den Garten und ein Stückchen in den Wald gehen . « 130 Und andern Tags öffnete Trudchen die Fenster der Logierstube und rüstete dort alles aufs beste . Festlich gedeckt stand die Tafel im Saal und Franz fuhr mit der neuen Equipage nach der Stadt , um den Amtsrichter vom Bahnhofe abzuholen . Sie freute sich ihn kennenzulernen , Franz hatte ihr so viel erzählen müssen von dem Freunde . Sie hatte sich königlich amüsiert über die drollige Personalbeschreibung , daß er in den Gesellschaften mitunter nicht so recht vom Flecke komme und in der Absicht , ein Kompliment zu sagen , häufig eine wunderbare Grobheit herausbringe , zu seinem eigenen Erstaunen . Sie wollte sich ganz besonders für diese » Seele « von einem Menschen , wie Franz ihn nannte , putzen . Sie steckte eine Spitzenrosette ins Haar ; das hatte Franz gern , es sah so frauenhaft aus , beinahe wie ein Häubchen . Als sie mit dem graziösen Attribut ihrer jungen Würde an den Toilettentisch trat , um in den Spiegel zu schauen , sah sie dort einen Maiblumenstrauß , und um seinen Stiel gewunden ein Zettelchen . » Von ihm , von Franz « , flüsterte sie und wurde rot vor Freude . Er hatte ihr so lächelnd » Adieu ! « gesagt . Eilig wickelte sie das Papier von den Blumen und las : » Ich hab ' Dich › namenlos ‹ geliebt ! Was schaust Du mich verwundert an ? Und warum fragst Du schier betrübt , Wieso ich dieses Wort ersann ? 131 Weil lieben schon so herrlich sei , Daß es des Beiworts nicht bedürfe ? Es wär ' , als ob man in dem Mai Noch mit gemachten Blüten würfe ? Du hast wohl recht ; doch gib die Hand Und hör , wie mir die Worte kamen , Als mir Dein Blick ins Herz gebrannt , Da kannt ' ich längst nicht Deinen Namen . Ich sah nur Deiner Augen Paar , So süß wie ich sie heute kenne . Und wußt ' es gleich , daß Dein ich war , Und wußte nicht , wie ich Dich nenne , Noch wo Dein Haus , und wer die Deinen , Und wer davon mir Kunde gibt ! Will Dir das Wort so recht erscheinen ? Ich hab ' Dich › namenlos ‹ geliebt ! « » So redet er sich heraus « , flüsterte sie mit seligen Blicken und drückte das Papier an die Lippen . » Ja freilich , das ist richtig › namenlos ‹ ! « – Es war ja ihr Lieblingsgespräch , daß sie sich schon gern gehabt hatten , ehe sie wußten : woher , wohin ? Sie war doch eine sehr glückliche Frau , eine zu glückliche Frau ! Und sie steckte die Maiblumen an die Brust , den kleinen Zettel in die Tasche , nahm den Schlüsselkorb und ging noch einmal im Speisezimmer musternd um die Tafel . Und weil sie weiter nichts vorhatte im Moment , klopfte sie an Tante Rosas Tür , die nur durch einen schmalen Flur vom Saale getrennt war . 132 Die alte Dame saß am Fenster und machte Rosen . Es sollte eine Hochzeit im Dorfe sein um Pfingsten . Ihr gegenüber hatte ein kleiner Herr Platz genommen , der jetzt die eintretende junge Frau mit einer tiefen Verbeugung begrüßte . » Bitte tausendmal um Entschuldigung , gnädige Frau – ich wollte Ihren Gemahl sprechen – höre , daß er ausgefahren ist , da hat mir das Fräulein gestattet , hier zu warten . « » Was sagt er , Frau Gertrud ? « fragte die alte Dame , ihr die Hand reichend , » ich habe ihm gar nichts erlaubt ; er kam herein – und da ist er . « » Mein Name ist › Wolff ‹ , gnädige Frau « , stellte sich der Agent vor . » Müssen Sie meinen Mann heute notwendig sprechen ? Wir haben Besuch zu Mittag , es paßt sich schlecht . Kann ich es nicht ausrichten ? « erkundigte sich Trudchen . » O nein ! nein ! « wehrte er entschieden ab mit neuen Verbeugungen . » Ich muß Herrn Linden selbst sprechen , kann aber wiederkommen , ' s ist ja nicht so umständlich , bin früher täglich den Weg gegangen . Ich empfehle mich , wünsche den Damen › Guten Morgen ! ‹ « » Was er nur gewollt hat , Tantchen ? « forschte die junge Frau , als er gegangen war . » Nun , was er bei mir wollte , kann ich Ihnen sagen – ausfragen wollt ' er mich . Am liebsten hätte er durch die Schlüssellöcher geguckt , um zu 133 wissen , wie es aussieht bei euch drüben . Aber setzen Sie sich doch , junges Frauchen . « Die beiden verstanden sich ganz gut . Zuweilen trank die alte Dame bei Trudchen Kaffee , und dann mußte sie viele Fragen beantworten . Ganz zufällig war es da herausgekommen , daß sie eine Schulkameradin von Trudchens Großmutter gewesen war , aus der engen Gasse . Bisweilen gingen sie auch zusammen spazieren , und Trudchen lernte die Dorfleute kennen , erfuhr , wo es Arme gab , und ein wenig von der Chronik des Ortes . Tante Rosa zeichnete in etwas schroffen Strichen , es gefiel ihr nicht leicht jemand , dafür war aber Linden nächst einer jungen Nichte ihr Abgott . » Er ist so anständig « , pflegte sie ihn zu loben , » er ist so galant , auch gegen die Alten . « Und Trudchen vergalt ihr dies Kompliment und erklärte , sie könne sich das Haus gar nicht ohne Tante Rosa denken . Heute litt es die junge Frau nicht lange in dem Rosenstübchen . Es war sonderbar , sie ängstete sich um ihren Mann . Wenn ihm nur nichts mit den neuen Pferden passiert , dachte sie und trat auf die Veranda . In