drohten : » Na wart , du Bösewicht , im nächsten Jahre gibt ' s nichts ! « Eberhardt half getreulich mit , sein Lachen über die drolligen Danksagungen der Kinder tönt mir noch in den Ohren . Endlich verließ uns die jubelnde Schar , und es wurde wieder Ruhe . » Das war eine Arbeit ! « stöhnte der Baron . » Gut , daß es vorbei ist . « Frau v. Bendeleben hatte schon wieder die Schlüssel in der Hand , und heute mußte selbst Hanna ihren Heinrich auf ein » Wiedersehen bei Tische « vertrösten . Es ging hinunter in die große , gewölbte Speisekammer . Dort wurden die Stollen für die Dienerschaft mit Namen versehen , Äpfel und Nüsse abgezählt , eine Tonne Bier für die Feiertage mit einem großen Kreidestrich bezeichnet , Kisten mit feinem Gebäck und Konfitüren für den Weihnachtstisch ausgepackt und große Portionen Schweinefleisch und Sauerkraut für das morgige Festessen in der Gesindestube ausgegeben . Dann wurde bestimmt , wer die Postsachen morgen zu holen habe , wer Weihnachtsabend und Weihnachtsmorgen zur Kirche gehen solle , und die Leute tummelten sich noch einmal so flink wie sonst . Endlich war alles geordnet , und der Heilige Abend , das wunderschöne Fest für groß und klein , kam im blendendweißen Gewande . Es war kalt und der Schnee glitzerte und blitzte in der Sonne auf den Dächern und Wegen . Die liebe Jugend mit ihren rohgezimmerten Schlitten machte Weg und Steg so glatt , wie ein Parkett im Schlosse , und die warmen , neuen Pelzhandschuhe , die sie gestern abend bekommen , leisteten die vortrefflichsten Dienste beim Aufbau des großen Schneemannes . Im Saale wirtschaftete Frau v. Bendeleben bei verschlossenen Türen . Hanna und ich hatten unsere Geschenke in zierliche Körbe gepackt , um sie noch rasch auf den Weihnachtstisch legen zu können . Dann waren wir im Stalle gewesen und hatten unsere Pferde mit Zucker gefüttert , und nach dem Kaffee sagte Frau v. Bendeleben : » So , nun habt ihr nur noch die Gaben an die alte Werner und den alten Thomas und Lange zu tragen . Ich denke , das laßt ihr euch auch in diesem Jahre nicht nehmen . Johann trägt die Körbe , und du , Gretchen , gehst wohl auch einen Augenblick zur Kathrin , und wenn ihr dann noch die Kirche besucht , so kommt ihr hier gerade recht zur Einbescherung . Heinrich und Wilhelm , ihr braucht wohl nicht erst darum gebeten zu werden , die Mädchen zu begleiten « , wendete sie sich an die beiden jungen Offiziere , die nur zu gern bereit waren . Es dunkelte bereits , als wir durch die große Kastanienallee hinschritten , der Schnee knarrte unter unseren Füßen , und die Sterne am Himmel blitzten durch die kalte , klare Winterluft . Hanna ging plaudernd am Arm ihres Bräutigams voran . Im Dorfe war schon hier und da ein Fenster hell , und jubelnde Kinderstimmen begrüßten den Weihnachtsbaum . Unsere warmen Kleidungsstücke , Äpfel und Stollen hatten wir bald an die alte Frau und die beiden alten Männer ausgeteilt , und » Gottes reichster Segen vergelt ' s ! « tönte uns aus der niedrigen Haustür nach . Johann trug den Korb mit den Geschenken für Kathrin . » Geh nur immer hinein , Gretchen « , sagte Hanna zu mir , » in einer Viertelstunde läutet es zur Christmesse , wir spazieren hier so lange auf und ab . « Der Diener hatte auf meinen Wink den Korb auf die Stufen unseres Hauses gestellt . Ich wollte ihn eben ergreifen : » Darf ich den Korb hineintragen ? « fragte Eberhardt leise . Er bückte sich und setzte flüsternd hinzu : » Bitte , laß mich mit hineingehen in deines Vaters Haus , Gretchen , bitte ! « Dann öffnete er die Tür , und ich trat , ohne eigentlich zu wissen , was ich machen sollte , hinein , gefolgt von ihm . » Bleib wenigstens hier « , flüsterte ich ihm auf dem Flur zu . Ich hatte Angst vor Kathrin . Ich ließ die Tür der Wohnstube trotz der Kälte offen und ging hinein . Kathrin saß am Tische und las im Gesangbuch , ein Päckchen schneeweißer Leinwand , mit rotem Bande gebunden , lag daneben . Die kleine Öllampe warf einen hellen Schein auf das alte , runzelige Gesicht und die gefalteten Hände . » Guten Abend , Kathrin , ich bringe dir meinen Heiligen Christ « , sagte ich . Sie blickte über ihre Brille hinweg und stand auf . » Guten Abend , Kind ! Na , da bist du ja . Aber schließ die Tür , es wird ja kalt hier . « Sie wollte hin und die Tür zumachen , da trat Wilhelm über die Schwelle der niedrigen Stube . Er hatte den großen Mantel im Flur gelassen und die Mütze unter den Arm genommen , als machte er der vornehmsten Dame seine Aufwartung . Kathrin trat zurück und knickste unwillkürlich , als sie die hohe , imponierende Gestalt im dunklen Rahmen der Tür erscheinen sah . Dann heftete sie einen fragenden , mißtrauischen Blick auf mich , die ich wirklich verlegen dastand und meine Nachgiebigkeit bereute . » Guten Abend « , sagte er und bot der Alten die Hand , indem er den schweren Korb auf den Tisch stellte . » Ich trug dem Fräulein den Korb hier herein , er ist ein bißchen zu schwer für sie . « Freundlich lächelnd sah er auf Kathrin herab , die offenbar peinlich berührt war von diesem unerwarteten Besuch . Wie er so dastand , kam mir unabweislich der Gedanke , daß dies « hohe Gestalt nicht in das ärmliche Zimmer passe . Ein beklommenes , ängstliches Gefühl und Kathrins Schweigen machten die Szene noch peinlicher . Ich nahm mich zusammen und sagte in möglichst unbefangenem Tone : » Der Herr ist der Neffe der Frau Baronin .