vorgezeichnet wurde , und erhielt es mit Randbemerkungen und Einlagen der Gesandtschaft zurück . Seht hier , was ich in Form eines zufällig stecken gebliebenen Buchzeichens zwischen den Blättern fand ! « – Er entfaltete einen schmalen Papierstreifen , auf dem eine Reihe von Namen zürcherischer Standespersonen verzeichnet stand mit beigesetzten höhern und niedrigern Zahlen , neben welchen das verräterische Livreszeichen unverkennbar zu lesen war . Das Ganze stellte freilich eine nur unbedeutende Summe dar . Diesmal konnte sich Jenatsch eines herzlichen Lachens nicht enthalten . » Das gesteh ich ! Eine großartige Bestechung ! « spottete er . » Wer konnte das ahnen ! Aber gerade daß sie dieses Taschengeld so verschämt und vorsichtig einstecken , das dürfen wir als einen ganz anständigen Rest von Tugend nicht unterschätzen . Unsre Salis und Planta nehmen ausländisches Gold mit edler Unbefangenheit am hellen Tage , auch sind es ganz andere Summen . « Während Wertmüller noch die Papiere seiner überfüllten Brieftasche musterte , durchlief Jenatsch mit einiger Spannung die unrühmliche Liste , auf welcher er zu seiner Befriedigung den Namen Waser nicht fand . Jetzt zerriß er sie plötzlich in kleine Stücke . Erst als die weißen Fetzen schon fern auf der von der Abendbrise bewegten Flut schwebten , ward Wertmüller seinen Verlust gewahr und hielt mit Mühe einen Ausbruch seines Ärgers zurück . Jenatsch erklärte ihm ruhig , er habe als Freund sein Bestes wahrgenommen , dies Papier würde ihm und andern nichts als Verdruß gebracht haben . Zürich sei seine Wiege und Sohnespflicht sei ' s , die kleinen Schwächen einer treuen Mutter zu verheimlichen . » Was mich abhielt , Euch auf die Finger zu sehen , Hauptmann , war dieser Brief « , sagte der Locotenent . » Er ist noch uneröffnet , wie ich gewahre , und steckt schon seit drei Tagen in meiner Brieftasche . Ich habe wahrhaftig vergessen , ihn zu lesen . Er kommt von meinem Vetter , der in Malland trotz seines Protestantismus als Handelsherr gute Geschäfte macht und beim Gubernatore Serbelloni in Gunsten steht . Gestattet mir , in Eurer Gegenwart von dem Inhalte des Schreibens Kenntnis zu nehmen . « Jenatsch winkte bejahend und Wertmüller vertiefte sich eine geraume Weile in den Brief , erst um sich Haltung zu geben , denn das eigenmächtige Tun des Hauptmanns hatte ihn beleidigt , nach und nach mit immer größerem Interesse . » Eine gloriose Geschichte ! Beim Jupiter , eine alte Römerin ! « rief er endlich aus . » Ich kann Euch das nicht vorenthalten , obgleich Ihr eben , Hauptmann , mein kameradschaftliches Vertrauen hinterlistig mißbraucht habt ! Um so weniger da Euch das Ereignis sozusagen persönlich angeht , denn die Hauptrolle hat eine Bündnerin ! Mit den Worten dieser Krämerseele – ich meine den Briefsteller , meinen langweiligen Vetter – mag ich es Euch freilich nicht mitteilen , es wäre schade darum ! Erlaubt mir , Euch die seltene Historie frei vorzutragen . Also : In Mailand lebt , wie Euch nicht unbekannt sein wird , Euer alter bissiger Herr Rudolf , der Planta von Zernetz mit seinem gleichnamigen , die brave Bärentatze mit Unehren im Wappen führenden Sohne in den ärmlichsten Umständen . Jener intrigiert und speist bei dem Gubernatore und dieser treibt sich mit dessen Neffen in den eines weiten Rufs genießenden Spielhäusern und Spelunken der Stadt herum . Die zwei jungen Gesellen sind von der gleichen Gemütsart , und während der alte Planta vom Oheim mit politischen Hoffnungen kärglich genährt wird , erhält der junge vom Neffen , dem ein Gefährte seiner Tollheit erwünscht und ein waffenkundiger Gehilfe seiner nicht über jeden Zweifel erhabenen Tapferkeit unentbehrlich ist , reichliche Mittel zum ausgiebigen Genusse der Gegenwart . Dafür wollte sich der Knabe Rudolf dankbar erweisen , und da es ihm an Herz und Geist fehlt , um seinem freigebigen Freunde einen ehrenvollen und guten Dienst zu leisten , verfiel er auf einen schlechten und schimpflichen . Bei dem alten Planta , der einen verfallenen Palast im einsamsten Stadtquartiere bewohnt , hatte eine verwaiste Nichte , ich weiß nicht von welcher geächteten Seitenlinie des Hauses , Zuflucht gefunden . Dies Mädchen , eine seltene Schönheit , soll auf einen großen Besitz in Bünden gerechten , aber unter den gegenwärtigen politischen Umständen unsichern Anspruch haben , und wurde um dieser Aussicht willen von dem alten Rudolf seinem Sohne zur Frau bestimmt . Lucretia jedoch ist edlen Sinnes und verschmäht den nichtswürdigen und unnützen Gesellen . Nun mag Rudolf , um auf einen Wurf seinen Groll zu kühlen und seine Schuld abzutragen , mit dem jungen Serbelloni , dem die nur in der Kirche sichtbare bündnerische Schönheit als das höchste Gut erschien , einen niederträchtigen Handel abgeschlossen haben . Genug , in einer Nacht , da der alte Rudolf beim Gubernatore , der junge im Spielhaus sitzt und Lucretia mit einer bejahrten lombardischen Dienerin in dem öden Hause allein ist , hört sie verdächtiges Geräusch im Nebengemache . Diebe vermutend , ergreift sie das erste beste Messer und tritt in ihre vom Monde nur schwach erhellte Kammer . Da drückt sich eine dunkle Gestalt in den Schatten . Lucretia schreitet auf sie zu und ruft sie an . Der junge Serbelloni tritt ihr entgegen , stürzt ihr zu Füßen und umfängt ihre Kniee mit den glühendsten Liebesbeteurungen . Sie nennt ihn einen Nichtswürdigen und behandelt ihn mit so kalter Verachtung , daß sein Flehen sich jäh in Drohung verwandelt und er ihr sagt , sie sei in seiner Gewalt , die Türen seien bewacht . Doch Lucretia , von stattlicher Gestalt und hohem Gemüt , hält den Emporspringenden mit der Linken kraftvoll nieder und stößt ihm mit der Rechten von oben das Messer in die Brust . Er schwankt und schreit nach seinen Knechten . Jetzt stürzt die bestochene Kammervettel , die an der Tür gehorcht hatte , mit Jammergeschrei ins Gemach und schreckt mit ihrem mörderlichen Hilferufen die Nachbarschaft aus dem Schlafe . Die gewaltsame Entführung ist vereitelt ,