s Hand nach dem Hirschfänger an der Seite zuckte , aber er hätte nichts Schlimmeres thun können , als gerade dies . Der junge Mönch sah die Bewegung und im nächsten Moment hatte er sich auf den Grafen gestürzt , ihm mit einem einzigen kraftvollen Griffe die Waffe entrissen und ihn selbst zurückgeschleudert , so daß er gegen die nächsten Bäume taumelte . Jetzt aber wurde Ottfried ’ s Antlitz auch leichenhaft . Der Schimpf , der ihm soeben widerfahren , raubte ihm alle Besinnung , er riß die Büchse von der Schulter und legte an . Da auf einmal ward der Lauf des Gewehrs zur Seite geschlagen und sein Arm mit Gewalt zurückgehalten „ Bruno – Ottfried – auseinander ! “ tönte eine fremde Stimme , und der alte Graf Rhaneck trat zwischen sie . Der Graf war gleichfalls im Jagdanzuge , die laut streitenden Stimmen mochten ihn wohl herbeigezogen haben , er kam gerade im Moment , um ein Unglück zu verhüten . „ Auseinander , sage ich ! “ wiederholte er gebietend , aber noch bebte die Todesangst in seiner Stimme . „ Was ist vorgefallen ? Was gab es zwischen Euch ? “ Die beiden jungen Männer schwiegen , aber das Erscheinen Rhaneck ’ s wirkte sehr verschieden auf sie . Ottfried , gewohnt sich der Autorität des Vaters zu fügen , hatte die Büchse gesenkt und war gehorsam einige Schritte zurückgetreten , Benedict stand noch immer da wie ein gereizter Löwe , die Waffe in der hocherhobenen Hand , das Auge sprühend und zwischen seine Brauen grub sich tief die verhängnißvolle Falte . Nicht auf der des Majoratserben , auf seiner Stirn stand der finstere Familienzug des Rhaneck ’ schen Geschlechts , stand jetzt auch die ganze Härte und Grausamkeit desselben : so mußte der Graf , so der Prälat aussehen , im Momente der höchsten Erregung ; die eine Linie veränderte auf einmal den ganzen Charakter des Gesichts und zeichnete dort eine Aehnlichkeit , die sich sonst nie in der leisesten Spur verrieth . Auch Rhaneck sah sie und trotz Zorn und Angst glitt doch eine Secunde lang ein Ausdruck von Stolz und Zärtlichkeit über seine Züge , aber sie wurden sofort wieder ernst , als er sich dem noch immer trotzig Dastehenden näherte . „ Bruno , was soll die Waffe in Deiner Hand ? “ fragte er mit schwerer Betonung . Der junge Priester zuckte zusammen , er verstand die Mahnung , stumm blickte er wieder auf sein Ordensgewand und langsam entsank das Messer seinen Händen . „ Ihr waret im Streite ! “ begann der Graf von Neuem , „ was war die Veranlassung dazu , wer von Euch hat ihn angefangen ? “ Stumme Pause , keiner der Beiden regte sich . „ Bruno ! “ er wendete sich vorwurfsvoll an diesen , „ Du zum Mindesten hättest das bedenken sollen , was Du Deinem Stande schuldig bist . Ziemt dieser wilde Jähzorn dem geweihten Priester ? “ Benedict blickte finster auf . „ Legt mein Stand mir auch die Verpflichtung auf , zu dulden , daß Graf Ottfried ihn mir als eine Gnade seiner Familie vorwirft ? zu dulden , daß er mir die Bedientenstelle hinter seinem Stuhle zuweist ? “ Der Graf fuhr auf . „ Ottfried , das hast Du gewagt ? “ Ein Blick glühenden Zornes traf den Sohn , aber dieser hob jetzt auch trotzig das Haupt . „ Ich habe Herrn Pater Benedict an die Schranken erinnert , die er mir gegenüber vergessen hat ! “ „ Wenn Du wirklich diese Worte ausgesprochen hast , so wirst Du sie zurücknehmen und Bruno um Verzeihung bitten ! “ befahl der Graf mit einer Härte , die wenig Väterliches hatte . „ Mein Vater ! “ „ Ottfried , Du wirst ! “ „ Nun und nimmermehr ! “ rief Ottfried heftig und der Blick , den er dabei auf seinen Gegner schoß , war so voll Haß , daß der Graf einsah , er dürfe den Conflict nicht bis zum Aeußersten treiben . Er trat zu Benedict und legte die Hand auf dessen Arm . „ Ottfried ist jetzt zu gereizt , er wird sich besinnen und in einer ruhigen Stunde Dir die Abbitte leisten . Gieb Dich zufrieden , Bruno , ich sage Dir , es wird geschehen . “ Benedict zog kalt den Arm zurück . „ Herr Graf ich verzichte auf eine erzwungene Genugthuung ! Ich stand im Begriff , mir gegen eine Beleidigung selbst Recht zu schaffen , fremdem Einfluß mag ich es nicht danken . “ „ Fremdem ? Bruno ! “ Der Vorwurf klang beinahe schmerzlich , aber der Graf richtete nun einmal nichts aus mit dieser Milde seinem Schützlinge gegenüber , in dessen Auge lag wieder der alte Widerwille , die geheime Abneigung , mit der er jede Annäherung , jede Zärtlichkeit , die von dieser Seite kam , zurückwies . „ Ich muß jetzt wohl wünschen , Sie wären mir fremd geblieben mit Ihrer Gnade und Ihren Wohlthaten , Herr Graf ! “ sagte er hart . „ Ich habe diese Wohlthaten von jeher gehaßt : sie wurden mir aufgezwungen , als ich noch ein Kind war , und als ich zum Bewußtsein erwachte , hatte man bereits Sorge getragen , [ 88 ] daß mir jeder andere Lebensweg verschlossen blieb . Ich konnte und kann nichts von dem Empfangenen zurückzahlen , ich muß es zeitlebens als eine Schuld mit mir herumtragen , das ist auch eins von den gepriesenen Vorrechten meines Standes , der jede Selbstständigkeit vernichtet . Aber , “ hier brach eine heiße Bitterkeit mitten durch die erzwungene Ruhe , „ aber ich wollte , Sie hätten mich nicht der Sphäre entrissen , für die ich geboren ward , ich wollte , Sie hätten mich zum Bauer , zum Tagelöhner werden lassen , der im Schweiße seines Angesichts das saure Brod verdienen muß , es wäre besser gewesen und ich hätte es Ihnen mehr