wagen ... « » Ich bitte dich , Geert , wo denkst du hin ? Es ist ja himmlisch , so hinzufliegen , und ich fühle ordentlich , wie mir so frei wird und wie alle Angst von mir abfällt . Und nun soll ich das alles aufgeben , bloß um den alten Leuten eine Stippvisite zu machen und ihnen sehr wahrscheinlich eine Verlegenheit zu schaffen . Um Gottes willen nicht . Und dann will ich vor allem auch die Geschichte hören . Also wir waren bei Kapitän Thomsen , den ich mir als einen Dänen oder Engländer denke , sehr sauber , mit weißen Vatermördern und ganz weißer Wäsche ... « » Ganz richtig . So soll er gewesen sein . Und mit ihm war eine junge Person von etwa zwanzig , von der einige sagen , sie sei seine Nichte gewesen , aber die meisten sagen , seine Enkelin , was übrigens den Jahren nach kaum möglich . Und außer der Enkelin oder der Nichte war da auch noch ein Chinese , derselbe , der da zwischen den Dünen liegt und an dessen Grab wir eben vorübergekommen sind . « » Gut , gut . « » Also dieser Chinese war Diener bei Thomsen , und Thomsen hielt so große Stücke auf ihn , daß er eigentlich mehr Freund als Diener war . Und das ging so Jahr und Tag . Da mit einemmal hieß es , Thomsens Enkelin , die , glaub ich , Nina hieß , solle sich , nach des Alten Wunsche , verheiraten , auch mit einem Kapitän . Und richtig , so war es auch . Es gab eine große Hochzeit im Hause , der Berliner Pastor tat sie zusammen , und Müller Utpatel , der ein Konventikler war , und Gieshübler , dem man in der Stadt in kirchlichen Dingen auch nicht recht traute , waren geladen und vor allem viele Kapitäne mit ihren Frauen und Töchtern . Und wie man sich denken kann , es ging hoch her . Am Abend aber war Tanz , und die Braut tanzte mit jedem und zuletzt auch mit dem Chinesen . Da mit einemmal hieß es , sie sei fort , die Braut nämlich . Und sie war auch wirklich fort , irgendwohin , und niemand weiß , was da vorgefallen . Und nach vierzehn Tagen starb der Chinese ; Thomsen kaufte die Stelle , die ich dir gezeigt habe , und da wurd er begraben . Der Berliner Pastor aber soll gesagt haben : Man hätte ihn auch ruhig auf dem christlichen Kirchhof begraben können , denn der Chinese sei ein sehr guter Mensch gewesen und geradesogut wie die anderen . Wen er mit den anderen eigentlich gemeint hat , sagte mir Gieshübler , das wisse man nicht recht . « » Aber ich bin in dieser Sache doch ganz und gar gegen den Pastor ; so was darf man nicht aussprechen , weil es gewagt und unpassend ist . Das würde selbst Niemeyer nicht gesagt haben . « » Und ist auch dem armen Pastor , der übrigens Trippel hieß , sehr verdacht worden , so daß es eigentlich ein Glück war , daß er drüber hinstarb , sonst hätte er seine Stelle verloren . Denn die Stadt , trotzdem sie ihn gewählt , war doch auch gegen ihn , geradeso wie du , und das Konsistorium natürlich erst recht . « » Trippel sagst du ? Dann hängt er am Ende mit der Frau Pastor Trippel zusammen , die wir heute abend sehen sollen ? « » Natürlich hängt er mit der zusammen . Er war ihr Mann und ist der Vater von der Trippelli . « Effi lachte . » Von der Trippelli ! Nun sehe ich erst klar in allem . Daß sie in Kessin geboren , schrieb ja schon Gieshübler ; aber ich dachte , sie sei die Tochter von einem italienischen Konsul . Wir haben ja so viele fremdländische Namen hier . Und nun ist sie gut deutsch und stammt von Trippel . Ist sie denn so vorzüglich , daß sie wagen konnte , sich so zu italienisieren ? « » Dem Mutigen gehört die Welt . Übrigens ist sie ganz tüchtig . Sie war ein paar Jahr lang in Paris bei der berühmten Viardot , wo sie auch den russischen Fürsten kennenlernte , denn die russischen Fürsten sind sehr aufgeklärt , über kleine Standesvorurteile weg , und Kotschukoff und Gieshübler - den sie übrigens Onkel nennt , und man kann fast von ihm sagen , er sei der geborne Onkel - , diese beiden sind es recht eigentlich , die die kleine Marie Trippel zu dem gemacht haben , was sie jetzt ist . Gieshübler war es , durch den sie nach Paris kam , und Kotschukoff hat sie dann in die Trippelli transponiert . « » Ach , Geert , wie reizend ist das alles , und welch Alltagsleben habe ich doch in Hohen-Cremmen geführt ! Nie was Apartes . « Innstetten nahm ihre Hand und sagte : » So darfst du nicht sprechen , Effi . Spuk , dazu kann man sich stellen , wie man will . Aber hüte dich vor dem Aparten , oder was man so das Aparte nennt . Was dir so verlockend erscheint - und ich rechne auch ein Leben dahin , wie ' s die Trippelli führt - , das bezahlt man in der Regel mit seinem Glück . Ich weiß wohl , wie sehr du dein Hohen-Cremmen liebst und daran hängst , aber du spottest doch auch oft darüber und hast keine Ahnung davon , was stille Tage , wie die Hohen-Cremmner , bedeuten . « » Doch , doch « , sagte sie . » Ich weiß es wohl . Ich höre nur gern einmal von etwas anderem , und dann wandelt mich die Lust an , mit dabeizusein . Aber du hast ganz recht . Und eigentlich hab ich doch eine Sehnsucht nach Ruh und