die ihr von mir erhalten werdet , wird das weitere melden . « » Er reist in drei Wochen ! « seufzte der Doktor , hastig sein Glas hinuntergießend . Sechzehntes Kapitel Er hatte , wie man zu sagen pflegt , immer auf dem Sprunge gestanden , der kaiserlich brasilianische Oberst Dom Agostin Agonista , aber diesmal reiste er wirklich , und zwar auf die Stunde zum angegebenen Zeitpunkt , nämlich am Mittage des 23. Dezember . Man hatte ihn natürlich dringend von allen Seiten aufgefordert , wenigstens das Weihnachtsfest über noch zu bleiben , doch alles Bitten und Zureden war vergeblich geblieben . » Quält mich nicht länger « , hatte er gesagt , » ich kenne meine Natur und weiß , was ihr gut ist . Diese liebe Feier im gemütvollen Vaterlande , dieses holde Fest im sinnigen , gefühlvollen Deutschland würde mich zu weich stimmen , und es ist unbedingt notwendig , daß ich mich , einige Zeit noch , ein wenig härtlich halte . Ich bin das nicht nur mir , sondern auch meinen guten braven Freunden in der Apotheke schuldig . Meine Verpflichtungen erfordern es , was mein Herz auch dagegen zu sagen haben mag . « Damit verschwand er , verschwand spurlos , als jedermann bereit stand , ihm noch einmal die Hand zu drücken und sich ihm zu empfehlen . Der Abschied war so eigentümlich wie alles andere , was die Ankunft und den Aufenthalt des Mannes am Orte begleitet hatte . Sie kamen alle zu spät dazu : Herr Philipp aus seinem Laboratorium , Fräulein Dorette aus der Küche , der Doktor Hanff von seinem nächstliegenden Patienten . Der Oberst hatte den Wagen an die Hintertür bestellt , war einfach eingestiegen und abgefahren ; sein Gepäck hatte er vorausgeschickt , und die Gegend – sah ihm nach . Die aus der Apotheke sagten nichts , sondern seufzten , der Doktor schlug sich vor die Stirn und rief ein wenig ärgerlich und enttäuscht : » Ich hätte ihm doch gern noch ein Wort über meine Projekte gesagt ! Man bringt einem doch nicht so um nichts und gar nichts die Gedanken in Unordnung und das Blut in Wallung – Donnerwetter , dieses Brasilien ! « Die übrigen Freunde und Bekannten kamen nach und nach verwundert und erstaunt an das Fenster der Offizin . » Er wollte vielleicht alles unnötige Aufsehen vermeiden « , sagte Fräulein Dorette Kristeller kurz und tonlos . Ihr Bruder war selbst für den Pastor und für den Förster nicht zu sprechen . Der Apotheker › Zum wilden Mann ‹ fühlte sich durch die Trennung von seinem Jugendfreunde sehr angegriffen und wünschte , einige Tage ganz sich selber überlassen zu bleiben . Die guten Bekannten begriffen das wohl und ließen das Geschwisterpaar in der Tat über das Fest allein . Über das Fest allein ! – – – – – – – – Da sitzen wir wieder unter den Bildern des Hinterstübchens der Apotheke › Zum wilden Mann ‹ , und es ist der Abend des vierundzwanzigsten Dezembers . Ein trübes Talglicht in einem schlechten Messingleuchter , den Fräulein Dorette mit sich ins Zimmer brachte , brennt auf dem Tische . Der alte Herr saß im Dunkel , bis die alte Schwester dieses Licht brachte – im trüben Scheine desselben sitzt er in dem Ehrensessel , und die alte Schwester hat sich ihm gegenüber niedergelassen . Sie sehen beide abgemattet-sorgenvoll aus ; sie feiern beide eine betrübte Weihnacht . Nach einem langen Schweigen sagte Fräulein Dorette : » Plagmann aus Borgfelde will die Kühe gleich nach dem Feste abholen . « Sie sagte das mit einem tiefen Seufzer ; denn Bleß und Muhtz waren ihre Herzensfreude und ihr Stolz , und sie mußte sich von beiden trennen . Ihr Bruder nickte bloß und sprach nach einer Pause seinerseits : » Ich meine , so ungefähr am fünfzehnten Januar würde die beste Zeit für die Auktion sein . « Und die Schwester nickte auch und stöhnte : » Ja , ja , mir ist ' s recht ! Mir ist alles recht ! o Gott ! « Nun versuchte der alte Herr , um doch etwas für das Fest zu tun , wieder einmal heiter und ruhig auszusehen und rief : » Courage , Alte ! Wer wird so den Kopf hängen lassen ? Du sollst jetzt einmal zu deinem Erstaunen gewahr werden , mit wie vielerlei unnützem Gerümpel wir uns allgemach auf unserm Lebenswege bepackeselt hatten . Daß wir die Landwirtschaft – die Sorge und den Verdruß um Wiese und Feld los werden , ist im Grunde auch nicht so übel und jedenfalls nicht das Schlimmste . Offen gestanden , meine Knochen leisteten zuletzt doch nicht mehr das , was sie früher mit Lust taten . « Der Trost war wohlgemeint , aber er half wenig . Plötzlich brach die Schwester in ein helles , krampfhaftes Schluchzen aus : » O grundgütiger Heiland , es wäre mir ja alles , alles recht , es kommt nur so sehr spät ! Bruder , es kommt zu spät , dieses Elend ! – Wäre dieser – Mann um zwanzig Jahre früher gekommen , so würde ich ja mit Freuden mit deinem Kopfkissen meine Bettdecke hingegeben haben ; aber wahrhaftig , jetzt ist es für uns zu spät im Leben geworden ! Die Hypothek , die auf dem Hause liegt , liegt auch auf mir wie ein Berg ! Und dazu keinen – keinen Menschen , dem man seinen Kummer klagen kann , klagen darf – ja klagen darf ! « » Nein « , rief Herr Philipp Kristeller , allen Nachdruck seiner Seele in das Wort werfend , » nein , was wir hier tragen , das tragen wir für uns allein ! Fremde Nasen dürfen wir gewiß nicht in unser jetziges Dasein hineinriechen lassen , Dorothea ! Es wäre nicht zu rechtfertigen gegen den Freund – meinen Freund – meinen Freund vom Blutstuhle ! Ach , fasse nur Mut , liebe