Wangen floß . Konrad war im gleichen Augenblick wieder neben ihr , während Else die Türe leise hinter sich zuzog . » Rausche , rausche , lieber Fluß - nimmer werd ' ich froh - « kam es stoßweise von Ginas Lippen . Konrads Hand lag wieder wie vorhin auf ihrem Köpfchen , das langsam , langsam zurücksank . Es wurde ganz still im Zimmer . Frau Wanda war angstgeschüttelt in die Küche geflohen ; die Hunde sprangen ihr schmeichelnd auf den Schoß ; Giovanni hockte zusammengesunken an der Türe . Konrad blieb allein mit dem Kinde . Es atmete schwer . Von Zeit zu Zeit öffnete es die Augen und sah ihn an . Jedesmal war ihr Ausdruck reifer , tiefer , als entfalte sich das kleine Geschöpf in diesen Minuten zum Weibe . » Küsse mich ! « hauchte es sehnsüchtig . Und seine Lippen ruhten auf den ihren , vom Fieber zerrissenen . Der glühende schmächtige Körper zuckte in seinen Armen . Ein seliges Lächeln verklärte das zarte Gesichtchen . » Mußt - es - eben - leiden - « tönte es fast unhörbar an des Jünglings Ohr . Und Gina war tot . Viertes Kapitel Vom großen Hoffen ohne Ziel Am Waldrand im Tale der Wiesent blühte der Rotdorn , die weißen Schlehen und die wilden Rosen ; von gelben Butterblumen leuchteten die Wiesen , als habe der Himmel mit vollen Händen sein Gold verstreut . Konrad fuhr heim . Er saß auf dem hohen Selbstfahrer und lenkte die beiden feurigen Füchse , mit denen er am Bahnhof überrascht worden war . Die Obstbäume an der Chaussee waren lauter üppige Blütensträuße ; sie standen ganz still und steif , wie geputzte Kinder in der Kirche ; jedes Ästchen , durch sein weißes Kleid breit und voll geworden , spreizte sich in seiner Pracht . Von ferne flatterte vom Turme die Fahne der Hochseß : im weißen Felde die leuchtend rote Rose , und über dem verwitterten Torweg prangte ein Eichenkranz , und die Kastanien im Hof glänzten im Schmuck roter Blütenkerzen . Ein Gefühl befreiten Aufatmens schwellte Konrads Brust . Ihm war , als sei hinter ihm eine schwere eiserne Kerkertür ins Schloß gefallen . Da standen sie alle und warteten seiner : der alte Habicht , die welken Wangen in dem freundlichen , von langem Prophetenbart umrahmten Greisengesicht freudig gerötet ; die beiden Tanten , vertrocknete Mumien , deren heruntergezogene Mundwinkel seine Ankunft doch zu etwas hoben , das einem Lächeln glich ; und sie - die Großmutter - die immer Schöne ! In weichen Falten , von keiner Mode mehr beeinflußt , umfloß das weiße Gewand ihre hohe Gestalt , über dem vollen silberglänzenden Haar lag ein duftiger Schleier , ein paar Brillanten blitzten in den kleinen Ohren , auf den schlanken Fingern , und die nachtdunklen Augen leuchteten , vom Alter ungetrübt , aus all dem Weiß , wie zwischen Firnschnee der tiefe See der Alpen . Er sprang vom Bock , kaum daß die Pferde , noch unruhig stampfend , standen ; er umarmte sie alle , stürmisch , leidenschaftlich , so daß dem alten Mann die Tränen in die hellen blauen Augen traten , die Tanten mit zitternden Knochenhänden dem Ungestüm wehrten und die Gräfin Savelli , all ihre vornehme Reserve vergessend , ihn minutenlang nicht losließ . Sie führte ihn in sein Zimmer . Er sah sich staunend um : nichts war verändert , nichts vom Platz gerückt , und doch erschien ihm alles neu , fremd , fast feierlich . War er wirklich immer von diesen schönen , schweren , bronzebeschlagenen Mahagonimöbeln umgeben gewesen ? Hatten diese goldenen , ernsten Sphinxe immer die Sessel getragen , hatten sich immer diese Lorbeergirlanden um die Schränke gerankt ? » Du hast sehen gelernt , mein Junge , « sagte die Gräfin auf eine staunende Bemerkung von ihm und streichelte zärtlich sein blasses Gesicht . Er sah sie groß an . Wie verändert seine Augen waren ! » Und leben auch ! « fügte sie langsam hinzu . » Leben ? ! « wiederholte er fragend . » Ich weiß nicht , Großmutter . Denn leben heißt schaffen , und ich - « » Schaffst du zunächst nicht dich selbst ? « entgegnete sie , ihm mit gütigem Lächeln leise die Wange streichelnd . Am nächsten Tage , - die Rückkehr des jungen Hochseß wurde in der Nachbarschaft um so mehr als ein Ereignis betrachtet , als sie für eine endgültige gehalten wurde - war der Vetter Rothausen vom Greifenstein der erste , der mit seinem Viererzug vorfuhr . » Natürlich , « dachte Konrad geringschätzig , » vier armselige Klepper statt zweier anständiger Gäule ! « und ihm fiel ein , wie der Greifensteiner sich vor fünf Jahren den Tanzsaal seines Schlosses , der eben noch ein Heuboden gewesen war , von einem Malermeister aus Forchheim mit altdeutschen Figuren hatte bemalen lassen , die er stolz als eine Renovierung entdeckter Fresken ausgab ; die Touristen verfehlten dann auch nicht , sie gegen eine Mark Eintritt pflichtschuldigst zu bewundern . » Fortschritt - Fortschritt , meine Herrschaften , « pflegte er den Eingeweihten lachend zu versichern . » Mit der Plempe in der Faust lockten meine biederen Vorfahren den wandernden Koofmichs im Tal die Batzen aus der Tasche . Wir machen ' s milder . « » Bist ja ein fescher Bursch geworden , « damit begrüßte er Konrad , während dieser den Damen aus dem Wagen half : der dicken , asthmatischen Baronin , deren Beiname » das Klageweib « von ihm stammte , und dem Töchterchen , der Hilde . » Bist ja ein süßes Mädel geworden , « hätte er beinahe , ein Echo des Vaters , ausgerufen , wenn ihm nicht rechtzeitig zum Bewußtsein gekommen wäre , daß dieses blonde , weiße , schlanke Ding nach den Wünschen der Tanten seine Frau werden sollte . Schließlich stieg der Stammhalter vom Bock . Potsdamer Gardeulan , der eben auf