. Nun , also ! « » Du bist ein englischer Laden , in welchem Cigarren verkauft werden . Ich bin der englische Sejjid Omar aus Livverbuhl und kaufe für meinen deutschen Sihdi Cigarren ein , weil er nicht englisch reden kann . Bist du einverstanden , und soll ich das so machen ? « » Ja , gut ! Ich bin der englische Cigarrenladen , und du bist aus Liverpool . Es kann losgehen ! « Da ging er hinaus , machte die Tür hinter sich zu und klopfte an . » Come in ! « antwortete ich . Er trat ein , nahm seinen Tarbusch höflich ab und wollte sprechen ; ich aber kam ihm zuvor : » Mach die Tür zu , ehe du sprichst ! Ein Engländer läßt keine Tür offen stehen ! « Er war sofort Herr der Situation , zog die Tür zu und sagte : » Ei bekk juh parrrrd ' n , Mister Miehlord owww Tabbakk änd Smooking-Sihgärr ! Ei wischsch dhho pörrrtschähß Sihgärr ! Giww Sihgärr ! Lahrtsch bikk Sihgärr , long Sihgärr , thick Sihgärr , gudd Sihgärr , fein ännd tschihhhhp Sihgärr ! Wott häww ei dhho peehh , Mister Miehlord owww inglischhh Smooking-Männ ? « Man denke sich meinen ernsten , gravitätischen Sejjid Omar , und man denke sich dazu , daß , während er diese Rede wie aus einem halb verstopften Wursttrichter hervorquellen ließ , sein Gesicht genau die Züge der unerlaubten Orthographie annahm , deren ich mich in diesen Zeilen bediene ! Ich konnte nicht anders , ich mußte laut lachen , mehr über sein Gesicht als über seine Worte . Das entzückte ihn . Er sagte : » Sihdi , ich sehe , wie sehr du dich freust . Ich habe in diesen drei Tagen und zwei Nächten die ganze englische Sprache auswendig gelernt . Ob du diese Sprache auch verstehst , das ist nun ganz egal . Ich werde für dich reden ! « Das war so seine selbstbewußte , selbstvertrauende Weise . Mir machte die Sache in der ersten Zeit Spaß ; aber je länger , desto mehr erstaunte ich . Er machte Fortschritte , die ich nicht für möglich gehalten hätte . Wo er eines Engländers habhaft werden konnte , der nicht allzu hoch über ihm stand , den hielt er fest , um sprachlich von ihm zu profitieren , und als ich ihm seine Bitte erfüllte , möglichst nur englisch mit ihm zu sprechen , fand ich täglich Gelegenheit , sein unvergleichliches Wortgedächtnis zu bewundern . Nebenbei merkte er sich jedes Wort jeder anderen Sprache , welches ihm vor die Ohren kam . Er saß stundenlang an einer Stelle still , immerfort die Lippen bewegend und sich unausgesetzt übend , um das , was er sich einmal angeeignet hatte , ja nicht wieder zu vergessen . Wenn ich an Hauptorten mit Europäern zusammentraf und in deren Sprache mit ihnen verkehrte , so machte er sich sicher in unsere Nähe , um einige Worte aufzufangen und mich dann über die Bedeutung derselben auszufragen . Und was er so erfuhr , vergaß er nie . Ganz eigenartig war seine Geschicklichkeit , seinen immer wachsenden Sprachschatz in Anwendung zu bringen . Es geschah das ohne jedes Gesetz und jede Regel , aber in einer Weise , welche mich oft heimlich staunen ließ . Mit Etymologie und Syntax freilich durfte ich ihm nicht kommen . Wenn ich von der Abstammung eines Wortes oder von den Teilen eines Satzes sprach , wehrte er mit beiden Händen ab und sagte : » Ich esse nicht zwei Datteln auf einmal , sondern eine nach der anderen . So spreche ich auch nicht zwei Worte auf einmal , sondern eines nach dem anderen . So ist es bei uns in der arabischen Sprache , außer welcher es keine richtige gibt , und also darfst du nicht von mir verlangen , daß ich bei einem Worte gleich an mehrere andere denken soll . Sie kommen alle ganz von selbst , und du brauchst keine Angst zu haben , daß ich eines vergesse ! « Seine Liebe zu mir war der Grund , daß für ihn meine Muttersprache gleich nach der seinigen rangierte , und so war seine Freude groß , als ich ihm für einen mir geleisteten Extradienst die belohnende Mitteilung machte , daß ich ihn von jetzt an täglich eine Stunde in der deutschen Sprache unterrichten würde . Die Folge zeigte , daß ich mir keinen besseren Schüler wünschen konnte . Er gab sich die größte Mühe , nach seiner Rückkehr mit den deutschen Touristen deutsch sprechen zu können . Freilich ging er auch hier in einer so regellosen Weise mit den Redeteilen um , daß Wort-und Satzbildungen zum Vorschein kamen , welche um so lächerlicher waren , je größere Wichtigkeit er der ernsten Würde gab , mit welcher sie ausgesprochen wurden . Seine in Kairo , ehe ich ihn engagierte , in Beziehung auf die Religion ausgesprochenen Wünsche hatte ich respektiert . Ich sprach kein Wort vom Christentum zu ihm , und wenn er einmal , was ja unvermeidlich war , eine sich auf seinen Islam beziehende Bemerkung machte , so ging ich schweigend über sie hinweg . Dies kam in seinen Augen einer Mißachtung seiner Religion gleich und wurde von ihm nach und nach immer mehr als eine Strafe empfunden , welche er verständigerweise als eine unausbleibliche Folge seiner damaligen Bitte zu betrachten schien . Es war mir oft , als ob er in dieser Hinsicht etwas auf dem Herzen habe , und er setzte auch zuweilen an , es mir zu sagen , kam aber nicht dazu , weil ihm solche Gelegenheiten von mir aus guten Gründen stets kurz abgebrochen wurden . Das Zusammenleben mit mir hatte bei ihm die unausbleiblichen Wirkungen hervorgebracht , denn es war ganz selbstverständlich , daß gewisse Anschauungen von mir auf ihn übergehen mußten . Ich ließ das geschehen , ohne ihn darauf aufmerksam zu machen . Es kam immer mehr