als sie zuerst nach Berlin gekommen war , ganz im Anfang , als sie noch gehofft hatte , es zu einem blühenden Geschäft zu bringen . Vater und Schwester spielten in Lenas Plänen keine Rolle . Auch kein zukünftiger Gatte , mit dem sie ohne Ansehen von Geld und Gut würde leben und glücklich sein können , weil sie selbst genug erwarb , um mit ihm zu teilen . Immer mehr und mehr redete Lena sich in ein Zukunftsbild hinein , das wohl erst kürzlich durch den Verkehr mit Bornstein so bestimmte Gestalt angenommen haben musste . Gesellschaften , glänzende Diners und Soupers , elegante Toiletten , Reisen und was sonst noch alles zu dem Luxus der oberen Zehntausend gehört , schilderte sie Lotte in glühenden Farben . Sie sprach sich in einen förmlichen Rausch , aus dem sie mit glühenden Backen und glänzenden Augen erst wieder zu sich kam , als Lotte ein paar dünne Scheiben Schlackwurst und ein paar Stücke trockenen Schwarzbrots auftrug . Essbutter hatte Lotte seit dem Ersten gestrichen . Lena sah empört auf den kargen Imbiss . » Ist denn von Franz Kriegers Weihnachtssendung nichts mehr da ? « fragte sie vorwurfsvoll . » Doch Lena , aber wir müssen sparsam damit umgehen . Für Essen und Trinken darf ich in diesem Monat nur das Allernotwendigste noch ausgeben . « Lena zuckte die Achseln . Dann , nachdem sie das Brot mit der dünnen Schlackwurstscheibe ein paar Mal hin- und hergedreht hatte , entschloss sie sich kurz und biss mit ihren prachtvollen Zähnen kräftig hinein . Auf den Berliner Telephonämtern ging es an einem Tage um die Mitte Februar zur Börsenzeit heiss her . Eine neue , über Nacht hereingebrochene politische Konstellation liess plötzlich alle Werte schwanken . Eine lange nicht dagewesene allgemeine Baisse trat ein , und das Telephon hatte stundenlang nichts Anderes zu thun , als unwillkommene Botschaften , zweifelnde Fragen und noch zweifelndere Antworten hin und her zu befördern . Auch auf dem Amt , auf dem Lena arbeitete , herrschte fieberhafte Thätigkeit . Sämtliche Beamtinnen waren mit Eifer und Hingebung auf ihrem Posten und liessen sich Mühe und Anstrengung nicht verdriessen . Sie wussten ja , dass es heute keiner ihrer Berliner Kolleginnen anders ging und dass dies Arbeitstempo naturgemäss nicht lange andauern konnte . Nach Börsenschluss musste es ruhiger werden . Selbst Lena , die während der letzten Tage immer lässiger in ihrer Arbeit geworden war , nahm sich heute zusammen . Es war beinahe , als ob sie wisse , dass man sie seitens der Aufsichtsbeamten heute besonders scharf aufs Korn genommen habe . Gegen Mittag liess der fieberhafte Betrieb nach . Es war eine verhältnismässige Stille eingetreten . Eine besänftigende Ruhe nach dem Sturm . An einem der mit grünem Tuch bezogenen Tische , an denen die Aufsichtsdamen sich zeitweise zu schriftlichen Arbeiten niederlassen , trat der oberste Aufsichtsbeamte heran . Er beugte sich ein wenig zu einer älteren Dame mit schlichtem grauem Scheitel nieder und sagte halblaut : » Nun Fräulein Löffler , wie steht es mit Fräulein Weiss ? « Das ältliche Fräulein zuckte mit den Schultern und machte ein betrübtes Gesicht . » Immer dieselbe Geschichte , Herr Strömer . Unaufmerksam und flüchtig . Augenblicklich nimmt sie sich ja zusammen . Schade um das nette , begabte Mädchen . Ich fürchte , wir werden sie zum Ersten entlassen müssen . « » Wenn es nur nicht Knall und Fall sein muss ! Mir scheint , wir kommen nicht darum , so leid es mir thäte . Das Betragen des Mädchens ausser dem Dienst - « » Ist da auch etwas vorgefallen ? « fragte Fräulein Löffler ganz bestürzt . Der Beamte rieb sich mit dem Zeigefinger ein paar Mal über den stark geröteten Nasenrücken , ehe er antwortete . » Hm , Fräulein , ja , das ist so eine Sache . So ' ne hübsche junge Person . Man kann es ihr ja im Grunde nicht verdenken . ' N bischen Plaisir will der Mensch auch haben . Soll sich da so was angebandelt haben mit einem jungen Bankier . - Na und das darf doch nu ' mal nicht sein ! « » Wissen Sie das bestimmt , Herr Strömer ? Vielleicht ist es nichts als eine der vielen Klatschereien , die die Mädchen untereinander aushecken . « » Das dachte ich anfangs auch . « Und Herr Strömer rieb immer stärker auf seinem Nasenrücken herum . » Aber leider ist es nicht so . Ich kann Ihnen gar nicht sagen , Fräulein Löffler , wie leid es mir thut . Es ist wirklich was dran an der Geschichte . Das heisst - Sie müssen nicht gleich das Schlimmste denken . « Fräulein Löffler wandte sich schamhaft ab . » Wie man in Berlin sagt - » sie geht mit ihm « . Er trifft sie an irgend einer Ecke abends , wenn sie vom Dienst kommt , dann gehen sie in ein Restaurant oder , wenn ' s mit der Zeit so passt , ins Theater . Da ist ja nun an und für sich am Ende nichts weiter dran , tausende von Mädchen machen es so und bleiben dabei ganz anständig - aber als Königliche Beamtin , da geht das doch nicht , da geht das doch nicht ! « Herr Strömer stiess das Letztere förmlich jammernd heraus . Er war in seinem Privatleben niemals das Urbild der Tugend gewesen und dabei doch ein tüchtiger Beamter geblieben . Es wurmte ihn , dass man hier so streng mit den armen jungen Dingern ins Gericht ging . Das Fräulein war aufgestanden , um einen neuen Rundgang zu beginnen . Sie dachte zwar weit strenger über den Fall als Herr Strömer , aber sie wollte Lena ebenso ungern plötzlich preisgeben . » Reden Sie doch dem Mädchen ' mal ordentlich ins Gewissen , Herr Strömer , eh ' man ' s an die grosse Glocke hängen muss . Sie kann ja , wenn