mich sehne , lebt noch nicht , ist noch nicht geboren , wird wahrscheinlich nie geboren werden . Sieh , ich sah so lange da in die Wüste hinein und glaubte zuletzt eine wilde Dschinne zu sehen mit schwarzem Gesicht und blauen Augen . Ich bilde mir jetzt fast schon ein , daß diese Dschinne wirklich irgendwo lebt - und ich liebe diese Dschinne - lieben will ich nicht sagen - das Wort lieben ist zu oft mißbraucht - es sagt mir zu wenig - doch Du verstehst mich ja - atme ich Pestluft ? « Tschirsabâl schüttelt den Kopf und erwidert sanft : » Nur die gewöhnliche Sinnlichkeit der tierisch lebenden Menschen erzeugt Pestluft . Wir müssen anders als die Tiere leben . Nicht ein Weib darf das Ziel unsrer Sehnsucht sein . Die Gottheit müssen wir lieben . « » Die Gottheit ? « fragt Safur . » Ja - den einzigen großen wahren Gott « , versetzt der Priester , » den müssen wir lieben . Die Götter und Götzen der Erde sind nur die Vermittler zwischen dem Menschen und dem Einzigen , dessen Namen wir nicht unnütz aussprechen sollen . Aber - « und hier wird die Stimme des Priesters etwas heiser , » wir sollen den großen Gott , der die ganze Welt umschließt , wirklich lieben - mit allen Nerven und mit allen Muskeln , die wir haben . Und wisse - - - der Allgott offenbart sich in unsrem besten Freunde - und - ja - im Freunde - sollen - wir - den - Gott - lieben - noch mehr - anders als menschlich lieben . Ja - Du hast Recht - das Wort lieben genügt nicht , wenn wir die wahre große Leidenschaft bezeichnen wollen , in der Alles untergeht , die Alles verschlingt - die nur die ewige Vereinigung mit dem Geliebten will - die daher auch nur ihre ganze Befriedigung - im Tode - im Letzten - finden kann . Die großen Priester der Erde dürfen nicht lieben wie die gewöhnlichen Menschen , sie dürfen nur den großen Gott lieben - und ihn sollen sie lieben im besten Freunde ! Safur , versteh mich ! Vielleicht hörst Du meine Worte nicht noch einmal . Vielleicht sterbe ich in der nächsten Stunde , und Niemand sagt Dir mehr , was es heißt - Sehnsucht nach der ewigen Vereinigung mit dem großen Gott haben und sterben - sterben wollen - sterben müssen , weil man nur lebt , um sich ganz auflösen zu können in dem , den man mehr liebt als Alles ! Denk nach , ob Du nicht auch so sterben willst ! Denk nach ! Safur ! Nur im Tode wirst Du selig werden . Nur der Sterbende hat Alles - und mehr als Alles ! « Und der gewaltige Riese zittert am ganzen Körper , seine Augen glühen , sein Atem keucht wie der Atem eines blutdürstigen Tieres , das sein Opfer sieht ... Tschirsabâl stürmt mit großen Schritten davon und verschwindet in einem dunklen Gange . Safur bleibt fast starr zurück . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - In der Tiefe des Tempels - ganz tief - tief unter den Grabkammern - da befindet sich ein stiller Saal - der Opfersaal . Da ist es sehr kalt . Den Boden bedecken feine Alabasterplatten , in die viele alte Zeichen und Figuren hineingegraben sind . Einzelne Stellen des Alabasterbodens in den Ecken des Saales sind mit Keilschrift bedeckt . Und die Wände des Opfersaales bestehen aus blauem Lapis lazuli . Auch die Wände sind mit alten Bildern und mit Buchstaben bedeckt - die letzteren sind schweres Gold . Die Decke ist ganz von Silber . Ganz mit Silber beschlagen sind auch die großen breiten Tragbalken der Decke . Das Silber ist aber nicht blank , an manchen Stellen ist es sogar ganz schwarz . Sehr kalt und sehr leer sieht der Saal aus . Und schrecklich still ist es da unten . Und da unten kommen jetzt die sieben großen Priester zusammen . Die blauen Turbane werfen die Priester hastig in die eine Ecke des viereckigen Saals . Das Haar der Priester ist auch nach assyrischer Sitte gekräuselt - nicht kurz geschoren - wie das Haupthaar der Araber in Bagdad ... Dann aber betreten den Saal sieben Knaben - mit langen , nicht gekräuselten Locken - und in gelben Seidengewändern . Die Knaben sind groß und schlank . Ihre Haltung ist schlaff . Ihre schwarzen großen Augen glühen aber , als wenn sie Entsetzliches sähen . Ihr Gesicht sieht so wächsern aus , als hätten sie schon lange nicht mehr das Tageslicht erblickt . Der Opfersaal wird nur spärlich von kleinen grünen Flämmchen erleuchtet , die an den Wänden in kleinen Ölschalen brennen . Das grüne Licht macht den Saal noch unheimlicher . Den Knaben sträuben sich zuweilen die Haare . In der Mitte des Saales steht auf einem eisernen Gestell eine längliche , mit himmelblauen Türkisen verzierte Wanne , in der auch ein sehr großer Mensch vollauf Platz haben würde . In der Wanne ruhen vierzehn große Perlen , die sich in der Form ganz gleichen - nur in der Farbe verschieden sind . Die eine Perle ist schwarz . Das ist die Todesperle . Die vierzehn im Opfersaal versammelten Menschen treten an die Wanne und greifen langsam gleichzeitig hinein und nehmen behutsam , ohne hinzusehen , eine Perle heraus . Dann heben sie die Perle empor . Die schwarze Perle ist in den Fingern des größten Knaben , der viel schöner aussieht als die andern . Ein gräßlicher Schrei schallt durch den stillen Raum . Tschirsabâl schrie - - - der Knabe , den er am meisten liebt , der sein bester Freund ist , der Knabe hat die Todesperle in den Fingern - der muß sterben . Und der Oberpriester heult - wie ein wildes