. » Und wenn ich nun wirklich steckenbleibe , was ist es denn am Ende ? Zu meiner Zeit konnte überhaupt keiner reden , und das wissen die Vernünftigen auch . Außerdem hab ich die Einleitung ganz intus , und wenn ich merke , daß ich mich zu verwickeln anfange , so sag ich bloß : ... Und so möcht ich Sie denn fragen , Sie alle , die Sie hier versammelt sind , sind wir Preußen ? Ich bin Ihrer Antwort sicher . Und in diesem Sinne fordre ich Sie auf ... Und dann das Hoch . « All das gab ihm seine Haltung einigermaßen wieder , aber er blieb trotzdem in einem gewissen Fieber , und dies hielt auch noch an , als der schreckliche Moment bereits vorüber war . Vielleicht lag es auch daran , daß er gleich nach seinem Hoch ein großes Glas herben Ungar heruntergestürzt hatte . Nach dem Kaffee überfiel ihn ein Schwindel . Es ging aber wieder vorüber , und in bester Laune brach er schließlich auf . Die Sterne funkelten ; es war schon herbstlich frisch , und er fröstelte . » Höre , Johann « , sagte er , » hast du nicht eine Zudecke ? « » Nein , Herr General ; ich werde aber meinen Mantel ausziehen . « Aber da kam er schön an . » Unsinn , Menschen Rock vom Leibe ziehen ; ich , ein Poggenpuhl . « Und in solchen Ausrufungen sprach er noch eine Weile weiter . Es war ein Uhr , als er in die Dorfgasse einfuhr . Im Schlosse war noch ein alter Diener auf , ebenso Sophie . Die sah schon auf dem Flur , wie verändert er war . » Onkel , du frierst so , soll ich noch einen Tee machen oder eine Stürze ? « » Unsinn . General Poggenpuhl ... « Es klang so sonderbar , und Johann sagte zu Sophie : » Gott , Fräulein , so sagt er schon immerzu . Ich glaube , er ist sehr krank . « Er war sehr krank . Doktor Nitsche , der am andern Morgen gerufen wurde , bemerkte zu der Tante : » Gnädige Frau , wir müssen nasse Tücher aufhängen und ein mattes Licht und vollkommene Ruhe « ; zu Sophie aber sagte er : » Typhus , mein gnädiges Fräulein . « » Wird er wieder ? « Er zuckte die Achseln . Dreizehntes Kapitel Die Befürchtungen erfüllten sich schnell . Sophie , die trotz Widerspruch des Arztes die Pflege leitete , schrieb jeden Abend eine Karte nach Haus , in der sie - schon der Tante halber , die die Zeilen vielleicht lesen mochte - zunächst immer nur betonte , » daß noch keine Gefahr sei « . Sie war aber nur zu sehr da , und den siebenten Tag nach Beginn der Krankheit traf ein Brief bei der Mama ein , der dahin lautete : » Heute mittag ist Onkel Eberhard gestorben ; während der Nacht war er noch in großer Unruhe , dann fiel er im Laufe des Vormittags in einen apathischen Zustand , und kurz vor zwölf ist er eingeschlafen . Von Anfang an war wenig Hoffnung , weniger , als ich Dir aussprechen mochte . Ich habe viel an ihm verloren , aber nicht ich nur ; wir werden ihn alle sehr vermissen , vielleicht Wendelin ausgenommen , der seinen Weg auch so macht . Über manches , was diese Tage mich sonst noch erleben ließen , mündlich ausführlicher . Ich freue mich , Euch alle wiederzusehen , vor allem Dich , meine liebe gute Mama . Daß Ihr kommt , nehme ich als sicher an . Die Tante wünscht es dringend , und ich glaube , wir müssen ihre Wünsche respektieren . Erst aus Klugheit und dann , weil sie ' s so sehr verdient . Das Beigeschlossene bittet sie freundlichst aus ihrer Hand annehmen zu wollen und hofft , daß es ausreichen werde , die Reise sowie alles übrige zu bestreiten . Was ich brauche , wird aus Breslau kommen . Ihr werdet am besten übermorgen abend abreisen . Dann seid Ihr am zwölften in aller Frühe hier . In der Mittagsstunde soll die Beisetzung erfolgen . Deine Sophie « Die Gefühlsbewegung , als Manon diesen Brief vorgelesen hatte , war bei den drei Damen eine nicht geringe , bewegte sich aber doch nach sehr verschiedenen Seiten hin . Die Mutter hing ganz einer herzlichen Trauer nach , die noch reiner gewesen wäre , wenn sich nicht manche bange Zukunftssorge mit eingemischt hätte ; Manon , trotz aller Verehrung und Liebe für den Onkel , empfand es schmerzlich , einer gerade für den zwölften bei Bartensteins angesetzten Soiree nicht beiwohnen zu können , während sich Therese nur von einer Vorstellung beherrscht fühlte : von dem Gedanken an das ihr lediglich als eine Haupt- und Staatsaktion erscheinende Begräbnis . Sie sah sich nicht nur bereits in der vordersten Reihe der Leidtragenden , sondern lebte auch ganz dem Hochgefühle , daß die Repräsentation der Poggenpuhlschen Familie - die beiden alten Damen , als nur angeheiratete , zählten kaum mit - einzig und allein auf ihr beruhe . Dies Hochgefühl sah sich allerdings durch den dem Briefe beigelegten Tausendmarkschein auf Augenblicke beeinträchtigt , aber die Vorzüge lagen andrerseits auch wieder so klar zutage , daß das Bedrückliche schnell hinschwand , besonders nachdem man sich untereinander dahin geeinigt hatte , daß Therese in die Stadt fahren und dort die Trauergarderobe besorgen solle . Nächst dem Begräbnis selbst erschien allen dieser Besuch in einem Trauermagazin als der bedeutungsvollste Moment , und die Miene , mit der sich die ältere Schwester zu dieser Fahrt anschickte , hatte etwas so ausgesprochen Distinguiertes , daß selbst Manon davon berührt und zu einer Art Huldigung hingerissen wurde . Dieses Gefühl machte freilich rasch einer entgegengesetzten Empfindung Platz , als Therese von ihrer Fahrt zurückkehrte . Die Kleider , so berichtete sie , würden bis morgen früh geliefert