Ehren und Auszeichnungen zu freuen . Ein halbes Jahr später , am 22. April 1803 , starb er . Als der Adjutant bei ihm eintrat , fand er den General am Schreibtisch , den Kopf auf die Seite geneigt – tot . Der Tod war als ein Längsterwarteter an ihn herangetreten . Schon am Tage zuvor hatte er zu sterben geglaubt und bei einer Truppenvorstellung , die er selbst noch leitete , seinen Adjutanten gebeten , ihm zur Seite zu bleiben , um ihn auffangen zu können , wenn er vom Pferde stürze . Bis zuletzt war ihm das » Ich dien ' « ein Stolz und ein Bedürfnis gewesen . Günther war sechsundvierzig Jahre lang Soldat . Sein Ruhm wurzelt in den Kämpfen von 1794 . Wenn trotz dieser Kämpfe sein Name nicht heller glänzt , so liegt das in einer Verkettung von Umständen , unter deren Ungunst manche hervorragende Kraft jener Zeit und speziell jener polnischen Kämpfe zu leiden gehabt hat . Der Krieg war unpopulär , und die Schroffheit Suworows , die des Guten in derselben Weise zu viel tat , wie die oberste Leitung preußischerseits ( freilich ohne Verschulden unseres Günthers ) zu wenig getan hatte , war nicht geeignet , dem Kampfe gegen Polen eine ihm fehlende Teilnahme zu wecken . Man schämte sich fast des Krieges , und die Tat des einzelnen litt unter dem Mißkredit , in dem das Ganze stand . Dies würde vollauf genügen , um das Vergessensein ruhmvoller Aktionen aus dem Jahr 1794 erklärlich zu machen , aber was recht eigentlich in diesem Sinne wirkte , war doch ein anderes noch . Und kaum ist es nötig , dieses andere zu nennen . Der Untergang des alten und das Wiedererstehen eines neuen Preußens waren Weltereignisse , die , nach Art einer Flut , die Marksteine einer unmittelbar voraufgegangenen kleinen Geschichtsepoche hinwegspülten . Es ist Aufgabe späterer Zeiten , solche in Triebsand begrabenen Denksteine wieder aufzurichten . Und dazu sollten diese Zeilen ein Versuch sein . Günthers eigentlichste Bedeutung scheint übrigens nach dem übereinstimmenden Urteile seiner Zeitgenossen vor allem in seiner Persönlichkeit gelegen zu haben . Boyen preist ihn auf jeder Seite , und da junge Adjutanten gewöhnlich diejenigen sind , die ihrem alten General ( und oft mit nur zu gutem Grund ) am wenigsten Bewunderung entgegentragen , so sind wir wohl zu dem Schlusse berechtigt , daß in diesem Fall eine siegende Gewalt vorlag , die alles Bekritteln tot machte . Etwas Mysteriöses , das um und an ihm war , steigerte dabei sein Ansehen nicht wenig . Es hieß von ihm , daß er die drei Gelübde der Keuschheit , der Armut und des Gehorsams abgelegt habe . Und daß dies von jedem geglaubt wurde , zeigt am besten , wie sein Leben war . Es hieß , daß er nie ein Weib berührt habe » drum sei er so gewaltig von Körper « . 21 Das Gelübde der Armut hielt er nicht minder treu . Von seinem reichen Gehalt nahm er für seine Person nur 300 Taler ; was von dem Übrigen nicht für die Offizierstafel und für Lohn und Bedienung daraufging , wurde den Armen gegeben . Die Tafel war reichlich besetzt , aber er selbst aß regelmäßig nur eine Soldatensuppe und ein einfaches Stück Fleisch . Als er einen jungen Offizier zum Nachbar flüstern hörte , daß der Alte sich seine frugale Kost sehr gut schmecken lasse , ward auch noch das Fleisch aus der Suppe getan . Denn wie er an Umsicht , Raschheit und verschlagener Tapferkeit ein Geistesverwandter des alten » Husarenvaters « auf Wustrau war , so war er es auch in Schlichtheit , Rechtschaffenheit und Unbestechlichkeit . Die Worte des Prinzen Heinrich , die Zieten so schön charakterisieren ( » er verachte alle diejenigen , die sich auf Kosten unterdrückter Völker bereicherten « ) , passen ebenso auf Günther . Seine kurze Verwaltung Südpreußens war deshalb in mehr als einer Beziehung ein Segen für jene Landesteile . Seine Uneigennützigkeit erwarb ihm die Achtung von Freund und Feind , und selbst die polnische Bevölkerung näherte sich ihm und unterwarf sich in streitigen Fällen seiner Entscheidung . Von Suworow , den er öfter sah , wurde er in ausgezeichneter Weise empfangen . » Ich freue mich , heute einen wahren General kennenzulernen « waren die ersten Worte , womit der damals im Zenith seines Ruhmes stehende Praga-Erstürmer unsern General begrüßte , und als Günther mehrere Jahre später ein in Südpreußen zurückgebliebenes , völlig vergessenes russisches Magazin unaufgefordert an Suworow zurückliefern wollte , rief dieser verwundert aus : » Solch einen Glauben hab ' ich in Israel nicht funden . « Freilich , es war so unrussisch wie möglich . An Gehorsam , an Diensttreue war ihm keiner gleich . Seine stete Klage war , daß der König schlecht bedient werde . Nach Natur und Überzeugung war er ein Mitglied jenes hohen Kriegerordens , der sich während der Regierungszeit des großen Königs gebildet hatte , und dessen erste und einzige Regel lautete » im Dienste des Vaterlandes zu leben und zu sterben « . Das Opfer war Gebot , war Leidenschaft . Preußen über alles . Noch wenige Wochen vor seinem Hinscheiden , als ihm erzählt wurde , daß die Grenadierbataillone die alten Grenadiermützen wieder erhalten hätten , rief er aus : » Gott gebe , daß mit den alten Mützen auch der alte Geist der Gleimschen Grenadiere wieder da sein möge , dann werden sie und Preußen unüberwindlich sein . « Der Tod ersparte ihm die bittre Erfahrung , daß der » alte Geist « unwiederbringlich verloren war . Es war ihm in einem der Pflicht und dem Dienste gewidmeten Leben nicht vergönnt worden , die höchsten Aufgaben zu lösen , Aufgaben , zu denen er , der Aussage aller derer nach , die ihm nahestanden , wohl befähigt gewesen wäre . Wenn ihm aber das Höchste zu tun auch versagt blieb , das Beste lebte nicht nur in ihm , er betätigte