! Jane stand da wie eine Bildsäule ; das war zu viel ! Sie hatte sich herabgelassen zu warten , hatte die ganze Zeit gewartet und stand nun da , entschlossen , die Hand zur Versöhnung zu bieten , bereit , ein letztes Abschiedswort zu geben und zu empfangen , und diese unglaubliche Selbstüberwindung ward so aufgenommen ! Was wollte denn dieser Mann ? Verlangte er etwa gar , sie solle ihm Abbitte leisten ? Abbitte ! Bei dem bloßen Worte schon empörte sich das ganze Wesen der jungen Dame in Zorn und Entrüstung ; das war etwas , was sie nicht kannte . Miß Forest , die Alles so klar prüfte , so ruhig überlegte , sie kam nie in den Fall , eine Aufwallung bereuen oder einen Irrthum wieder gut machen zu müssen , weil sie sich niemals hinreißen ließ ; und selbst in ihren Kinderjahren war die Abbitte etwas , das ihr unmöglich schien . Sie trug jede Strafe , aber sie trotzte finster dabei , trotzte eher wochenlang , ehe das Wort „ Verzeihung “ von ihren Lippen kam , und Forest fühlte in dem Kinde viel zu sehr seine eigene Natur , um bei ihm etwas zu erzwingen , was er selbst als eine Erniedrigung empfand . Der Gedanke blitzte nur auf , um sofort mit Abscheu zurückgewiesen zu werden – er wollte kein Lebewohl , nun denn , so mochte er ohne dasselbe gehen , in ’ s Feld , in den Tod , wie er selbst meinte . Und was hatte ihn dazu getrieben ? Sie wußte es jetzt , die bittere Genugthuung , mit der er das Lossprechen vom „ Federhelden “ begrüßte , hatte es ihr verrathen . Das Wort hatte gewühlt und gewühlt in dem Manne , wochenlang ; es war der Stachel , der allein ihn trieb , als er etwas unternahm , dem seine Kraft nicht gewachsen war , und wenn er nun unterlag , wenn er zu Grunde ging an dieser Aufgabe , wer trug die Schuld ? Jane begann heftig im Zimmer auf und nieder zu gehen ; sie wollte den Gedanken von sich weisen , und doch kam er immer und immer wieder zurück . Sie hörte nur sein mit so düsterer Ergebung gesprochenes „ Ich habe Niemanden , ich stehe ganz allein in der Welt ! “ Sie preßte die Hand gegen die Brust , als habe jenes Weh dort ein Echo gefunden ; hätte sie ihm jetzt gegenüber gestanden , vielleicht – da bäumte sich der alte Trotz wieder in seiner ganzen Wildheit empor , und sie preßte die Hände ineinander und stampfte außer sich mit dem Fuße . „ Nein ! Und nein ! Und abermals nein ! “ Der Nachmittag verging reißend schnell mit der Besorgung all ’ des Nöthigen für die beiden Abreisenden , endlich war alles geordnet , gepackt , zugeschlossen , und mit der beginnenden Abenddämmerung stand Friedrich reisefertig vor dem Doctor und seiner Frau , um Abschied zu nehmen . Der arme Bursche sah sehr niedergeschlagen aus , um seinen breiten Mund zuckte es schmerzlich , mühsam schluckte er die aufquellenden Thränen hinunter und weder das schwere Geldpäckchen , das der Doctor ihm zusteckte , noch das Versprechen der Doctorin , auch im Felde nach Möglichkeit für ihn zu sorgen , vermochte ihn aufzuheitern . „ Schäme Dich , Friedrich ! “ schalt Stephan . „ Ist das eine Art in den Krieg zu gehen ? Mit solcher Jammermiene , mit nassen Augen ? Ich hätte Dir mehr Courage zugetraut . “ Friedrich sperrte die nassen Augen verwundert auf , es dauerte eine ganze Weile , ehe er den Vorwurf überhaupt begriff , dann aber machte auch die Niedergeschlagenheit sogleich der tiefsten Gekränktheit Platz . „ Meinen Sie etwa , Herr Doctor , daß ich mich fürchte ? “ rief er entrüstet . „ Mir ist es ja eine wahre Wonne , das Gewehr auf den Rücken zu nehmen und dreinzuschlagen , daß nur alles so kracht ! Aber mein armer Herr Professor ! dem kostet die Geschichte das Leben , noch ehe er vor den Feind kommt ! “ „ Nun , das ist doch noch nicht ausgemacht ! “ meinte der Doctor , während Frau Stephan , in vollster Uebereinstimmung mit Friedrich , ihr Taschentuch an die Augen drückte . „ Vielleicht hält er es besser aus , als wir alle denken . Ich sage es Dir noch einmal , er ist gar nicht so krank , als Du Dir einbildest , und wenigstens reißt ihn das Kriegsleben von dem Studiren los , was unter allen Umständen ein Glück ist . “ „ Er geht drauf ! “ beharrte Friedrich mit traurigem Kopfschütteln . „ Er geht ganz gewiß drauf ! Beim ersten Marsch liegt er im Lazareth , und wenn ich nicht bei ihm sein und ihn pflegen kann , so stirbt er auch . Und daran , “ hier brach die von Mr. Atkins so gefürchtete Bärennatur Friedrich ’ s in unbändiger Wildheit durch , „ darin sind auch nur die verdammten Franzosen schuld ! Mindestens ein Dutzend schlage ich todt dafür ! “ „ Nun , nun , warte nur wenigstens damit , bis Du in Frankreich bist ! “ rief der Doctor , vor der wüthenden Pantomime retirirend , „ übrigens wollen wir erst abwarten , ob Du den Manen Deines Herrn ein solches Todtenopfer zu halten brauchst . So viel ich weiß , hat er doch das ganze Freiwilligenjahr durchgemacht und ist am Leben geblieben . “ „ Das war vor zehn Jahren ! “ sagte Friedrich , noch immer hoffnungslos . „ Damals war er noch weit gesünder und kräftiger , und beim Manöver hat er auch im Lazareth gelegen . – Nun , es hilft einmal nichts ! Adieu , Herr Doctor , adieu , Frau Doctorin ! “ er streckte den Beiden treuherzig seine große Hand entgegen und die hellen Thränen liefen ihm trotz alles Wehrens und