denken kann . Wir ritten der Pest entgegen , die erst dich , dann mich ergriff . « » So erinnere dich genau ! Vergleiche deinen damaligen Zustand mit deinem jetzigen ! « » Allah ! Hast du etwa Grund , jetzt wieder an die Pest zu denken ? « » Nein , sondern einstweilen nur an das Kranksein im allgemeinen . Daß du Schwindel hast , macht mich besorgt . « » Jetzt ist er wieder weg ; aber ich habe Figuren und bunte Fäden vor den Augen , die mich hindern , deutlich und klar zu sehen . « » Hm ! Halef , ich wollte , wir hätten unsere Pferde und überhaupt unser Eigentum wieder und befänden uns an einem stillen , sicheren Orte , an dem wir bleiben könnten ! « » Sihdi , lieber Sihdi , mache mir doch nicht Angst mit deiner Sorge um mich ! Ich bin ja ganz gesund ! Schau , vorhin fror es mich ; jetzt aber ist das völlig weg ; es ist mir sogar heiß , ganz heiß geworden . Habe also keine Angst . Ich bin so rüstig , wie ich stets gewesen bin und wie ich bleiben werde , bis ich sterbe ! « Es wäre ein großer Fehler gewesen , ihm diese gute Meinung zu widerlegen ; darum sagte ich nichts , und da auch er nicht weiter sprach , so ritten wir nun still nebeneinander her . Nafar Ben Schuri ritt voran ; dann folgten wir zwei , und hinter uns kamen seine Leute . Es war eigentümlich , daß der Anführer sich nicht zu uns hielt , aber keineswegs unerklärlich . Wir sahen , daß er der Fährte , welcher wir folgten , große Aufmerksamkeit widmete ; das hätte er nicht gekonnt , wenn er gezwungen gewesen wäre , sich mit uns zu unterhalten . Auch lag es für den Scheik , der überdies die Gegend genau kannte , sehr nahe , sich an der Spitze des kleinen Zuges zu halten . Vielleicht war er überhaupt ein schweigsamer Mann , der nur dann sprach , wenn er es für nötig hielt . Oder galt es bei ihm als ein Beweis der Achtung und Höflichkeit , sich nicht zu uns zu gesellen und uns mit neugierigen Fragen und überflüssigen Reden zu belästigen ? Wahrscheinlich hielt er sich auch nicht für befähigt oder erfahren genug , auf ein Gespräch mit Leuten einzugehen , denen er sich nicht geistig gleichgestellt fühlte . Kurz , es gab Gründe genug , seine Absonderung von uns zu erklären . Nur an eines dachten wir nicht , nämlich daß ihn das böse Gewissen oder die Vorsicht abhalte , neben uns zu reiten und sich nach Verhältnissen fragen zu lassen , über welche er nicht Auskunft geben wollte . Da hätten wir ihn ja für unehrlich halten müssen , ihn , der doch eigentlich unser Retter war , und dazu fehlte uns , zumal in unserer gegenwärtigen Lage , die Befähigung . Uebrigens kam es zuweilen vor , daß er uns eine Bemerkung über den Weg , die Gegend oder über die Spuren , denen wir folgten , zuwarf , und das genügte uns so vollständig , daß wir gar nicht mehr von ihm verlangten . Mich beschäftigte der Gedanke an Halef außerordentlich . Mir erschienen seine Wangen jetzt noch tiefer als vorher eingefallen . Ich sah sie bald sich entfärben , bald dunkler werden . Oder bildete ich mir das nur ein ? Seine Augen blickten jetzt matt und starr , und gar nicht lange , so schienen sie in ungewöhnlichem Glanz zu strahlen . Auch hierin konnte ich mich täuschen , doch nicht darin , daß er zuweilen tief und seufzend Atem holte , was ich bei ihm noch nie bemerkt hatte . War seine Frage nach dem Sterben einer Vorahnung entsprungen , daß eine schwere Krankheit die fleischlosen , gierigen Hände nach ihm ausstrecke ? Fast erschrak ich , denn grad als mir dieser Gedanke kam , wendete er mir sein Gesicht zu und sagte : » Sihdi , ich komme mit meiner Frage noch einmal : Wie denkst du über das Sterben ? « » Wir haben das ja schon besprochen , « antwortete ich . » Nein , noch nicht ! « » Wieso ? « » Du hast mir nicht geantwortet . Du warst so klug , wie du immer bist , wenn du meinst , daß ich nach etwas frage , was ich noch nicht verstehen kann . Dann antwortest du mir dadurch , daß du mich selbst antworten lässest . Aber ich wollte doch nicht hören , was ich denke , sondern wie du denkst . « » Lieber Halef , frage nicht jetzt nach solchen Dingen ; es ist nicht Zeit dazu . « » Warum ? « » Muß ich dir das erst erklären ? Was weiß der Mensch vom Sterben ? Und wenn er ja darüber nachdenken , oder gar darüber sprechen will , so soll er das in stiller , geräuschloser Stunde thun , in welcher er nicht von dem Leben abgehalten wird , seine Gedanken mit dem Sterben zu beschäftigen . Sei gut , lieber Halef , und laß jetzt diese Frage fallen ! « » Sei gut , lieber Halef ! O , Sihdi , wenn du in dieser Weise zu mir sprichst , so könnte ich nicht nur vom Sterben sprechen , sondern selbst und wirklich sterben - - für dich , aus Liebe , ja , aus Liebe ! Wenn doch alle , alle Menschen nur in diesem Tone zu einander sprechen wollten ! « » Alle ? « » Ja , Sihdi ! « » Auch die guten mit den bösen ? « » Ja , auch ; denn dann würden die einen vielleicht durch die anderen gerettet werden ! « » Ist das dein Ernst ? « » Ja . « » Hm ! « » Wieder dieses Hm ! . Hinter diesem