, veränderter Stimme ... › Aufruhr und Empörung gegen deine Ahnen und dich – christliche Könige . – Hier erkenne ich den Willen Gottes . – Ob er mir aber die in meine Klöster geflüchteten Sachsen ihren Peinigern , deinen Baronen , auszuliefern gebietet , das frag ich mich und zweifle ! ‹ Jetzt erkannte Herr Heinrich deutlich , daß der Primas ihm die geistliche Gerichtsbarkeit nicht zurückgeben wolle und seinen heiligen Spott mit ihm trieb . › Ich bin ein Betrogener ! ‹ schrie er und sprang von seinem Sitze empor . In diesem Augenblicke begannen die im Burghofe harrenden Sachsen , vielleicht um ihre Besorgnis für den Primas zu beschwichtigen , eine neue Litanei . Sie sangen das siegesgewisse › Vexilla Dei prodeunt . ‹ Da stürzte der schon gereizte Herr Heinrich ans Fenster und blickte hinunter . › Thomas ‹ , gebot er , › heiße die Schächer schweigen , die du hinter deinen Fersen nachziehst . Das Geheul deiner verhungerten Meute ist mir widerlich . ‹ Herr Thomas regte sich nicht . › Mag auch ein Bischof den Armen und Mühseligen verbieten , dem Kreuze zu folgen ? ‹ fragte er demütig . Da geriet der König in bleiche Wut . › Du wiegelst mir die Sachsen auf , Rebell ! Verräter ! ‹ schrie er und tat einen Schritt gegen den Primas . Seine blauen Augen quollen aus den Höhlen und er griff mit den nervigen Händen in die Luft , als wolle er den ruhig vor ihm Stehenden erwürgen . Da öffnete sich eine Türe . Frau Ellenor stürzte herein und warf sich , in Tränen aufgelöst , dem Primas zu Füßen . › Ich bin die größte der Sünderinnen ! ‹ schluchzte sie , › und nicht wert , den Staub von deinen Sandalen wegzuküssen , du heiliger Mann ! ‹ Herr Thomas neigte sich zu ihr und beschwichtigte sie mit milden Worten . Dieses Schauspiel gab meinem Herrn die verlorene Fassung wieder . Er betrachtete sein zu den Füßen des Bischofs liegendes Weib eine geraume Weile . Dann zuckte er die Achseln , schlug eine Lache auf , wandte den Rücken und verließ die Halle . X X An jenem Tage verwundete ein Giftpfeil das Herz König Heinrichs . Erst war der Stich nur klein und mitunter schien es , als wolle er heilen . Aber in der Tiefe eiterte er fort und fraß immer schmerzhafter ins Fleisch , bis zuletzt von diesem einzigen Punkte aus Herrn Heinrichs ganzes Wesen untergraben und sein Königsleben zerstört wurde . Schnell zwar kam das Verderben nicht über ihn , denn meines Königs starke , freudige Natur leistete ihm Widerstand . Im Drange der Geschäfte , im Wetten und Wagen des Lebens verbiß und vergaß er wohl auch seinen Groll . Zu Nacht aber fuhr er , kaum eingeschlummert , aus unruhigen Träumen empor , sprang von seinem Lager und stellte , rastlos in der Kammer auf und nieder schreitend , den undankbaren Liebling , der ihn als nächtliche Scheingestalt heimgesucht und erschreckt hatte , zur Rede , bald beleidigt und drohend , bald aber auch liebreich mit kosenden Worten . Er hielt ihm alle Beispiele des Undankes vor , deren er sich aus biblischer und weltlicher Historie entsann , und überwies ihn , der seinige sei der größeste . Keines Menschen Mund schildert , was mein König litt . Anwesend und abwesend verfolgte ihn Herr Thomas gleicherweise . Stand der Primas leiblich als ein stiller Dulder vor dem Könige , so ergrimmte dieser über den erbarmungswürdigen Anblick ; hielt sich Herr Thomas abseits vom königlichen Angesichte im Frieden seiner bischöflichen Wohnung , so zürnte und klagte Herr Heinrich um so herzzerreißender , daß sein Vertrautester , früher die Seele seiner Ratschläge , der ihn kenne wie keiner , sein Herz verrate , sich von ihm entferne und sondere die Schärfe einer übermenschlichen Klugheit gegen ihn wendend . Und doch ließ es der Primas nicht fehlen an versöhnlichen Worten und unterwürfigem Entgegenkommen . Dann fuhr der König zu und faßte hastig die bedingungsweise gebotene Hand , welche der über dies triumphierende Zugreifen Erschrockene schon wieder erkältet zurückzog . Ebensogut hätte mein König eine Wolke umarmt , als seinen ehemaligen Kanzler , diesen schlanken , schmeidigen Aal festgehalten . Aber auch wenn der Primas über einen streitigen Punkt ein wahres und wirkliches Zugeständnis machen wollte , durfte es nicht gelingen . Entweder stieß er auf der Fahrt nach Windsor mit einem weltentfremdeten Einsiedler zusammen , der gerade jenes Tages aus seiner Höhle kriechen mußte , um den übertreuen Bischof zu beschwören , die Rechte Gottes und der Armen , seiner Kinder , nicht dem Fürsten der Welt preiszugeben . Oder es vertrat ihm , wenige Schritte vor der königlichen Schwelle ein verzückter Mönch , das Kreuz in der Faust , den Weg und trieb mit schwärmerischen Worten den Demütigen nach Canterbury zurück . Wollt Ihr die Wahrheit erfahren ? Eine vermittelnde Formel , welche die englische Königsmacht und die Rechte der barmherzigen Kirche zu gleichen Teilen geschont und gesichert hätte , wäre schon vorhanden und der Klugheit des Kanzlers erfindlich gewesen , wie ich meine . War doch der König nicht unmenschlich und Thomas kein erhitzter Eiferer ! Aber die Herzen der beiden Herren kannten sich nicht mehr , und wann sie den letzten Schritt zueinander tun wollten , trat das Gespenst ihrer gestorbenen Liebe als blasse Feindschaft zwischen sie . Dann sei nicht vergessen , daß Frau Ellenor jetzt als ein züchtiges Eheweib nicht mehr von meinem Herrn wich und ihm seit ihrer Bekehrung Tag und Nacht in den Ohren lag , den Heiligen Gottes nicht zu beleidigen , womit sie den König erboste und verhärtete . Gehetzt und gezischelt , Glut gelegt und ins Feuer geblasen wurde gleichfalls nach Hofgebrauch . Der normännische Adel insgesamt hatte seinen Haß und Abscheu geworfen auf den gottseligen Rebellen , der den entlaufenen Hörigen der eroberten Güter die unerstürmbare Zuflucht seiner Klöster öffnete . Täglich und stündlich wurde dem