, wandte Egloff ein . Die beiden Damen beugten erschrocken ihre Köpfe auf die Handarbeiten nieder , und die Baronin murmelte entschuldigend : » Ich meine nur , Gesundheit ist eine wertvolle Gabe Gottes . « Ein ungemütliches Schweigen entstand , bis Fräulein von Dussa wieder den Kopf erhob , nachdenklich zum Fenster hinaussah , wie sie stets tat , wenn sie etwas Geistreiches bemerken wollte und sagte : » In dieser Baronin Dachhausen ist etwas , das ich nie ganz verstehen kann . Ich will nicht sagen , daß sie ein Buch in fremder Sprache für mich ist , sie ist eher ein Buch , das aus einer fremden Sprache in meine Sprache übersetzt worden ist und in dem doch ein Rest von Unverständlichkeit zurückblieb . « » Ah , Sie meinen , « versetzte Egloff , » vom Birkmeierschen ins Dachhausensche übersetzt . Aber die kleine Liddy ist doch nicht dazu da , damit man sie studiert , sondern damit man sie ansieht . « » Allerdings , dieser Anforderung genügt sie « , antwortete Fräulein von Dussa spitz . Dann ging man zum Essen . Bei Tisch wurde von dem Diner gesprochen , das nächstens stattfinden sollte , in letzter Zeit wurde sehr viel von diesem Diner gesprochen , und die Baronin holte ihre Erinnerungen an all die Hofdiners , die sie mitgemacht hatte , heraus und sprach andächtig von Punch glacé , Chevreuil à la providence und Timbale à la Marie Antoinette . Als dieses Thema erschöpft war , kam die Rede auf Hyazinthen , welche in die Fenster gestellt werden sollten , und die Baronin sagte ein wenig feierlich , wie sie das in letzter Zeit öfters tat : » Solange ich hier etwas zu sagen habe , werden hier im Frühjahr immer Hyazinthen in die Fenster gestellt werden . Später , wenn ich meine alten Augen schließe , mögen die anderen tun , was sie wollen . « Nachmittags beim Kaffee rauchte Egloff still seine Zigarre , der gelbe Nachmittagsonnenschein in den Zimmern , der schwüle Duft des Räucherlämpchens auf dem Kamine hatten von jeher seine Stimmung bedrückt . Die Damen arbeiteten wieder , nur einmal kam es noch zu etwas lebhafterem Gespräch , als die Baronin fragte : » Fährst du nach Paduren ? « » Nein , « erwiderte Egloff , » ich soll ja da hinkommen , um zu zeigen , ob ich mich bewähre , und noch habe ich keine Lust . « Die Baronin errötete vor Ärger . » Diese Warthes « , sagte sie , » waren von jeher von einer unbegreiflichen Selbstgerechtigkeit . Sie taten immer so , als sei die Tugend ein Vorwerk von Paduren . « Egloff zuckte die Achseln und schwieg . Endlich beschlossen die Damen noch ein wenig hinauszugehen , und da es so feucht war , wollte die Baronin in der kleinen Wandelhalle im Garten auf und ab gehen . » Du , mein Junge , « sagte sie , » wirst wohl noch ein wenig ruhen . Ich werde dafür sorgen , daß im Hause Stille ist , da kannst du ruhig sein , solange meine alten Augen offen sind , wird immer dafür gesorgt sein , daß während deiner Nachmittagsruhe im Hause Stille herrscht . Schon dein Vater hielt darauf . « Egloff zog sich in sein Zimmer zurück , legte sich auf sein Sofa , lehnte den Kopf zurück , so , jetzt war nichts mehr übrig als still zu liegen und sich auf den Abend zu freuen . Durch sein Fenster konnte er die kleine Wandelhalle im Garten sehen , dort gingen die Baronin und Fräulein von Dussa in schwarze Mäntel gehüllt , schwarze Schale auf dem Kopfe mit kleinen gleichmäßigen Schritten auf und ab . Seit seiner Jugend kannte er dieses Bild , die beiden schwarzen Gestalten , die im Nachmittagsonnenschein dort auf und ab gingen , und immer hatte es ihm bis zur Traurigkeit uninteressant geschienen . Gut , daß das Leben doch noch andere Dinge als die kleine , sonnige Wandelhalle hatte , dachte er . Die Sonne war schon untergegangen , als Egloff und Fastrade noch Arm in Arm am Waldrande entlang gingen . Es war windstill , regungslos hoben die Birken und Eichen ihre Zweige mit den geschlossenen Knospen und die Ellern ihre über und über mit Blütentrauben geschmückten Wipfel zum bleichen , glashellen Himmel empor . Unter dem Rasen flüsterten und gurgelten unsichtbare Gewässer , und die Luft war feucht und mild . Fastrade , fest in ihre blaue Frühjahrsjacke geknüpft , den blauen Filzhut auf dem Kopfe , öffnete ein wenig die Lippen , um den Duft der Erde und der Knospen voll einzuatmen . Sie fühlte sich seltsam wohl und zu Hause in dieser Frühjahrswelt . Egloff war heute nervös und gereizt , Fastrade spürte es wohl , aber es machte sie stolz , das Unruhige und Wilde in diesem Manne neben sich so in ihrer Gewalt zu haben . » Natürlich habe ich an dich gedacht , « sagte Egloff , » in der Nacht dort drunten in der Hütte und zu Hause , wenn ich nicht gerade schlief . Angenehm ist das nicht . « Fastrade lächelte : » O wirklich , ist das nicht angenehm ? « fragte sie . » Wie soll das angenehm sein , « erwiderte Egloff ärgerlich , » früher habe ich mir über meine Nebenmenschen nicht viel den Kopf zerbrochen , jetzt muß ich an einem Mädchen herumrechnen , als gälte es einen Monatsabschluß . « » Du Armer , « sagte Fastrade bedauernd , » aber bin ich denn ein so schweres Exempel ? « » Ja , ja , ich weiß , « höhnte Egloff , » ihr wollt alle klar wie Kristall sein , eine jede hält sich für den berühmten tiefen See , dessen Wasser so klar ist , daß man bis auf seinen Grund sieht . Dabei weiß man von euch garnichts . Übrigens ist das eine