man nie vergiebt , wenigstens eine Frau nicht . Reden wir von anderm « . » Alice ! « Die junge Frau holte trällernd eine Schmuckkassette herbei . » Sieh mal , wie nett . Dieses Collier hat er mir neulich geschenkt « . » Wer ? « » Na , wer wird mir denn ein Collier schenken ? Herr Schüler natürlich . Mit dem - Andern ist ja nichts anzufangen « . Sie unterdrückte einen Seufzer . » Meinst Du Lohringer ? « fragte Johanne schüchtern . Sie wußte nicht warum , aber bei der Bemerkung der Freundin jauchzte innerlich etwas in ihr auf . » Ja , ich meine ihn « . » Aber er kommt doch oft zu dir , nicht ? « » Gewiß . Was habe ich aber schließlich von seinem Kommen , wenn er mich ewig als Spielsache , als unmündiges Kind behandelt ? Meinst du , er führte jemals ein ernsthaftes Gespräch mit mir ? « » Das thut er nicht , ich weiß wohl , aber innerlich ist er doch ein ganz ernsthafter Mensch « . » Ach was , innerlich . Das geht mich nichts an . Wenn er nur äußerlich thäte , was ich will « . » Was willst du denn ? « » Mein Gott : was willst du ? Frag doch nicht so albern « . Johanne errötete . » Aber du bist doch eine verheiratete Frau « . » Kommst du mir mit dem ? « rief Alice heftig . » Wer hat mir denn beigebracht , daß das Band der Ehe nur zum Zerreißen da ist . Wer hat mich denn , mich , die Unerfahrene , eingeweiht in den ganzen Schmutz , die Niederträchtigkeit vorurteilsloser Anschauungen ? Wer denn ? Wenn ich ihm eine gelehrige Schülerin bin , ist das kein Unrecht , nichts Wundernswertes « . » Ich weiß nicht , eine Frau ist doch aber kein Mann « meinte Johanne . » Ein Mann kann sich besudeln , die Flecken lassen sich ausmerzen ; an einer Frau bleiben sie haften « . » Ach Gott , thu nicht so fromm , du hast doch auch Einen . Und überdies Flecken , was sind Flecken ? Wenn ich das so nehmen wollte . Die ersten , die nie wieder sich ausmerzen lassen , hat mir mein eigener Mann beigebracht . Was ich jetzt thue , ist nicht mehr , als daß ich einen schönen Schleier voll gestickter Blumen über sie lege . Laß mich gehen ... « Johanne zitterte vom Kopf bis zu den Füßen vor Scham , Aerger und Mitgefühl . Aber das Wort : » Du hast doch auch Einen « brannte auf ihr . Alice machte sich bei ihrem Theekessel zu thun ; dann trat sie vor den Spiegel und ordnete die kleinen , reizenden Löckchen . Johanne saß ein Weilchen still im Sessel , dann erhob sie sich . » Adieu , Alice « . » Wartest du den Thee nicht ab ? « fragte jene , ohne sich umzuwenden . » Nein « . » Na , dann geh und verachte mich « . Sie kehrte sich schnell mit tragischer Geberde um und lachte höhnisch . » Ich dich verachten ! Keine Rede « . Johanne blickte sie mit ihren blauen treuherzigen Kinderaugen an . » Leid thust du mir « . » Wirklich ? « Die junge Frau näherte sich ihr einen Schritt . » Gewiß , Alice . Du verkennst mich . Ich bin nicht mehr so , wie ich war « . Ihre Stimme schwankte ein wenig . » Aber das mit dem Einen ist unrichtig . Tage ist nur mein Freund , nicht mehr . Ich - « » Du Liebe ! « Alice warf sich ihr an die Brust . » Ich denke nicht mehr so streng , das heißt über - die Anderen . Es muß wohl so sein müssen , daß keiner ganz und rein bleiben kann , weil Alle nur halb und - nicht lauter sind . Weißt du , ich komme eben vom Lande ; bei uns sind sie anders . Wenn sie fallen , geschieht es so plump und ehrlich , das jeder mit dem Finger auf sie zeigen , sie verachten , meiden kann , je nachdem er will . Hier vollzieht sich alles unter dem Schleier des Scheins . Der blendet einem die Augen , man weiß schließlich nicht mehr , was echt , was unecht , was häßlich , was schön ist . Leb wohl , Alice « . » Komm doch bald wieder , hörst du ? « » Ich wills « . Auf dem Nachhausewege dachte Johanne über sich und die Freundin nach . Hatte Alice im Grunde genommen so unrecht ? Ihr Mann hatte sie betrogen ; sie suchte bei einem Andern Trost für das ihr zugefügte Leid . Dieser Andere war ebenfalls kein Schurke ; er nahm vom Leben , was es ihm bot . Er wie Tage , beide verlachten ihre strengen bäuerlichen Grundsätze . Und die Andern , Mink , Wewerka , Babinsky , alle , deren Gestalten in deutlichen Umrissen in ihrem Gedächtnis hafteten , diese ganze Gesellschaft war einer Ansicht . Sie stand allein mit ihrem Protest gegen die herrschende Sitte . War es eigentlich nicht lächerlich ? Wenn sie eine große Schriftstellerin werden wolle , müsse sie den Mut haben , dem Leben , wie es war , ruhig ins Auge zu sehen , sagte ihr Tage beständig vor . Sie wollte es auch thun . Es gehörte eben dazu . Schließlich , wenn man sie , das kleine Landmädchen , auf die eine , und die ganze Gesellschaft auf die andere Seite stellte , mußte doch die Mehrzahl recht behalten gegen sie . Lag nicht vielleicht viel Selbstüberhebung in ihr ? Sie ging nach Hause und begann eine kleine Geschichte zu schreiben . Sie schickte sie Tage . Er erwartete sie draußen auf den Baugründen