Klippe des Lächerlichen nicht gescheitert . Armer Schach ! Es war anders in den Sternen geschrieben . Die Woche , die bis zur Verlobungsanzeige vergehen sollte , war noch nicht um , als ihm ein Brief mit voller Titelaufschrift und einem großen roten Siegel ins Haus geschickt wurde . Den ersten Augenblick hielt er ' s für ein amtliches Schreiben ( vielleicht eine Bestallung ) und zögerte mit dem Öffnen , um die Vorfreude der Erwartung nicht abzukürzen . Aber woher kam es ? von wem ? Er prüfte neugierig das Siegel und erkannte nun leicht , daß es überhaupt kein Siegel , sondern ein Gemmenabdruck sei . Sonderbar . Und nun erbrach er ' s , und ein Bild fiel ihm entgegen , eine radierte Skizze mit der Unterschrift : » Le choix du Schach « . Er wiederholte sich das Wort , ohne sich in ihm oder dem Bilde selbst zurechtfinden zu können , und empfand nur ganz allgemein und aufs Unbestimmte hin etwas von Angriff und Gefahr . Und wirklich , als er sich orientiert hatte , sah er , daß sein erstes Gefühl ein richtiges gewesen war . Unter einem Thronhimmel saß der persische Schach , erkennbar an seiner hohen Lammfellmütze , während an der untersten Thronstufe zwei weibliche Gestalten standen und des Augenblicks harrten , wo der von seiner Höhe her kalt und vornehm Dreinschauende seine Wahl zwischen ihnen getroffen haben würde . Der persische Schach aber war einfach unser Schach , und zwar in allerfrappantester Porträtähnlichkeit , während die beiden ihn fragend anblickenden und um vieles flüchtiger skizzierten Frauenköpfe wenigstens ähnlich genug waren , um Frau von Carayon und Victoire mit aller Leichtigkeit erkennen zu lassen . Also nicht mehr und nicht weniger als eine Karikatur . Sein Verhältnis zu den Carayons hatte sich in der Stadt herumgesprochen , und einer seiner Neider und Gegner , deren er nur zu viele hatte , hatte die Gelegenheit ergriffen , seinem boshaften Gelüst ein Genüge zu tun . Schach zitterte vor Scham und Zorn , alles Blut stieg ihm zu Kopf , und es war ihm , als würd er vom Schlage getroffen . Einem natürlichen Verlangen nach Luft und Bewegung folgend , oder vielleicht auch von der Ahnung erfüllt , daß der letzte Pfeil noch nicht abgeschossen sei , nahm er Hut und Degen , um einen Spaziergang zu machen . Begegnungen und Geplauder sollten ihn zerstreuen , ihm seine Ruhe wiedergeben . Was war es denn schließlich ? Ein kleinlicher Akt der Rache . Die Frische draußen tat ihm wohl ; er atmete freier und hatte seine gute Laune fast schon wiedergewonnen , als er , vom Wilhelmsplatz her in die Linden einbiegend , auf die schattigere Seite der Straße hinüberging , um hier ein paar Bekannte , die des Wegs kamen , anzusprechen . Sie vermieden aber ein Gespräch und wurden sichtlich verlegen . Auch Zieten kam , grüßte nonchalant und , wenn nicht alles täuschte , sogar mit hämischer Miene . Schach sah ihm nach und sann und überlegte noch , was die Suffisance des einen und die verlegenen Gesichter der andern bedeutet haben mochten , als er , einige hundert Schritte weiter aufwärts , einer ungewöhnlich großen Menschenmenge gewahr wurde , die vor einem kleinen Bilderladen stand . Einige lachten , andre schwatzten , alle jedoch schienen zu fragen , » was es eigentlich sei ? « Schach ging im Bogen um die Zuschauermenge herum , warf einen Blick über ihre Köpfe weg und wußte genug . An dem Mittelfenster hing dieselbe Karikatur , und der absichtlich niedrig normierte Preis war mit Rotstift groß daruntergeschrieben . Also eine Verschwörung . Schach hatte nicht die Kraft mehr , seinen Spaziergang fortzusetzen , und kehrte in seine Wohnung zurück . Um Mittag empfing Sander ein Billet von Bülow : » Lieber Sander . Eben erhalt ich eine Karikatur , die man auf Schach und die Carayonschen Damen gemacht hat . In Zweifel darüber , ob Sie dieselbe schon kennen , schließ ich sie diesen Zeilen bei . Bitte , suchen Sie dem Ursprunge nachzugehn . Sie wissen ja alles und hören das Berliner Gras wachsen . Ich meinerseits bin empört . Nicht Schachs halber , der diesen › Schach von Persien ‹ einigermaßen verdient ( denn er ist wirklich so was ) , aber der Carayons halber . Die liebenswürdige Victoire ! So bloßgestellt zu werden . Alles Schlechte nehmen wir uns von den Franzosen an , und an ihrem Guten , wohin auch die Gentilezza gehört , gehen wir vorüber . Ihr B. « Sander warf nur einen flüchtigen Blick auf das Bild , das er kannte , setzte sich an sein Pult und antwortete : » Mon général ! Ich brauche dem Ursprunge nicht nachzugehen , er ist mir nachgegangen . Vor etwa vier , fünf Tagen erschien ein Herr in meinem Kontor und befragte mich , ob ich mich dazu verstehen würde , den Vertrieb einiger Zeichnungen in die Hand zu nehmen . Als ich sah , um was es sich handelte , lehnt ich ab . Es waren drei Blätter , darunter auch › Le choix du Schach ‹ . Der bei mir erschienene Herr gerierte sich als ein Fremder , aber er sprach , alles gekünstelten Radebrechens unerachtet , das Deutsche so gut , daß ich seine Fremdheit für bloße Maske halten mußte . Personen aus dem Prinz R.schen Kreise nehmen Anstoß an seinem Gelieble mit der Prinzessin und stecken vermutlich dahinter . Irr ich aber in dieser Annahme , so wird mit einer Art von Sicherheit auf Kameraden seines Regiments zu schließen sein . Er ist nichts weniger als beliebt . Wer den Aparten spielt , ist es nie . Die Sache möchte hingehn , wenn nicht , wie Sie sehr richtig hervorheben , die Carayons mit hineingezogen wären . Um ihretwillen beklag ich den Streich , dessen Gehässigkeit sich in diesem einem Bilde schwerlich erschöpft haben wird . Auch die beiden andern , deren ich eingangs