vom königlichen Schauspielhause gewesen - geradezu stupend ! Man war noch im besten Zuge des Kritisierens , als der Vorhang wieder auseinander schwirrte : Fräulein Lotte von Breitenbach steht als Erna am Fenster des mütterlichen Salons , den Liebsten erwartend , der , zu ihrem großen Erstaunen , mit einer ihr unbekannten , eleganten jungen Dame über den Platz kommt , um sich von dieser an der Hausthür zu verabschieden nach einem augenscheinlich wichtigen Zwiegespräch . Die Fremde - Frau von Sorbitz - als schneidige amerikanische Miß , wird von dem Bedienten eingeführt - die kleine Komödie der Irrungen beginnt . Von der Zaghaftigkeit des Publikums während des ersten Stückes war jetzt nichts mehr zu spüren . Man war nun einmal in der Gebelaune und gab mit vollen Händen . Jede drolligere Situation , jede witzigere Wendung , jede kühnere Pose - alles wurde belacht , beklatscht , bejubelt . Es kamen Momente , wo die Spieler auf der Bühne pausieren mußten , weil sie von dem Beifallslärm , der ihnen entgegenschallte , ihre eigenen Worte nicht mehr verstanden . Das steigerte dann wieder den guten Mut , mit dem sie an ihre Aufgabe gegangen waren , zum Übermut ; und hatten sie im Anfang manchmal vor dem Lachen der Zuhörer nicht weiter sprechen können , wurde es ihnen jetzt von Minute zu Minute schwerer , ihre Ernsthaftigkeit zu bewahren . In solchen kritischen Momenten war es jedesmal die Geistesgegenwart Klotildens , die der drohenden Gefahr , das Ganze aus den Fugen gehen zu sehen , die Spitze abbrach , indem sie durch ihr geistreiches stummes Spiel , eine mit besonderer Verve vorgebrachte Phrase , im äußersten Falle durch eine kühne Improvisation die Aufmerksamkeit von den andern auf sich zu lenken wußte . Zur Bewunderung und zum Entzücken Albrechts , der neben dem Souffleur hinter der deckenden Säule stand und nun die Rettung seines , durch den Leichtsinn der andern bedrohten Stückes in der Hand der Frau sah , die er liebte . Die den Widerstrebenden immer wieder zur Liebe , zur Anbetung zwang . Mochte sie zuerst für ihre Person nach dem Beifall des Publikums die verlangenden schönen Hände strecken - sein Herz flüsterte ihm zu : sie hat dabei doch Dein nicht vergessen , trägt mit vorsichtiger Kraft dein Werk , wie ein kostbares Gefäß , durch den Wirrwar , in dem es zu zerschellen droht ; und kann sie dich nicht von Herzen lieben um deiner selbst willen , hat sie doch Achtung vor deinem Talent . Ist das nicht viel ? ist es nicht mehr als du verlangen kannst ? Man liebt die Götter ja nicht , weil sie uns wieder lieben , sondern , weil sie so groß und herrlich sind , daß unsre Kniee sich beugen müssen , sie mögen nun wollen oder nicht . Wie meine Kniee sich beugen vor dir , du schönste , du einzige Frau ! Im Stück war die heimgekehrte Mama aufgetreten , hatte den so schnell geschlossenen Bund der jungen Herzen gesegnet ; die seidene Gardine rauschte zusammen , und wieder und wieder auseinander und zusammen bei dem nicht endenwollenden Beifallsjubel der elektrisierten Gesellschaft . Und jetzt hatten erst einzelne , dann viele Stimmen auf einmal energisch nach dem » Dichter « gerufen ; Fräulein von Breitenbach und Frau von Sorbitz kamen zu der Stelle gelaufen , wo er , nun doch mit freudig klopfendem Herzen , stand , und zerrten und führten ihn auf die Bühne , wo er dann , die beiden Damen krampfhaft an den Händen haltend , seine Verbeugung machte . Und - nun ohne Begleitung der Damen - noch wiederholt machen mußte , bis er sich endlich zu ein paar Worten entschloß , in welchen er die freundliche Anerkennung seiner schwachen Leistungen auf die Darsteller übertragen zu wollen bat , als auf das Licht , das , von innen seines armseligen Kirchleins heraus leuchtend , die verworrenen Farben der Fenster in so anmutendem Schein hätte erglänzen machen . Laute Bravos , die noch andauerten , als der Vorhang nun wirklich zum letztenmal sich geschlossen hatte , kamen ihm aus dem Publikum zurück . Auf der Bühne schüttelten die von ihrem Erfolg berauschten Darsteller einander die Hände und stoben nach allen Seiten davon , als jetzt die geschlossene Coulisse förmlich auseinanderbrach vor den eifrigen Händen der Arbeiter unter Führung ihres Meisters . Binnen zehn Minuten müsse alles abgeräumt sein , sonst sehe es um das Abendessen der Herrschaften übel aus . Vorgesehen ! Vorgesehen ! Um Himmelswillen ! rief Klotilde . Ein paar Arbeiter , die ein großes Versatzstück schleppten , hätten sie beinahe umgerannt . Seitwärts springend , war sie in einen Winkel geraten , den zwei aneinander geschobene Coulissen bildeten , und in den sich Albrecht einen Moment vorher ebenso geflüchtet hatte . Plötzlich war die nach der Bühne zu freie Seite auch geschlossen : die Arbeiter hatten das Versatzstück vor die Öffnung geschoben , achtlos der beiden so Gefangenen , die in dem engen Raum Schulter an Schulter gedrängt standen . Gnädige Frau ! stammelte Albrecht . Du liebster Mann ! flüsterte Klotilde , ihn mit beiden Armen umschlingend und einen heißen Kuß auf seine Lippen drückend . In der nächsten Sekunde klaffte die Öffnung nach der Bühne wieder ; Klotilde war davongeschlüpft , langsamer folgte Albrecht , betäubt von seinem ungeheuren Glück und der rasenden Kühnheit , mit welcher die geliebte Frau ihm ihre Gunst gewährt auf die Gefahr hin augenblicklicher fürchterlichster Entdeckung . War doch alles - ihr beiderseitiges Verschwinden , das Vorschieben , das Wegschieben des Versatzstückes - so blitzschnell vor sich gegangen - niemand hatte von der wundersamen Episode das mindeste bemerkt . Er sah es an der unbefangenen Miene der geschäftigen Arbeiter und der paar Damen und Herren , die noch auf der Bühne miteinander scherzten , um sich nun auch eiligst von der Trümmerstätte in die sicheren Garderobezimmer zu retten . Vierzehntes Kapitel Als Albrecht eine Viertelstunde später mit Luckow und ein paar andern »