Has gewinnt , Hund verliert , Has gewinnt , Hund verliert , Has gewinnt ! Also hat wieder der Schmirsel gewonnen , denn der ist ja diesmal der Has . « Ich kraute mir hinterm Ohr , verdrossen ; indessen sie mich auslachte . » Darf ich noch bringen ? « fragte Susanne und war mit Lust um mich beflissen . Vertraulich setzte sie sich zu mir , und dreister gemacht , betrachtete ich ihre wohlgebildeten Hände mit den feinen Spitzenmanschetten . Warf auch auf das Antlitz manch verstohlenen Blick , und dann klopfte mein Herz in süßer Unrast . Frisch wie eine Rose blühete Susanne . Unter dem übermütigen Näslein prangten Kirschenlippen . Verlegen war ich , wenn ihr Blick auf mir ruhte und neugierig an mir herumzutasten schien , um meine Art zu erforschen . Auch mit Fragen verfolgte die Jungfer dies Ziel , und vom Wein gesprächig , hatte ich bald meine Lebensgeschichte berichtet . Als ich erwähnte , daß ich Alchymie treibe , horchte sie auf : » Ei , da wär Er ja der rechte Famulus für den Schmirsel und käme wie gerufen . Ist doch dieser Medikus erst dieser Tage zu einem hohen Herrn berufen worden , so an Hüftweh leidet und viel Gold geben will , so ihn einer heilt . Wenn hernach der Schmirsel kommt , will ich Ihn , Herr Johannes , ihm präsentieren . Sei Er mir aber gescheit , falls Er beim Schmirsel eintreten darf . Nur nicht Sein Medikament verraten ! Das muß Geheimnis bleiben , sonsten wird Ihm kein Vorteil davon . Der Schmirsel muß es jedesmal bezahlen , und seh Er zu , daß Er diesem Chymisten manches von seinen Künsten ablauschet . Schwätzet man doch , der Schmirsel verstehe sich aufs Goldmachen . « War ich bisher noch nicht mit ganzer Seele entschlossen , den Schmirsel zu wählen , so entschied diese Mitteilung , indem sie meine abergläubische Hoffnung anreizte , den verheißenen Goldschatz zu gewinnen . Da es Abend worden , traten neue Gäste in die Stube . Susanne bekam zu tun , und es tat mir leid , daß sie gleichgültig an mir vorüberging , als sei die frühere Vertraulichkeit weggeblasen . Da trat ein hagerer Herr ein , steifen Schrittes , hochnasig und gespreizt , stutzerhaft gekleidet und von einem beklemmenden Wohlgeruch . » Grüß Gott , Herr Schmirsel « , sagte Susanne knixend . Ich horchte auf und betrachtete den Schmirsel . Sein dürres , faltenreiches Angesicht verriet , daß er die Fünfzig weit überschritten habe . Sein schwarzes Haar , das , wie ich später erfuhr , künstlich gefärbt war , glänzte von Fett wie ein gestriegelter Rappe . Um den Hals trug er einen breiten Spitzenkragen . Wams und Hose waren aus schwarzem Sammet . Auf den Ärmeln war ein ganzer Kram von gelbseidenen Bändchen aufgeheftet . Die roten Strümpfe gaben den Beinen etwas Storchenhaftes , auf den Schuhen prangten künstliche Rosen . Der Degen ragte hinten aus dem Rocke , so stolz , daß fünf Dutzend Sperlinge Platz darauf gehabt hätten . Den blauen Mantel und Hut , dessen Krempe auf französische Art von einer Agraffe hochgehalten wurde , hing er an einen Wandhaken , stellte seinen Stock , der einen großen silbernen Knopf hatte , in die Ecke und trat mit Schritten wie ein Tanzmeister , die Fußspitzen fein auswärts , zur Jungfer , verbeugte sich mit Politesse und führte ihre Hand , die sie ihm lächelnd darreichte , an schmatzende Lippen . Diese Lippen waren fortwährend beflissen , noble Manieren zur Schau zu tragen ; der Odem zog sie bald nach innen , bald blies er sie wieder spitzig auf , als gelte es , feinen Wein zu kosten . Die Augenbrauen hochmütig emporgezogen , nahm er am großen Tisch in der Ecke Platz . Wie Susanne Wein gebracht hatte , setzte sie sich zu Schmirsel , und die beiden pflagen des Gespräches mit gedämpfter Stimme , ohne daß ich mehr als einzelne Worte erhaschte . Jetzo kam mir die Jungfer für wie ein schnurrend Schmeichelkätzchen , das sich den Pelz streicheln lässet und zuweilen schalkhaft die Krallen unter den Sammetpfötchen reckt . Auf einmal hielt Schmirsel das Brillenglas vor seine Augen und forschte zu mir herüber . Dann kam Susanne herbei und lud mich zu Schmirsel . Sie nannte ihm meinen Namen , indessen ich mich neigte . Schmirsel bot mir einen Stuhl und sprach mit gedämpfter Stimme : » Vernehme da mancherlei Gutes von Ihm , junger Gesell , zum Exempel , daß Er sich auf Medicamenta verstehet . Erzähl Er doch einmal , mit allen Umständen , wie Er in Schlesingen das lahme Kindlein kuriert hat . Das Mittel ist mir zwar bekannt , doch möcht ich wissen , ob Er die rechte Bereitung getroffen hat . In diesem Falle wär ich nicht abgeneigt , Ihn als Lehrling in mein Haus aufzunehmen . « Ich war unschlüssig , was zu antworten , da ich an Susannens Rat dachte , mein Mittel ja nicht preiszugeben . Zum Überflusse trat mir die Jungfer auf den Fuß , und nun sprach ich : » Geehrter Herr Medikus ! So glücklich ich mich preisen würde , falls mich der berühmte Herr in die Lehre nähme , muß ich doch das Geheimnis meiner Medicamenta hüten . Sie sind ja mein einziger Schatz , aus dem ich mein Leben fristen und erquicken möchte . Wofern aber der Herr sich damit begnügt , daß ich Ihm das Mittel wider lahme Glieder bereite und zum Verkauf an seine Patienten anheimstelle , und wofern der Herr Medikus mich rechtens dafür besoldet , will ich lieber bei Ihm eintreten als beim Herrn Waldhäuser , an den ich einen Empfehlungsbrief habe . « Schmirsel warf mir einen harten Blick zu und erwiderte kühl : » So so , zum Waldhäuser will Er ? Mag Er sehen , ob ihm der Lumpenkurierer seinen Schatz geheimer Medikamente bezahlt . « Ich schwieg , und auch Schmirsel