Haß und vermehrten nur ihr Lachen , wie sie von seinen Ansichten merkten ; und wenn er auch allen andern Spott fühlte , so spürte er hier doch nichts davon , daß sich die jungen Burschen über ihn lustig machten , wo sie ihn fragten , wie lang und breit der Himmel sei und ähnliches , sondern erklärte ihnen seine Meinungen , achtete gar nicht ihres Lachens , sondern hielt dieses wohl gar für Anerkennung und verhöhnte sie wegen ihrer Dummheit und Unbildung . Und so groß war sein Eifer , wenn er dergestalt lehren und sich rühmen konnte , daß er gar nicht merkte , wie er Hinkeding Wasenmeister genannt wurde , welche Namen ihn sonst zu heftigem Zorne bringen konnten . Wie der jetzige Pfarrer seines Vaters Stelle erhalten , war es schon zu spät gewesen , noch auf den armen Menschen einzuwirken , denn die Bosheit war schon ganz unausrottbar in ihm gewurzelt , und seine Meinungen hatten sich so in ihm befestigt , daß sie nicht mehr vernichtet werden konnten . So war es mit ihm denn immer schlimmer geworden , daß er am Ende ein gefährlicher Mensch war , der nur durch ein Wunder noch kein schweres Unheil angerichtet , vielleicht weil ihn seine Unbehilflichkeit an vielem hinderte . Denn weil sein eignes Gemüt schlecht war , und weil gegen ihn alle Menschen sich schlecht gezeigt hatten , so bildete er sich die Gedanken , es gebe gar keine Güte im Menschen , und sei auch allen alles erlaubt , nur daß sich immer einer vor dem andern fürchte . Dieser unglückliche Mann war nun im Hochalter gestorben ; und wiewohl die Leute im Dorf gewollt hatten , daß er beigescharrt werde wie ein Tier , wegen seiner Lästerungen und Bosheiten , hatte der Pastor doch verlangt , daß er ehrbar geleitet wurde , und nun hielt er ihm selbst eine Predigt . Jetzt stand der Mann vor Gottes Thron und wartete auf sein Urteil . Und sein Ankläger brachte ein großes Buch vor , in dem standen geschrieben die vielen Schmähungen und Lästerungen , Bosheiten und schamlose und niederträchtige Handlungen . Denn als eine im tiefsten Innern böse Person hatte er sich selbst an den unschuldigen Tieren und an jungen Bäumchen vergriffen . Aus bloßer Lust hatte er viele hundert junger Bäume abgeschnitten , die in Fröhlichkeit sich in der Frühlingsluft zu strecken gedachten , und Tiere hatte er nicht nur geworfen und geschlagen , sondern einmal hatte er einem jungen Hunde , der ihm treuherzig gefolgt war , ein Auge ausgestochen , und einem Pferd hatte er brennenden Schwamm unter den Schwanz gebunden . Nichts konnte sein Verteidiger erwidern , wie daß er erzählte von seiner elenden Kindheit und jämmerlichen Jugend , und daß er nur Schlechtes gesehen hatte in seinem Leben und nie Gutes ihm erwiesen war . Aber vor Gott gibt es keine Entschuldigung aus diesen Dingen , denn er sagt , daß er den Menschen eine reine Sonne an den Himmel gestellt hat , zu der sollen sie aufschauen . Da erzählte der Verteidiger zuletzt eine Geschichte , die einzige , die er hatte aufzeichnen können in seinem Buch . Vor langen Jahren , der Mann war noch ein Jüngling gewesen , hatte er einmal an einem Raine unter einem Quitschenbaum gesessen und an einem hölzernen Löffel geschnitzt , denn er erhielt sich durch Anfertigung und Verkauf von allerhand Holzwaren . Da kam ein kleiner dreijähriger Junge zu ihm , dessen Eltern im Feld arbeiteten und durch einen geringen Hügel verdeckt waren , nannte ihn und bat , er solle ihm eine Pfeife machen ; er konnte aber noch nicht alle Buchstaben sprechen , deshalb sagte er zu ihm Inkeding . Da sah Hinkeding das Kind an , stieg auf den Baum , der hoch war und glatt , schnitt ein passendes Reis ab und machte dem Kind eine Pfeife , indem er beim Klopfen das Liedchen sang , welches er selbst als Junge oft gehört , aber nie über seine Lippen gebracht hatte , weil er allein war und keine Pfeife haben mochte . Er war noch ein Jüngling gewesen damals , und als er älter wurde , schnitt er die Bäumchen ab und stach dem kleinen Hund ein Auge aus ; aber Gott sieht nicht in der Zeit wie wir , sondern ohne die Zeit ; was wir Menschen auch tun sollten , wenn wir uns herausnehmen , in sittlichen Dingen zu urteilen ; und weil er keine Seele von sich läßt , die auch nur eine Ahnung des Guten hat , denn er meint , daß durch Güte sich Güte vermehrt , was freilich nur für den Himmel paßt , und nicht für dieses irdische Gefängnis unsrer Seele hienieden , so nickte er dem Manne freundlich zu und nahm ihn auf in sein ewiges Leben . In dem Augenblicke hatte der Pfarrer seine Rede am Grabe beendet , und der eine oder andre der Umstehenden nahm sich vor , er wolle künftig seinen Kindern verbieten , solche Menschen zu verspotten , und wolle ihnen selbst ein Beispiel geben . Und die beiden Jünglinge oben am Waldesrande , die auf den Gottesacker niedersahen , dachten , daß sie eben froh gewesen waren , und daß ein Mensch begraben wurde , der unglücklich gewesen in seinem ganzen Leben . Nun hatte Hans die Schule durchgemacht und das Examen bestanden ; so sollte er jetzt die Universität beziehen . Bis dahin war er nie ganz von Hause weg gewesen , denn wenn er auch in den Wochentagen im Löwenhof in einem Dachkämmerchen war und in der Schule auf den Bänken saß zwischen den andern , so pilgerte er doch jeden Sonnabend nach Hause , durch den hohen Tannenwald , an stillen Holzhauerdörfchen vorbei zu seinem Vaterhaus , das auf einer umschlossenen Waldwiese stand , in schwarzen Schiefern , und krausen Rauch schickte es in die helle Luft . Aber nun sollte er weit fort reisen mit der Eisenbahn , aus