dortigen Sillan . Er mußte also auch Esara el Awar kennen , an den der Brief abgegeben wurde . Und nun kommt der Hauptpunkt : Schickt man ein Gesandten dahin , wo man sich selbst befindet ? « » Nein ; gewiß nicht ! « » Ist also anzunehmen , daß der Aemir-i-Sillan zu derselben Zeit im Irak war , als sein Stellvertreter sich dort befand ? « » Schwerlich ! « » Hierzu kommt , daß es sich um höchst wichtige Dinge handelte . Die Vernichtung der Karawane des Kammerherrn , die Bestechung des Sandschaki von Hilleh und noch so manches andere erscheint mir jetzt in einem ganz andern Lichte als damals . Ich werde später hierauf kommen . Aber das alles war so wichtig , daß der Aemir-i-Sillan ganz gewiß persönlich gekommen wäre , wenn er sich zu derselben Zeit in dieser Gegend befunden hätte . Ich bin also aus diesen und noch andern Gründen vollständig überzeugt , daß er es nicht selbst war , der diesen Brief in Korna abgegeben hat . Ich nehme vielmehr an , daß dies von dem Säfir besorgt worden ist . « » Wenn du das in dieser Weise darlegst , muß ich dir recht geben . Aber Ghulam , der Henker , welcher das Schreiben erhalten sollte , war doch in Persien . Warum wurde es ihm nicht direkt geschickt ? Warum mußte es einen so weiten Weg über das Ausland machen ? Ich begreife das nicht . Etwa du ? « » Ja . Ich glaube , den Grund zu kennen . « » So bin ich wohl begierig , ihn zu erfahren . « » Er heißt : Vorsicht ! Der Aemir-i-Sillan hat sich zu verstecken . Er hüllt sich in das tiefste Geheimnis ein . Seine persönliche Sicherheit erfordert das . Du hast doch gehört , daß der Pädär-i-Baharat Empörungsgedanken gegen ihn hatte ; er sprach von noch anderen , welche ganz derselben Gesinnung seien . Der Oberste der Schatten hat sich also nicht nur vor dem öffentlichen Gesetze , sondern sogar vor seinen eigenen Leuten sehr in acht zu nehmen . Niemand darf erraten , wer er eigentlich ist . Wir wissen ja , daß er stets einen Kettenpanzer trägt , wenn er am Montag des Soldes in die Versammlung seiner sogenannten Pädärahn tritt . Je größere Macht er einem seiner Untergebenen anvertraut , desto mehr hat er selbst ihn dann zu fürchten . Vor wem hat er sich wohl am meisten in acht zu nehmen ? « » Das weiß ich nicht ! « » Nicht ? Es ist aber doch so leicht , es sich zu denken ! Die Macht liegt nicht im Besitze , sondern in der Ausführung der Gewalt . Die Gewalt über Leben und Tod aber ist die höchste . Kennst du den nicht , der die hierauf bezüglichen Befehle auszuführen hat ? « » Maschallah ! Jetzt weiß ich es ! Ghulam el Multasim . Er ist ja der Henker ! Du dachtest doch an ihn , Effendi ? « » Gewiß ! Der Aemir-i-Sillan hat sich vor niemand so zu hüten wie vor seinem Henker , weil dieser der blutige Schatten seiner eigenen Verbrechen ist . Er hat sich unausgesetzt und so sorgfältig vor ihm zu verstecken , daß nicht die geringste Ahnung aufkommen kann , wer der Fürst ist und wo er sich befindet . Und doch hat er ihn ebenso unausgesetzt und sorgfältig im Auge zu behalten , um stets über die Gesinnungen des Henkers genau unterrichtet zu sein . Darum schreibt er ihm hier in dem Briefe : Du weißt , daß ich zwar unsichtbar , doch auch allmächtig und allgegenwärtig bin ! Er wird sich also fast immer in der Nähe des Henkers befinden , teils aus Vorsicht und teils , um ihn stets zur Ausführung seiner Befehle an der Hand zu haben und dabei beaufsichtigen zu können . Wer den Fürsten der Schatten finden will , muß zu Ghulam el Multasim suchen gehen ! « Da klatschte der Pedehr seine Hände laut zusammen und rief aus : » Effendi , ich war zwar still bisher , aber ich bin auch mit spazieren gegangen . Es ist ja ganz erstaunlich , was du alles siehst und zusammenholst , wenn man so mit dir geht ! Doch sobald man es dann in die Hände nimmt und ganz genau betrachtet , möchte man sich fast vorwerfen , blind gewesen zu sein . Jetzt aber sind auch mir einige Gedanken gekommen , welche ich dir mitteilen möchte . Erlaubst du es ? « » Von Erlaubnis kann keine Rede sein . Ich bitte dich darum , « antwortete ich . » Ihr habt vorhin noch einige Sillan vergessen . Nämlich die zwei Männer im Khan Iskenderijeh , wo ihr eure Pferde tränktet und von den beiden hörtet , daß die Karawane des Kammerherrn kommen werde . Sie waren keine Perser und hatten nur silberne Ringe . Auch das deutet darauf hin , daß die hohen Sillan sich nur hier in Persien befinden . Ich habe aber einen noch viel besseren Beweis hierfür . Nämlich der Pädär-i-Baharat erwähnte eine Synagoge , in welcher diese Hohen am Montage des Soldes zusammenkommen . Läge diese Synagoge da , wo man arabisch oder türkisch spricht , so hätte er sie ganz gewiß Sinawon , Chawra oder Jähudi Chawrasy genannt . Da er sie aber als Mäjmä-i-Yähud bezeichnete , so ist anzunehmen , daß sie hier in Persien liegt . Ebenso vermute ich , daß die Pädärahn ihren Wohnsitz nicht in großer Ferne von ihr haben können , weil es ihnen sonst nicht möglich sein würde , sich an dem Versammlungstage regelmäßig einzufinden . Giebst du mir da recht ? « » Ja . Grad hierauf wollte ich euch später aus ganz besondern Gründen aufmerksam machen . « » Und nun die Gewürze , « fuhr der Pedehr fort . » Die sind mir aufgefallen . Es wurde von einem Vater der Gewürze gesprochen