mich in irgendeinen glückseligen Schlupfwinkel , wo wir die Welt vergessen im überschwenglichen Glück . Ich bereite alles hier vor ; morgen abend ist das große Fest bei den Colonna . Der Herzog hat fest versprochen , dort zu sein . Im letzten Augenblick erkläre ich wegen starken Kopfwehs nicht mitzukönnen , da ich am andern Morgen reisen solle , denn ich bin scheinbar in seinen Plan ergeben . Du mußt auch dort sein , damit Deine Abwesenheit keinen Verdacht erregt . Unbemerkt verschwindest Du von dort und lenkst mit einem Wagen in die kleine dunkle Seitengasse neben meinem Palast , um Mitternacht , wenn die Dienerschaft zum größten Teil schon schläft . Dort finde ich Dich . Der Herzog wird mich schlafend wähnen , wenn er zurückkommt , und mein Zimmer nicht mehr betreten , und wenn er mich am Morgen sucht , sind wir weit . Wegen Deiner Begleiter haben wir ja schon alles besprochen und so bleibt nichts übrig , als uns dem Schutze des Gottes zu empfehlen , der Liebende zusammenführt und beschützt , denn legitim ist nur die Liebe , und was sie tut , ist wohlgetan . Ich bin voll frohen Mutes , es wird gelingen , und mein Herz eilt schon auf Flügeln der Hoffnung der Seligkeit entgegen , Dein zu sein auf ewig . Giulia . « Waldemar ließ das Blatt fallen , sank in einen Sessel und bedeckte das Gesicht mit beiden Händen . Was in seinem Herzen vorging , grenzte an Verzweiflung und war gewiß weit von dem , was die Herzogin nach Empfang ihres Briefes von ihm erwarten durfte , denn sie ahnte nicht , daß nur in ihrer Gegenwart ihre Zauber allmächtig waren , daß aber fern von ihr alles , was gegen sie stritt , hervortrat , nun noch vermehrt durch die Nachricht von der Erkrankung der Mutter . Endlich ging ihm eine Möglichkeit auf , alles zu vereinen , denn der Herzogin sein Wort nicht zu halten , schien ihm unmöglich . Um mit raschem Entschluß sein Gemüt zu beruhigen und die zum Handeln nötige Kraft zu gewinnen , schrieb er einen Brief an Holberg , den er zurücklassen wollte , der seine Flucht erklären und dessen und Radens Verfahren bestimmen sollte . Er wollte mit Giulia in einen kleinen Ort im Venetianischen , nahe der Grenze , flüchten und dort der Nachrichten aus der Heimat harren ; die beiden Herren sollten ebenfalls gleich von Rom aufbrechen , hier die Nachricht verbreiten , der Prinz habe eilig in die Heimat zurückgemußt , und voraneilen , um die Eltern auf das Geschehene vorzubereiten und milde zu stimmen . Er beschwor den Lehrer , ihm nicht zu zürnen , berief sich auf die Allgewalt der Liebe und schilderte die Leiden der Ehe Giulias und ihre unbesiegbare Liebe zu ihm mit so glühenden Farben , daß er hoffte , des Professors Herz dadurch zu rühren , ja , er fügte hinzu , daß er bereit sei , um Giulias willen seinen Ansprüchen auf den Thron zu entsagen , wenn sie sich nicht mit dieser Liebe vereinen ließen . Er schrieb lange Zeit an diesem Brief und fühlte sich danach etwas ruhiger , wie es immer zu gehen pflegt , wenn in verwickelten Lagen endlich ein Entschluß gefaßt ist . Er dachte dann nur daran , die nötigen Vorbereitungen im geheimen zu treffen , wobei allerdings der Diener wieder der Vertraute sein mußte , und dann zwang er sich , mit seinen Begleitern so unbefangen als möglich den Rest des Tages hinzubringen , die seine ernste Stimmung diesmal in vollem Vertrauen für eine Folge der Nachrichten aus der Heimat nahmen . So kam der Tag der Entscheidung . Waldemar hatte alle Vorbereitungen mit Hilfe des Dieners getroffen und begab sich am Abend anscheinend ruhig , aber innerlich in tiefer Erregung , mit den Begleitern zu dem Fest der Fürstin Colonna . Die herrlichen Räume des Palastes waren von einem Lichtmeer erhellt , und durch die Fenstertüren des letzten großen , zweiundachtzig Meter langen Saales , zu denen man einige Stufen hinaufsteigt , sah man in den von bunten Lampen magisch erleuchteten Garten , wohin man auf Brücken , die über die Straße gehen , gelangt . Die ganze vornehme , elegante , gebildete Gesellschaft Roms bewegte sich in den glänzenden Gemächern und bildete mit ihnen einen Anblick von solcher Pracht und Schönheit , daß jedes unbefangene Gemüt sich daran hätte erfreuen müssen . Aber Waldemar hatte in seiner Aufregung keinen Sinn für die poetische Pracht des Festes ; seine Augen suchten unruhig nach der einen , deren Schicksal sich in dieser Nacht noch mit dem seinen in folgenschwerem Bund vereinen sollte , denn er besorgte , daß sie ihren Plan , vom Fest fernzubleiben , nicht habe ausführen können . Mit einer nicht zu sagenden Mischung von Widerwillen , innerem Vorwurf und voll Beschämung sah er sich daher plötzlich dem Herzog gegenüber , der mit einem an ihm ganz ungewöhnlichen Lächeln auf ihn zukam und ihn auf das höflichste begrüßte . » Es freut mich , Hoheit , Sie hier zu finden , « sagte der Herzog ; » so kann ich mich hier von Ihnen verabschieden ; wir reisen morgen nach Sizilien ; Donna Giulia bedarf der Erholung , wir gehen zu ihrer Schwester für einige Zeit . « » Die Herzogin ist hier heute abend ? « brachte der Prinz mühsam hervor , nicht fähig , dem Sturm in seinem Innern zu gebieten . Um die Lippen des Herzogs spielte ein ironisches Zucken , doch versetzte er mit völliger Ruhe : » Nein , sie wurde durch heftiges Kopfweh verhindert , zu kommen , und wird es sehr bedauern , Ihnen , Prinz , nicht Lebewohl gesagt zu haben ; ich hoffe aber , wir finden Sie bei unserer Rückkehr noch hier . « In dem Augenblick trat der Kardinal auf die beiden zu und nachdem er den Prinzen begrüßt hatte , sagte er , zum Herzog gewendet