf sich zu nehmen , lassen sie Seine Majestät den König in kläglichen Lauten zum Publikum sprechen , sie legen meinem Gemahl Worte in den Mund , über die ich mich in der Seele schäme . Sie haben nicht daran gedacht , und ihre Pflicht war es . Ist das Loyalität ? - Auch im Kriegswesen sagte mir Rüchel Unbegreifliches . Für das Nöthigste nicht gesorgt ! Unsre Festungen zu armiren , dazu schickt man sich jetzt erst an . Es ist unerhört , man wird es künftig nicht glauben . Wozu bezogen sie die großen Besoldungen , wozu wurden ihnen Güter über Güter geschenkt ! - Nein , lieber Graf , das Kabinet , was diesen gräßlichen Zustand möglich machte - es kann , darf nicht bleiben - oder - « Die Worte verhallten . Am Ende der Allee war der Vicekönig von Schlesien entlassen . Louise stand eine Weile sinnend . Ihre schöne , anmuthige Gestalt im weißen einfachen Morgenkleide ward noch vortheilhafter gehoben durch den grünen Rasenfleck , gegen den sie wie eine Marmorstatue abschnitt . Ein Sonnenstrahl , der durch die Baumwipfel auf ihren Scheitel fiel , setzte ihr eine goldene Krone auf , aber er goß zugleich ein wunderbares Leben auf das schöne Gesicht . Es war keine Bildsäule ; die Königin schwebte die Allee wieder herab . Auf ihrem Gesicht schien jede Spur der Agitation verschwunden , als sie näher kam . Sie ging auf Beide zu . » Ihre Majestät entschuldigen , « wollte die Schadow anfangen , » es ist zufällig eine liebe gute Freundin - « » Es ist eine alte Bekannte und ein lieber Besuch , « unterbrach die Fürstin . » Wir sind ja hier unter uns , wozu die Komödie ! - Es freut mich ,