, mit so heimlicher , zarter Sorge zu umgeben , in ihrer gefährlichen Laufbahn ritterlich über sie zu wachen ? Ja — er würde kommen — sicher , sicher ! Die matte , trübe Zeit war zu Ende ! Er würde kommen ! ! * * * Zuerst hörte sie bei Wutrows von ihm reden . “ Ich bin heute dem Maler begegnet , der der Daniel nachgereist ist , ” sagte Eugenie , während Agathe ihr half , die Brautwäsche mit blauen Bändern zu umknüpfen , denn die Hochzeit sollte nun bald sein . “ Hertha Henning zeigte ihn mir . Sie will bei ihm Unterricht nehmen . Ihre Mutter ist froh , daß sie sie nun nicht nach Berlin zu schicken braucht — wenn sie miteinander hungern , kostet ' s doch weninger . Ich finde es ziemlich unpassend — er ist noch ganz jung — höchstens achtundzwanzig — na — und der hat schon manches hinter sich . ” “ Wieso meinst Du ? ” fragte Agathe beklommen . “ Ach , das sieht man doch . Aber was ist Dir denn ? Mädchen — Du bist ganz blaß ! Kennst Du denn Herrn von Lutz ? ” “ Ich war mit Woszenskis in seinem Atelier , ” stieß Agathe in ihrer Fassungslosigkeit hervor . “ So — warum hast Du mir davon gar nichts gesagt ? Aber so setze Dich doch — Du wirst wahrhaftig ohnmächtig ! Nein — dies Mädchen ! — Er sieht sehr gut aus — so ein weltmännischer Chic , den die Herren hier bei uns immer nur imitieren . Komm — trink ein Glas Wein ! ” — — Hertha Henning hatte also Unterricht bei ihm . . . . Nein — eifersüchtig konnte Agathe auf Hertha nicht werden — dazu war deren Nase zu lang und zu spitz . Sie versuchte , einen Stuhl zu zeichnen — eine Blume — es mißglückte vollständig . Sie hatte gar kein Talent — keinen Funken . War das nicht jammervoll ? Zu nichts hatte sie Anlagen — konnte nicht den kleinsten Vers zu stande bringen . Sie war im Grunde doch ein ganz gewöhnliches Geschöpf . Und Lutz erkannte sie auch nicht wieder . . . . Als er im Wandelgang des Theaters auf sie traf , sah er sie flüchtig an und grüßte nicht . Eugenies und Walters Hochzeit wurde ein großes Fest , mit Polterabendaufführungen und all der sinnigen Unruhe , die der Deutsche bei einem solchen Ereignis gerne erregt . Man schwelgte in Familiengefühl — die entferntesten Onkels , die bejahrtesten Tanten wurden eingeladen , waren sehr gerührt bei der Trauung und wärmten nachher in den Ecken mit spitzen Bemerkungen alte Familienzwistigkeiten wieder auf . Agathe mußte unter ihrem rosaseidenen Kleide die ganze stumme , hoffnungslose Qual verbergen , die ihr Herz seit Monaten folterte . Wie leicht wäre es Eugenie gewesen , die Bekanntschaft von Herrn von Lutz zu machen und ihm eine Einladung zum Polterabend zu verschaffen . Das wäre dann ein Fest für sie geworden . . . . Es war so unrecht von Eugenie — freilich — die dachte immer nur an sich . Sie würgte fortwährend an ihren Thränen , aber bei einer Hochzeit fiel das nicht weiter auf . Martin Greffinger war ihr Brautführer . Er hatte sich sehr verändert , seit sie ihn zuletzt gesehen . Nachdem er das juristische Studium aufgegeben hatte , war er ein halbes Jahr in England gewesen . Was er dort getrieben , wußte niemand . Um Lord Byrons Willen war er gewiß nicht hingereist . Die höhnische Falte um seinen Mund hatte sich noch vertieft . Schweifte sein Blick feindlich über die Hochzeitsgesellschaft , so richtete er ihn gleich wieder vor sich nieder — in eine Welt , die nur er selbst zu sehen schien . Trotz Agathes Aufforderung erzählte er nichts von seiner Reise ; was er drüben gethan und erlebt habe , interessiere sie ja doch nicht , sagte er . Auch versuchte er keine jener Neckereien , mit denen er sie sonst oft grausam zu quälen pflegte — bemühte sich sogar , freundlich gegen sie zu sein . Aber die Versuche versanken immer wieder in einer großen Gleichgültigkeit , die seine Haltung , jede seiner Bewegungen und vor allem seine Stimme beherrschte . So schleppte sich das Gespräch trübe und gezwungen , durch Pausen völligen Schweigens unterbrochen , während des langen Diners hin . Wie fremd sie sich geworden waren , die sich doch einst so lieb gehabt ! — — Alles ging während des ganzen Festtages glatt und gut von statten . Nur einmal hörte die Tischgesellschaft Frau Wutrow von der Küche her mit dem Lohndiener wegen des großen Weinverbrauchs zanken . Ihr Gesicht trug , als sie wieder hereinkam , vor Ärger fast die Farbe ihres rot und blau changierenden Seidenkleides . Aber , wie gesagt , mit Ausnahme dieses kleinen Zwischenfalls war es eine ideale Hochzeit . Die grüne Myrtenkrone saß Eugenie tadellos auf dem blonden Kopf , der Brautschleier fiel wohl zwei und einen halben Meter lang über die königliche Schleppe ; bei der Trauung hatte er auch ihr Antlitz verhüllt — das fand man so poetisch ! Sie war fast die Munterste unter ihren Gästen . Walter dagegen schien bewegt und still . Nach dem Diner nahm Eugenie ihren Kranz vom Haupt und setzte ihn Onkel Gustav auf . Die meisten fanden diesen Scherz sehr anstößig . Mit einem Myrtenkranze spaßt man nicht . Der dicke rosenrote Onkel sah außerordentlich komisch in dem unerwarteten Schmucke aus . Es war das einzige Mal , daß Greffinger in ein lautes Lachen verfiel . Eugenie blickte aus ihren Schleierfalten wie aus leichtem Gewölk zu ihm hinüber . Mit der rauschenden milchweißen Schleppe , das Champagnerglas in der Hand , ging sie um den Tisch und stieß mit ihm an . Ihre Lider waren gesenkt , und die goldigen Wimpern zitterten ein wenig , wie die eines Kindes , das um Verzeihung bitten