Hand des jungen Mannes ergriff , die noch auf dem Gitter lag – , „ ich bitte Sie um Gotteswillen , lassen Sie das nicht so fortgehen ! es ist nicht gut , auch für Herrn Berkow nicht . Auf den anderen Werken giebt es ja jetzt auch überall Streit , aber wenn es bei uns einmal losbricht , dann gnade uns Gott , dann wird ’ s fürchterlich ! “ Arthur hatte während der ganzen Rede stumm vor sich hingesehen ; jetzt hob er das Auge und richtete einen langen finsteren Blick auf den Sprechenden . „ Ich werde mit meinem Vater sprechen , “ sagte er langsam . „ Verlassen Sie sich darauf , Hartmann ! “ Der Schichtmeister ließ die ergriffene Hand wieder fallen und trat zurück . Er hatte hier , wo er sein ganzes Herz ausgeschüttet , doch wohl eine andere Wirkung erwartet , als diese karge Verheißung . Arthur richtete sich empor und wandte sich zum Gehen . „ Noch Eines , Hartmann ! Ihr Sohn hat mir neulich das Leben gerettet , und es hat ihn wohl gekränkt , daß er kein Wort des Dankes darüber hörte . Ich lege wenig Werth auf das Leben überhaupt , möglich , daß ich deshalb den geleisteten Dienst zu gering anschlug , aber ich hätte das Versäumte nachgeholt , wenn “ – der junge Erbe zog die Augenbrauen zusammen , und seine Stimme gewann einen scharfen Klang – „ wenn Ihr Ulrich nicht eben Der wäre , der er ist . Ich habe keine Lust , meine Anerkennung vielleicht in derselben Weise zurückgewiesen zu sehen , wie dies neulich meinem Beauftragten gegenüber geschah . Für undankbar möchte ich trotzdem nicht gehalten werden ; sagen Sie ihm , ich lasse ihm danken , und wegen des Uebrigen werde ich mit meinem Vater Rücksprache nehmen . Leben Sie wohl ! “ Er schlug den Weg nach dem Parke ein . Der Schichtmeister sah ihm trübe nach , und ein schwerer Seufzer kam über seine Lippen , als er leise vor sich hin sagte : „ Gebe Gott , daß es etwas hilft – ich glaube es nicht ! “ [ 105 ] Drüben am Landhause wurde die herrschaftliche Equipage aus der Remise hervorgezogen und der Kutscher machte sich daran , die Pferde anzuschirren . „ Das ist ja etwas ganz Neues ! “ sagte er zu dem neben ihm stehenden Bedienten , der soeben den Befehl zum Anspannen überbracht hatte . „ Der Herr und die gnädige Frau fahren zusammen aus ? Den Tag müßte man roth im Kalender anstreichen ! “ Der Diener lachte . „ Ja , viel Vergnügen werden sie wohl nicht dabei haben , aber es geht nicht anders . Es sollen Gegenbesuche in der Stadt gemacht werden , bei den vornehmen Herrschaften , die neulich zum Diner hier waren , und da schickt es sich ja wohl nicht , daß Jedes allein vorfährt , sonst hätten sie es sicher gethan . “ „ Eine curiose Wirthschaft ! “ meinte der Kutscher kopfschüttelnd . „ Und das nennen sie nun verheirathet sein ! Gott bewahre Jeden vor solch einer Ehe ! “ Eine Viertelstunde später rollte der Wagen , in dem sich Arthur Berkow mit seiner Gemahlin befand , auf dem Wege hin , der nach der Stadt führte . Das Wetter , das heut Vormittag noch erträglich gewesen war , hatte sich bedeutend verschlechtert . Der ganze Himmel war dicht umzogen ; der Wind , fast zum Sturme geworden , jagte die grauen Wolken vor sich her , die von Zeit zu Zeit einen Regenschauer auf die mit Nässe schon überreichlich getränkte Erde herabsandten . Es war überhaupt ein rauhes , stürmisches Frühjahr , so recht geeignet , Städtern den Aufenthalt auf dem Lande gründlich zu verleiden . Obgleich man bereits im Mai stand , zeigten die kahlen , blätterlosen Bäume des Parkes doch kaum die ersten Knospen ; der scharfe Wind und die kalten Regengüsse zerstörten zur Verzweiflung des Berkow ’ schen Gärtners den ganzen Blumenflor , den er so mühsam auf Terrassen und Gartenbeeten schuf , und zerrissen und ertödteten erbarmungslos jede Blüthe , die sich etwa noch im Freien öffnete ; die grundlosen Wege , die nassen , verregneten Wälder machten jeden Ausflug , der überhaupt nur im geschlossenen Wagen möglich war , zu einem ebenso unangenehmen als zwecklosen Unternehmen . Tag für Tag fast Sturm und Regen , grau umzogener Himmel , nebelumflorte Berge , kaum hin und wieder ein matter Sonnenblick , und dazu eine öde , trostlose Häuslichkeit , wo kein Sonnenstrahl je die Nebel durchdrang , die sich dichter und dichter herabsenkten , wo jede Blüthe , die sich vielleicht aufthun wollte , erstarrte in der eisigen Atmosphäre des Hasses und der Bitterkeit , wo zwei Gatten das , was sonst Neuvermählte als das höchste Glück ersehnen , das ungestörte Zusammenleben , als eine Art von Folter empfanden , der ein Jedes so viel als möglich zu entfliehen strebte – es war wahrlich genug , um die tiefe Blässe auf dem Antlitz der jungen Frau zu erklären , den Schmerzenszug um den Mund , den keine Selbstbeherrschung mehr verwischen konnte , den düsteren schwermüthigen Blick , mit dem sie in die Regenlandschaft hinausschaute . Sie hatte ihrer Kraft doch wohl mehr zugetraut , als sie zu tragen im Stande war . Das Opfer war schnell gebracht im Aufflammen des Muthes und der Kindesliebe , aber die Stunden und Tage nach dem Opfer , dies thatenlose Erliegen unter dem selbsterwählten Geschick , das erst fordert den wahren Muth , die vollste Willenskraft in die Schranken , und wie viel Eugenie auch von beiden besitzen mochte , man sah es ihr doch an , wie schwer sie an diesem „ Nachher “ trug . Ihr Gatte , der in der anderen Ecke des Wagens lehnte , möglichst weit entfernt , so daß die Falten ihrer Seidenrobe kaum seinen Mantel berührten , schien nicht viel leichter an seinem Glücke