die beiden Frühmahlzeiten und den Morgentrunk bei Ankunft der beiden Hochzeiter , und vor der Abfahrt zur Kirche . Und da ich endlich aus meiner Kammer trat , prasselte und brodelte es mir von der Kuchel herauf entgegen , Geschirr klapperte , des Weidhofers Schnallenschuh knarzten über die Dielen , und die Nandl sang mit weinerlicher Stimme ihr Büblein in den Schlaf und fuhr es in dem hölzernen Karren am Hausflöz hin und her . Aus der Kammer der Jungfer scholl das helle Lachen der Hochzeiterin und ihrer Nähterin , und von der Wohnstube herauf drang gedämpftes Zitherspiel und die halblauten Gsangln unserer Kostbuben . Begab mich also zu ihnen hinab und wurde sogleich lustig und mit Scherz empfangen ; und es sang mir der ältere von uns Kostbuben , der Hausl , gleich munter entgegen : » He Büaberl , geh eina , He Büaberl , kehr zua , Balst a Feirtagwand o ' hast Und gnagelte Schuah ! Balst sakrisch tanzen kannst Und schön hofiern Und d ' Sunnreuther Dirndln Zum Lebzelter führn ! « Da mußt ich nun wohl oder übel meinen Schmerz und Grimm verbeißen und ein guts Gesicht zum Gespiel machen , auf daß ich nicht des Spruchs teilhaftig würd : Wer den Schaden hat , braucht ums Gespött nicht zu sorgen . Aß alsdann meine Morgensuppe und kümmerte mich um das Kindlein , bis das alt Sixnwaberl , ein arms Häuslleut , kam und das Wuzerlein auf etliche Tag zu sich holte , bis die Hochzeit vorüber und die Nandl wieder in Ordnung wär . Derweilen kamen die Musikanten ins Haus , gaben den zwei Hochzeiterinnen etliche Weisen als ein Ständchen und machten sich darnach zu den Hochzeitern , um auch ihnen den Tag anzublasen . In der Wohnstube versammelten sich nun alle Hausgenossen , Knecht und Mägd , und der Weidhofer , mein Ziehvater , fragte ein jedes auf Treu und Gewissen , ob alles in Haus , Hof und Stall wohl gerichtet und getan sei , ob das Vieh bei gutem Gsund sei und nirgends was fehle . Und da ihm alle auf Ehr und glaublich die Gewißheit gaben , daß alles in der Ordnung war , sagte er : » Also , Leutln , nachher will i enk heunt alle miteinand auf d ' Hochzat lassen ; und soll ein jeds auf mein Namen kriegn : vier Speisen zu jeder Mahlzeit und Bier soviel , bis halt ein jeds langt . Aber mit der Bedingnis , daß einer von enk Bubn auf d ' Zeit und unter der Zeit einmal heimschaut zum Vieh , ins Haus und in Hof . Futtern tut man wie z ' Feiertägs und melken auch . Also , jetzt wißt ihrs ! « Darnach lief er in die Kirche . Nach diesem kam die Nandl in ihrem schwarzwollenen Brautgewand und einem Flitterkränzlein im Haar zur Tür herein und bat die Stalldirn , ihr die langen Haarbänder und den Rosmarin anzuklufen . Steckte ihr also die Dirn ein paar himmellange , breite Bandmaschen hinter den Brautkranz aufs Haarnest und machte ein Rosmarinkränzlein um das flitterne drum , behing ihr darnach den Hals mit allerhand silbernen und blechernen Ketten , Kreuzlein und Amuletten und heftete ihr einen langen Rosmarinbuschen auf den Brustfleck . Unterdessen begann vom Kreuzberg her wieder ein lustigs Schießen ; da lief die Weidhoferin , meine Ziehmutter , eilends in ihre Kammer , um sich festtäglich herzurichten und zu schmücken . Kam auch nach einer geraumen Weil in einem reichgefältelten bläulichen Gewand , mit seidenem Brustfleck und goldenen Litzen besetzt . Auf ihrem Kopf saß eine wunderliche , steife Spitzhaube aus goldenen Börtlein , Bändern und Blonden ; ein feines Schleiergewebe bedeckte ihre Stirn und den Scheitel , und ein prächtiger Silberspieß steckte in ihrem geblümten Brokatmieder . Sah also gar gut und fürnehm aus und stund ihr alles so wohl an , daß ich , ungeachtet meines Herzwehs und Grimms , einen großen Gefallen an dieser Tracht fand und mich ein heftiges Verlangen ankam , ein Maler zu sein und die Ziehmutter in solcher Gestalt zu konterfeien . Fragte sie auch , warum man solche herrliche Gewandung nirgends mehr fänd ; worauf sie sagte : » Weil das schon gar lang ist , daß solchs modisch gewesen ; ist ja mein Brautgwand und meiner Mutter , Gott hab sie selig , ihre Brauthauben . - Gibt ja auch ganz andere schöne Sachen jetzt ; - bringen ja neumodischs Zeug von überall her : von Welschland , von den Franzosen und von der Münchnerstadt ! - Ist auch nit schiach - für die Jungen . « Ja , da hatte sie recht ; denn als nun die Tür aufging und die ander Hochzeiterin , das Kathreinl , hereintrat , da bracht ich das Maul nimmer zu und riß die Augen auf , daß sie mir übergingen . Das flimmerte von Seide und Gold , von Silbergehäng und Geschmeid ; Spitzen ums güldene Brautkrönlein , Fransen am Miedertuch , Edelstein in den Fürstecknadeln und Perlen in den Ohrgehängen . Da bauschte sich eine brokatne Schaube und prangte drüber ein weißes , seidenes Fürtuch mit Blonden und Perlen , und klirrte und knisterte es bei jedem Schritt und schimmerte das Gewand bald silberig , bald grün und rötlich . Das Haar aber trug sie gar kunstvoll aufgesteckt und hatte ein köstlichs Myrtenkränzlein um die steingeschmückte Brautkron . Mit lieblichem Lächeln ging sie von einem zum andern und dankte für die Wünsch , die ihr ein jedes mitgab ; doch wartete sie bei mir vergeblich auf dergleichen Redensart : ich stand vor ihr , wortlos , mit flammendem Gesicht und klopfendem Herzen , faßte ihre beiden Händ und drückte sie heftig , während mir in meinem Sinn bloß das eine Wort umging : Kathreinl ! Da schrie sie leis auf und sagte bittend : » Mathiasle ! ' s ist gut ! « Worauf ich ihre Händ losließ und mich umwandte . Da war alles in den Wind