, die brauche man ja nicht zu sehen . Aber mit dem Amtmann , dem Faulpelz , dem Schlecker , dem Besserwisser , da gäb ' s Krieg , das wolle sie nur gleich von vornherein sagen – und wenn sie seine Kuh mit Butterbrot und die paar abgelebten Hühner mit Eierkuchen füttere , er habe doch zu nörgeln , das wisse sie ... Und die Magd in ihrem abgetakelten Stadtfähnchen und mit dem städtischen Getue passe auch nicht aufs Gut , wo im groben Bauernrock und ohne Scheuleder gearbeitet würde . Das besondere Ding mache nur das Gesinde aufstutzig , und ihr sei sie geradezu unleidlich ; und wie der Zufall diese Abneigung auch noch begründen half , das sollte der Gutsherr heute in überzeugender Weise erfahren . Er hatte einen umfangreichen Bericht seines Buchhalters erhalten und war genötigt , verschiedene dringliche Punkte sofort zu erledigen . Deshalb saß er schon seit Stunden am Schreibtisch im Erker , so angestrengt arbeitend , daß er der Außenwelt vollkommen entrückt war . Von der Pachterfamilie war heute noch niemand heraufgekommen . Er hatte das durch eine Magd gebrachte Mittagessen allein eingenommen , und nach ihrem Weggang war das Kritzeln seiner Feder das einzige Geräusch gewesen , das die tiefe Stille des Erkerzimmers unterbrochen . Nun aber wurde die Tür entschlossen geöffnet , und Frau Griebels Lederschuhe knarrten – sie brachte wie immer den Nachmittagskaffee eigenhändig . » ' s ist wahr , ein hübsch kühles Eckchen ist unser Gutshaus doch ! « sagte sie , nachdem ihr Herr Markus von seinem Platze aus begrüßend die Hand gereicht hatte . » Draußen ist ' s schwül , Herr Markus , kochheiß wie in einem Backofen . « Sie fuhr sich mit dem kühlen Schürzenzipfel über Gesicht und Hals . » Ich war heute schon mit meiner Luise in den Morcheln , und einen Korb voll Erdbeeren haben wir auch zusammengelesen . Um vier Uhr in der Frühe sind wir schon aus den Federn und haben uns auf den Weg gemacht ; wir müssen gar weit laufen – bei uns gibt ' s keine Morcheln . Aber drüben im Grafenholz , da schießen sie massenhaft – ich sage Ihnen , Kerle , halb so groß wie meine Faust – aus der Erde ; da wachsen sie auf den alten Meilerstätten ... Ja , wär ' das nicht , da brächten mich nicht zehn Pferde in das Grafenholz . Ich kann den Forstwärter dort nicht leiden ; der tut gerade so dick und protzig wie die auf dem Vorwerk . Und dabei muß ich Ihnen nur gleich sagen , daß ich für künftig mit der fremden Magd bei Amtmanns nicht unter einem Dache Hause – das geht ein für allemal nicht , schon meiner Luise wegen , wenn die in den Ferien kommt . Ich habe heute mein blaues Wunder gesehen ! Ja , was meinen Sie denn – kommt uns doch das Mädchen in aller Frühe , sage halb fünf , aus dem Forstwärterhaus entgegen – hui , was Ihnen für ' ne Feuerfahne übers Gesicht fährt ! Ja , nicht wahr , ins Herz hinein muß man sich schämen , wie es die Frauenzimmer heutzutage treiben ? « Sie stellte ihm die gefüllte Tasse neben seine Schreibereien auf den Tisch . » So , nun wissen Sie den Skandal und dürfen sich nicht wundern , wenn die Griebel auch mal ihren Kopf aufsetzt ... Müssen Amtmanns durchaus noch ein Dienstmädchen haben , dann will ich schon für ein braves sorgen ; die jetzige aber kommt mir nicht herein . Sie werden gewiß ein Einsehen haben und das nicht verlangen , Herr Markus ! Bei Griebels stehen Zucht und Ehrbarkeit allzeit obenan ... Und nun lassen Sie Ihren Kaffee nicht kalt werden , und schreiben Sie sich nicht krank – Ihr Kopf glüht ja wie eine Feueresse ! « Kaum war die Tür hinter ihr zugefallen , als Herr Markus aufsprang , wie wenn er gewaltsam Fesseln zerrisse , die ihn auf seinem Platz im Erker festgehalten . Die gute Griebel war ein Klatschmaul , wie andere alte Weiber auch ; er hatte Mühe gehabt , sie nicht bei den Schultern zu nehmen und empört zu schütteln ... Es ließ sich ja nicht leugnen , die Verlästerte tat besonders und strebte in Sein und Wesen weit über ihren Stand hinaus , und das machte es nur zu begreiflich , daß sie angefeindet wurde ; aber ihr Wandel war rein , und mochte sie zu allen Stunden aus dem Waldhüterhaus kommen ! – Ihm verursachte es nur stets eine Art von schmerzhaftem Schrecken , wenn vor seinen Ohren das Mädchen in Verbindung mit dem Grünrock genannt wurde ... Und jetzt ging ihm ein grelles Licht auf – sein Samariterwerk , wie Pachter Griebel sein Vorhaben nannte , nahm einen ganz anderen Verlauf , als er gemeint hatte . Wohl konnte er sich mit gutem Gewissen sagen , daß er von Anfang an beabsichtigt hatte , das Vermächtnis seiner Tante möglichst günstig für die Betreffenden in Kraft treten zu lassen ; aber sein schleuniges , fast überstürztes Handeln war nicht dem edelsten Motiv entsprungen – er hatte dem Grünrock den Humanitätsnimbus nicht gegönnt , er hatte ihm zuvorkommen wollen , und damit das Gegenteil von dem erreicht , was er im glühenden Eifer angestrebt . Die aufopferungsvolle Fürsorge des Mädchens wurde durch seine Anordnungen der Herrschaft nunmehr entbehrlich , und da konnte ja schleunigst Hochzeit gemacht werden ... Frau Griebel hatte recht , sein Kopf glühte und das Blut hämmerte ihm fieberhaft in den Schläfen . Er durchmaß unausgesetzt das Zimmer – und da wurde er sich plötzlich vollkommen klar über das , was in ihm vorging ... Wie , war es nicht , als sehe der Herr Oberforstmeister mit höhnischem Lächeln auf den » Schlosserssohn « nieder , in welchem das Arbeiterblut mit richtigem Instinkt » gleich und gleich « erstrebte ? Es wallte auf für eine , die das Brot der Dienstbarkeit aß